Jahresrückblick 2013: Hören

Machen wir’s ausnahmsweise mal kurz: Das Musikjahr 2013 war ein ziemlich gutes. Aber nicht ganz ohne Haken, denn die besten Alben waren so viel besser als der ganze Rest, dass die obligatorischen Bestenlisten ganz ohne Überraschungen und Geheimtipps aufgestellt waren. So auch diese, wie immer ohne eine feste Reihenfolge oder Platzierung:

Die Alben

Nick Cave & the Bad Seeds – Push The Sky Away

„I got love in my tummy and a tiny little pain and a ten ton catastrophe on a sixty pound chain.“

Na schön, die Sache mit der losen Aufzählung war in diesem speziellen Fall gelogen. Nicht umsonst steht dieses Album an erster Stelle, war es doch einer der ersten und schlussendlich sogar der glanzvollste Höhepunkt des vergangenen Jahres. Nick Cave und seine Bad Seeds entledigen sich aller lärmenden Elemente des vorhergehenden Albums und ebnen so den Weg für ihre minimalistische Hypnosesitzung namens „Push The Sky Away“. Einmal mehr erweist sich der Australier als lakonischer Geschichtenerzähler, bei dem sich Traum und Realität nie so ganz trennen lassen. Grandios.

Arcade Fire – Reflektor

„We scream and shout ‚till we work it out“

Zum Jahresende gab es eigentlich nur eine Band: Arcade Fire. Dabei hätte das vierte Album der Kanadier die aufwendige Promotion, die auch Geheimauftritte unter dem Decknamen „The Reflektors“ nicht aussparte, so gar nicht nötig gehabt. Seit dem Grammy für „The Suburbs“ waren Arcade Fire ohnehin in aller Munde. Reflektor zeigt aber, dass solche Preise bedeutungslos sind, so deutlich überragt es seinen Vorgänger. Obwohl ebenfalls von majästetischer Länge, ist der vierte Wurf mit deutlich weniger Lückenfüllern besetzt. Reflektor ist Pathos im Schein der Diskokugel, ungewohnt offenherzig und ganz sicher ein großartiger Querschnitt moderner Musik.

Daft Punk – Random Access Memories

„My name is Giovanni Giorgio but everybody calls me Giorgio“

An Daft Punk gab es in diesem Jahr kein Vorbeikommen. Der Veröffentlichungszeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können und trug maßgeblich zur Rettung des So-Lala-Sommers bei. „Random Access Memories“ zog selbst Tanzmuffel in die Clubs, ließ sich aber ebenso gut im Park mit Sonnenbrille auf der Nase genießen. Die Qualitäten von einem Dutzend federleichter Disconummern eben. Damit ist nicht nur das omnipräsente „Get Lucky“ gemeint. Random Access Memories hat schließlich noch so viel mehr zu bieten und wird ab jetzt wohl der Rettungsanker für verregnete Tage.

The National – Trouble Will Find Me

„I have only two emotions, careful fear and dead devotion.“

The National machen nicht mehr nur Musik für Abende mit einem Glas Rotwein, sie sind längst selbst zu dem edlen Getränk geworden: Ein Tropfen, der mit den Jahren immer besser wird. Die feinen Nuancen werden aber nur jene Kenner entdecken, die sich schon länger von Matt Bernigers Stimme, die so schwer und weich wie purpurner Samt daherkommt, begleiten lassen. Noch immer geben sich The National ganz dieser ganz speziellen, leicht verschrobenen Melancholie hin. Und nie klang das so sanft und glatt wie auf „Trouble Will Find Me“. Prost.

Queens of the Stone Age – …Like Clockwork

„…the spitting image of me except for the heart shaped hole where the hope runs out“

Zurück in die Wüste. Zurück in die staubtrockene, gottverlassene Welt des Josh Homme. „…Like Clockwork“ ist nicht weniger als die sorgfältig destillierte Essenz der Queens of the Stone Age. Ein Album, das so unerwartet griffig daherkommt und zugleich sämtliche Facetten der Band in sich vereint. Der engelsgleiche Gesang des Josh Homme etwa, das brutal-präzise Schlagzeug oder psychedelische Gitarrenlandschaften. „…Like Clockwerk“ erinnert an eine wilde Schimäre: Hier ist einfach alles möglich.

Die obligatorische Playlist 2013

01. Nick Cave & The Bad Seeds – Jubilee Street
02. Kanye West – Blood on the Leaves
03. TV on the Radio – Mercy
04. The National – Don’t Swallow the Cap
05. Daft Punk – Giorgio By Moroder
06. Junip – Line of Fire
07. Casper – Hinterland
08. Moderat – Bad Kingdom
09. Frank Turner – The Fisher King Blues
10. Bonobo – Ten Tigers
11. Arcade Fire – Afterlife
12. Marcus Wiebusch – Nur einmal rächen
13. Woodkid – I love you
14. Nine Inch Nails – Copy of A
15. Queens of the Stone Age – I Appear Missing

Zugabe

16. Mount Kimbie – Home Recording
17. The National – This is the Last Time
18. Casper – Im Ascheregen
19. Queens of the Stone Age – The Vampyre of Time and Memory
20. Nick Cave & The Bad Seeds – Higgs Boson Blues

Der Rest

Bestes Konzert 2013: Casper (Clubkonzert = Abriss)
Bestes Musikvideo 2013: Arcade Fire – Afterlife
Größte Enttäuschung 2013: Frank Turner – Tape Deck Heart
Guilty Pleasure 2013: Scooter – 20 Years of Hardcore

2 Gedanken zu „Jahresrückblick 2013: Hören

  1. Sehr gute Playlist! Schön, dass es auch Queen of the Stone Age drauf geschafft haben. Alte Helden von damals, für eine Zeitlang zumindest.
    Mein absoluter Favorit und eindeutiger Song des Jahres ist aber Junip: Line of Fire, deine Nummer 6 der Playlist. Ist schon so ein mächtiges Gänsehautding. Am Anfang beinahe zu nah bei Simon & Garfunkel und am Ende wahrer Emotionsbombast. Aber auch die guten alten Tindersticks und noch mehr Mazzy Star fanden meinen Beifall. Scheint so, als kämen so langsam die 90er Jahre wieder…

    • Irgendwann kommt doch alles wieder!😉
      Aber schön, dass sie dir zusagt. Dieses Jahre hatte ich wirklich große Probleme eine vernünftige Liste hinzubekommen, was vor allem daran liegt, dass ich dieses Jahr erschreckend wenig gehört habe, geschweige denn aktiv nach neuem Kram Ausschau gehalten hab. Ergibt immerhin einen guten Vorsatz fürs neue Jahr.

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