I Declare War

i declare war

Fantasie gehört ja bekanntlich zu den wundervollsten Fähigkeiten des Menschen. Ein wenig Vorstellungskraft vorausgesetzt, entstehen zum Beispiel aus gewöhnlichen Wolken die abenteuerlichsten Wesen. Oder denken wir nur mal an die großen Künstler der Menschheitsgeschichte. Nicht auszudenken, wo wir ohne all die Gemälde, Romane oder Musikstücke wären.

Auch die Nachmittage von P.K., Quinn und einigen anderen Jungen werden durch ausgeprägtes Vorstellungsvermögen gehörig aufgewertet. Aus dem Wald am Rande der Stadt wird ein Schlachtfeld, aus Stöcken und Wasserbomben werden Gewehre und Granaten. Und auch sie selbst sind keine unschuldige Kinder mehr, sondern kampferprobte Veteranen.

Sie tun das, was so ziemlich alle Heranwachsenden irgendwann mal machen: Sie spielen Krieg. Dabei ist es nebensächlich, ob das Spiel jetzt Räuber und Gendarm oder Cowboy und Indianer heißt. An der Kernidee ändert sich sowieso nichts: Zwei Teams stehen sich gegenüber und versuchen das jeweils andere zu besiegen. Was nicht heißt, dass es keine Regeln gibt. Ganz im Gegenteil:

Ziel ist es, die Flagge aus der gegnerischen Basis zu erobern. Wer dabei angeschossen wird, ist für zehn Sekunden betäubt, kann danach aber wieder normal mitkämpfen. Erst wer von einer Wasserbombe, pardon, Granate getroffen wird, scheidet endgültig aus. P.K., der mit Vorliebe Dokumentationen über General Patton schaut, hat dieses Spiel perfektioniert. Er ist der ungeschlagene General unter den Kindern. Dieses Mal tritt er jedoch gegen den nicht minder intelligenten Quinn an.

Wie ernst den Kindern ihr Spiel ist, wird spätestens dann deutlich, wenn sie tatsächlich mit Sturmgewehren und Pistolen aufeinander losgehen. Natürlich haben sie immer noch nur zusammengeklebte Stöcke in den Händen, doch I Declare War spielt munter mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Kinder. Selbst die mühsam zusammengenagelten Baumhäuser werden in der Fantasie der Kinder zu uneinnehmbaren Festungen.

Die Regisseure Jason Lapeyre und Robert Wilson wecken im Verlauf des Films all zu verständliche Erinnerungen an Herr der Fliegen. Jedoch sind die Sympathien nicht annähernd so klar verteilt wie in Goldings Roman. Zwar orientiert sich der sadistische Skinner, der schon in den ersten Minuten das Kommando in Quinns Team an sich reißt, klar an Goldings Figur des Jack. Sein Gegenspieler P.K. wird deswegen aber noch lange nicht zum strahlenden Helden. Er überzeugt zwar mit Scharfsinn, verlässt sich dabei aber auf kühle Logik. Ohne weiteres opfert er Freunde im zunehmend außer Kontrolle geratenden Spiel. Echte Sympathien vermögen nur die Fußsoldaten in diesem Konflikt wecken. Etwa der naive Kwon, der ewig quasselnde Frost oder auch Jessica als einziges Mädchen, das zudem ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen scheint.

Obwohl das junge Alter der Darsteller anderes vermuten lässt, sind die schauspielerischen Leistungen zwar lediglich zweckmäßig, aber trotzdem überzeugend. Oft machen die Kinder den Eindruck, dass sie sich noch nicht mal groß anstrengen, sondern lediglich sie selbst sind – was angesichts der Filmidee wunderbar aufgeht. Weitaus mehr Anlass zur Kritik bietet da schon die Handlung, die mehr verspricht, als sie letztlich wirklich liefern kann. Lapeyre und Wilson haben einige Handlungsstränge eingewoben, die eine brillante Auflösung vermuten lassen. Schlussendlich werden diese aber erschreckend simpel und wenig originell zu Ende erzählt.

Dennoch ist I Declare War keine Enttäuschung, sondern ein ganz und gar unterhaltsamer Kommentar auf bierernste Kriegsfilme wie Apocalypse Now, Der Soldat James Ryan, Platoon und wie sie alle heißen. Gerade wenn die Kinder wie Charaktere aus den genannten Filme reden, wirkt das angesichts des triefenden Patriotismus und Pathos herrlich fehl am Platze. Zugleich gelingt dem Regie-Gespann stets die Ernsthaftigkeit, die das Spiel für die Kinder nun mal hat, zu respektieren. Auch wenn am Ende des Tages die Schlacht gewonnen ist und alle wieder in ihr gewöhnliches Heim zurückkehren können, so war der Nachmittag im Wald doch etwas ganz besonderes. Etwas, das die Erwachsenen ja doch nicht verstehen.

Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Jason Lapeyre, Robert Wilson
Drehbuch: Jason Lapeyre
Darsteller: Siam Yu, Michael Friend, Gage Munroe, Mackenzie Munroe, u.a.

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