Good Vibrations

Good VibrationsIch habe noch nie etwas von einem Terri Hooley gehört. Bis ich in einer Sneak Preview mit etwa zwanzig anderen Leuten Good Vibrations gesehen habe. Diese Melange aus Musikfilm und Biopic hat mich mit einem bis dato völlig unbekannten Menschen vertraut gemacht und mir obendrein einen wunderbaren Abend beschert. Ach was rede ich? I fuckin‘ love this guy!

In meinem Kopf klingt dieser Satz so, wie ihn Richard Dormer als eben jener Terri Hooley aussprechen würde. Mit hartem irisch Akzent, mehr gespuckt als gesprochen. Und mit dem breitesten Grinsen der Welt auf den Lippen. Aber auf Anfang: Was macht diesen Typen so besonders?

Wir befinden uns im Belfast der 70er Jahre. Hooley ist als DJ in der von den Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten zerrütteten Stadt unterwegs. Seine früheren Weggefährten gehen sich mittlerweile gegenseitig an die Gurgel, nur er selbst schert sich einen Dreck um diesen Straßenkrieg. So fasst Hooley einen ebenso naiven wie bewundernswerten Entschluss: Der Reggae soll Belfast den Frieden bringen. Und zwar in Form eines Plattenladens mitten auf der „Bomb Alley“, der gefährlichsten Straße in ganz Belfast.

Damit aber nicht genug. In einer der besten Szenen des Films kommt Terri in einem miefigen Club mit Punkmusik in Berührung. Vollkommen betrunken eröffnet er der Band Rudi, dass er unbedingt eine Platte mit ihnen aufnehmen will. Der Rest ist Geschichte. Aus dem Plattenladen Good Vibrations wird im Laufe der Jahre das Plattenlabel Good Vibrations und Hooley zum „Godfather of Belfast Punk“.

Bereits der frühe Entschluss einen Plattenladen in der Bomb Alley zu eröffnen, offenbart uns wie Terri Hooley tickt. Er denkt nicht nach, er macht einfach. Mehr als einmal setzt er alles auf eine Karte und noch viel öfter verliert er dabei. Und dann rappelt er sich wieder auf, macht einfach weiter als wäre nichts gewesen. Ganz egal was die Bank, seine Freunde oder Frau davon halten mögen. Sein Plattenlabel schlittert immer wieder in die roten Zahlen? Scheißegal. Solange die lokalen Bands jenseits der Grenzen Nordirlands Berühmtheit erlangen, ist alles in Ordnung. Hooley mag zwar der geborene Verlierer sein, aber auch einer, der seine Träume trotz aller Widerstände lebt.

Dass es der Film schafft so viel Bewunderung für Hooley zu wecken, ist Richard Dormer in der Rolle des ungewöhnlichen Produzenten zu verdanken. Mühelos wickelt er den Zuschauer um den Finger. Er bellt, tobt und lacht, dass es eine helle Freude ist. Sein feuriger Optimismus ist höchst ansteckend. Trotz aller Makel Hooleys, die der Film höchstens anschneidet, wünscht man ihm den Erfolg vom ganzen Herzen. Mehr als einmal dachte ich mir: Dem Typen würde ich ganz gerne mal ein Bier ausgeben.

Darüber zeichnet Good Vibrations auch ein überzeugendes Bild von Belfast in den 70ern. Nie verkommen die schrecklichen Bilder des Nordirlandkonflikts zum reinen Selbstzweck. Stattdessen zeigen die Regisseure Glenn Leyburn und Lisa Barros D’Sa sehr deutlich, wie stark die Punkszene Belfasts durch den Nordirlandkonflikt geprägt wurde. Und dann ist da natürlich die fantastische Musik der Label-Bands. Von den Untertones, Rudi oder den Outcasts habe ich zwar ebenfalls noch nie etwas gehört, weil meine Punk-Phase locker 10 bis 15 Jahre zurückliegt. Aber sofort war mir wieder klar, weshalb ich als Jugendlicher so vernarrt in dieses Genre war. Wenn ein Film solche Gefühle wieder heraufbeschwören kann, dann macht er viele Dinge verdammt richtig.

Vor allem beweist Good Vibrations, dass Punk reichlich wenig mit Aussehen zu tun hat. Zu meiner Schulzeit gab es einige Pfeifen, die steif und fest das Gegenteil behauptet und für so eine Aussage nur schallendes Gelächter übrig gehabt hätten. Terri Hooley trug weder einen Irokesenschnitt, noch lief er in zerrissenen Klamotten rum. Trotzdem ist er für mich ein größerer Punk als es diese Kleingeister je hätten sein können.

Good Vibrations feierte seine Premiere am 29.03.2013. Der Deutschlandstart ist der 08.05.2014. Freunde von Filmen mit Herz und Seele wissen, was sie an diesem Tag zu tun haben.

Laufzeit: 102 Minuten
Regie: Glenn Leyburn & Lisa Barros D’Sa
Drehbuch: Colin Carberry, Glenn Patterson
Darsteller: Richard Dormer, Jodie Whittaker, Michael Colgan, Liam Cunningham u.a.

2 Gedanken zu „Good Vibrations

  1. Das klingt super! Werde mir den Film anschauen…ist ja leider bei „Musikfilmen“ genauso wie bei Sportfilmen. Viel Klischee und selten viel Herz. DAS hier klingt anders, da bin ich gespannt!

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