Beatsteaks – Beatsteaks

 Heute kaufte ich mir das neue Album der Beatsteaks. Und das trug sich folgendermaßen zu: Mein Tag begann sehr früh mit einem Gang zum Straßen- und Tiefbauamt Dresden. Es ging um eine Genehmigung für Straßenmusik. Dabei kann ich nicht mal ein Instrument spielen. Egal. Das Wie und Warum kläre ich vielleicht in einem kommenden Artikel auf. Jedenfalls kann man ja über Beamte sagen, was man will, aber die beiden Damen waren sehr freundlich und verständnisvoll. Ich hatte eigentlich vor, direkt danach zur Unibibliothek zu düsen. Aber das Wetter, das vorzügliche Wetter! Strahlend blauer Himmel, nicht zu heiß und die Innenstadt kam gerade erst in die Gänge. Will heißen, dass die großen Einkaufspassagen ihre Pforten noch nicht geöffnet hatten.

Bis es soweit war, vertrieb ich mir die Zeit mit einem kühlen Getränk. Anschließend machte ich mich auf den Weg in den nächsten Saturn. Vielleicht lag es an der frühen Stunde, am Wetter, den Temperaturen oder der fast leeren Innenstadt, aber: Ich war in Kauflaune. So ein Verlangen überkommt mich zwar immer wieder mal, aber so gut wie nie führt es mich in die furchtbaren Vinyl-Abteilungen der großen Elektronik-Discounter. Warum auch? Die sind schließlich hoffnungslos überteuert und mit einer jämmerlichen Auswahl gesegnet. Ich stöberte also in den Platten. Irgendetwas ansprechendes müsste doch zu finden sein…

Eine Compilation von Modeselektor. Hm! Zwar steht mir der Sinn derzeit nicht nach Electro, der Preis von 9,99 Euro ist aber verlockend. Fazit: Zu hohes Risiko, weg damit. Nächster Griff: Fleet Foxes. Die mochte ich sogar mal. Aber das ist mir vermutlich viel zu anstrengend. Was noch? Die neue Morrissey! Für knappe 30 Taler. Haha, hau ab! Während ich weiter ziellos herumstöbere, höre ich das Gespräch zwischen zwei Saturn-Mitarbeitern mit: „Muss eben noch die Musik anmachen, dann räum’ ich die Neuerscheinungen ins Regal. Ist ja zum Glück nur die neue CD der ewig nichtinspirierten (Anm,: Ich kannte das Wort bis zu diesem Moment auch nicht!) Beatsteaks.“ Er sagte dies im typischen Ton eines Musiksnobs. Satt, eine Spur wehleidig und auch etwas anklagend. Ich wiederum dachte mir: „Keine schlechte Idee. Die Beatsteaks sind ‘ne sichere Bank!“ Begleitet von furchtbaren choralen Techno-Remixen bekannter Filmsoundtracks (sicher hat der Typ nur die Vorgaben der Geschäftsführung befolgt) griff ich zu, bezahlte und ging meiner Wege.

Zuhause lag die CD erst einmal rum. Ich meine: Beatsteaks! Was will man da groß erwarten? Eben. Beatsteaks sind so ein bisschen wie der Besuch bei meiner bevorzugten Currywurstbude. Ich weiß, was ich bekomme. Wie schräg muss man bitte drauf sein, wenn man von den fünf Berlinern eine musikalische Revolution erwartet. Mit langweilig oder gar „nichtinspiriert“ hat das gleich gar nichts zu tun. Geradliniger Rock mit mehr oder weniger offensichtlich Pop-Akzenten. Will ich mehr für den Sommer? Nein, verdammt! Ob das Oeuvre der Beatsteaks deswegen gleich in die Easy Listening-Schublade gesteckt werden muss? Was weiß ich!

Mittlerweile sitze ich nämlich seit fast drei Stunden auf dem Balkon, lasse die CD schon zum fünften oder sechsten Mal durchlaufen und finde das alles ziemlich in Ordnung. Nebenbei bastle ich an meiner Diplomarbeit und riskiere nur ab und zu einen Blick auf die Rückseite der CD-Hülle. Man will ja schließlich wissen, wie die einprägsamen Songs heißen, damit man sie auch mal in einem Artikel, wie diesem hier, erwähnen kann. „Make A Wish“ gefällt zum Beispiel ausnahmslos gut und würde von mir direkt mal den Preis für den besten Song bekommen. Den „Gentleman Of The Year“ kennt man ohnehin schon durch das Radio. Der Song begeistert mich nach wie vor mit seinen sparsam eingesetzten Beatbausteinen. Nicht minder entspannt tönen „Everything Went Black“ und „Creep Magnet“. Es müssen ja nicht immer meterhohe Gitarrenwand sein. So, das war’s. Mehr fallen mir nicht ein. Ja, obwohl es die Beatsteaks sind, braucht das ganze wohl noch etwas, bis ich die Titel klar voneinander unterscheiden kann. Vielleicht würden originellere Songtitel aber auch schon reichen. Dennoch: Das Album macht einen sehr lässigen Gesamteindruck. Gar nicht mal so hohe Schweinerockanteile. Angenehm kurzweilig. Kurzum: Ziemlich perfekt für Sommertage und –Abende wie diese.

Von einer großartigen Weiterentwickelung ist aber nichts zu hören. Moment – warum eigentlich „aber“? Hat denn irgendjemand nach Weiterentwicklung geschrien? Muss sich eine Band wie die Beatsteaks überhaupt so einer Transformation unterwerfen? Vielleicht meinte der Saturn-Mitarbeiter das damit, als er etwas ungelenk von mangelnder Inspiration sprach. Aber weißt Du was, lieber Saturn-Typ? Scheiß auf Inspiration. Manchmal tut’s auch eine große Portion schnörkelloser Spaß. Und zwar für den Bauch, nicht für den Kopf.

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