Jahresrückblick 2013: Sehen

Runde 2 im Jahresrückblick und seien wir mal ehrlich: Es wird auch mal Zeit. Das Kinojahr 2014 ist schließlich schon in vollem Gange. Schwergewichte wie „The Wolf of Wall Street“ oder „12 Years a Slave“ starten bereits diese Woche. Also endlich mal einen Schlussstrich unter dem vergangenen Jahr ziehen und nach vorn blicken. Wie war 2013 eigentlich? Gut war’s! Dank vieler Sneak Previews gab es wieder deutlich mehr Filme abseits ausgetretener Pfade zu sehen als im letzten Jahr. Ist aber auch wirklich komfortabel mit so vielen Programmkinos in der Stadt. Aber da geht im bereits angebrochenen Jahr noch viel mehr. Versprochen!

Wie schon im musikalischen Rückblick auch hier wieder eine vollkommen lose zusammengestellte Liste all jener Filme, die mich auf ihre ganz spezielle Art und Weise 2013 beeindrucken konnten:

The Master

Einmal mehr lässt Paul Thomas Anderson nicht nur zwei Männer, sondern zwei Welten aufeinander los. In der einen Ecke des Ringes steht Philip Seymour Hoffmann als charismatischer Intellektueller, in der anderen Joaquin Phoenix, der einen triebhaften Ex-Soldaten mimt. Und wie schon in „There Will Be Blood“ können beide Individuen nicht mit- und schon gar nicht ohne einander. Sicher, „The Master“ ist vor allem lupenreines Darstellerkino und es ist ein Genuss dabei zu sein, wenn sich Hoffmann und Phoenix aneinander abarbeiten. „The Master“ hat zwar mit einigen Längen zu kämpfen, verliert aber nie den Bezug zu seinen beiden Hauptfiguren, deren geistiges Duell eine beeindruckende Demonstration wahrer Schauspielkunst ist.

Spring Breakers

Der womöglich missverstandenste Film des Jahres ging auf das Konto von Harmony Korine. Ein Blick auf das Plakat zu selbigem genügte für vorschnelle Urteile: Halbnackte College-Schönheiten schlafen, trinken und feiern sich durch den Spring Break. Stimmt auch! Unter diesem Deckmantel liefert Korine aber eine sehenswerte Kritik an der MTV-Generation ab. Nur eben nicht von oben herab, sondern mit der bewusst gewählten oberflächlichen Ästhetik eines handelsüblichen Musikvideos. Zudem findet sich in „Spring Breakers“ die wohl bizarrste Musikszene des letzten Jahres. Spring Break forever, bitches!

Searching For Sugar Man

Diese Dokumentation braucht die Bezeichnung modernes Märchen nicht zu scheuen. Ein Musiker, der in Amerika vielleicht sechs Platten verkauft hat, avancierte in Südafrika zum Volkshelden – ohne es zu wissen. „Searching For Sugar Man“ ist zu gleichen Teil spannende Detektivgeschichte und Loblied auf die Kraft der Musik. Nach dem Film fragte ich mich völlig zu Recht, wieso ich vorher noch nie etwas von diesem großartigen Menschen gehört habe. Komische Welt, diese Musikwelt.

Gravity

„Gravity“ ist womöglich der einzige Film, den man letztes Jahr im Kino gesehen haben sollte. Die Blu-ray auf einem ausreichend großen Fernseher samt sorgfältig aufgestellter Soundanlage? Nice try! 90 Minuten im Kinosessel mit „Gravity“ waren nicht nur absolut beeindruckend, sondern das exakt das, wofür großes Blockbusterkino eben auch stehen kann: eintauchen in fremde Welten, das Hier und Jetzt vergessen, Eskapismus pur. Da stört es nicht die Bohne, dass die Geschichte simpel und der Zufall Sandra Bullock ein paar Mal zu oft zu Hilfe geeilt ist. Erinnert sich jemand noch an den Slogan: „Kino. Dafür werden Filme gemacht.“ Richtig wäre: „Kino. Dafür wurde Gravity gemacht.“

Frances Ha

Die Parallelen zu „Oh Boy“ sind offensichtlich: Mittzwanzigerin stolpert orientierungslos durch schwarz-weißes Großstadtleben und versucht eigentlich nur ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Dennoch ist „Frances Ha“ mehr als ein bloßer Abklatsch. Zu allererst mal wegen einer durch und durch bezaubernden Greta Gerwig in der Hauptrolle, die mit ihrer kindlichen Naivität und sympathischen Trotteligkeit mein Herz im Sturm erobern konnte. Auch ist „Frances Ha“ wunderbar unprätentiös, die Lacher nie gezwungen und damit trotz totgenudeltem Thema ein herrlich frischer Film.

Beste Serie 2013: Breaking Bad Season 5.2
Größte Enttäuschung 2013: Only God Forgives
Größte Überraschung 2013: Il Futuro – Eine Lumpengeschichte in Rom
Überflüssigstes Remake 2013: Oldboy

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