3 Zimmer/Küche/Bad

Zu Beginn ist „3 Zimmer/Küche/Bad“ ein großes Verwirrspiel: Philipp (Jacob Matschenz) zieht mit Freundin Maria (Aylin Tezel) zusammen, ist aber insgeheim in seine beste Freundin Dina (Anna Brüggemann) verschossen, die wiederum mit Philipps Schwester Wiebke (Katharina Spiering) eine WG gründen möchte. So eine WG wollen Jessica (Alice Dwyer) und Thomas (Robert Gwisdek) gegen eine gemeinsame Bleibe tauschen, doch entsprechender Wohnraum in Berlin ist nun mal teuer und selten. Und dann ist da noch der von Bett zu Bett hüpfende Michael (Alexander Khuon) sowie Swantje (Amelie Kiefer), die kleine Schwester von Philipp und Wiebke. Alle sind mehr oder weniger eng miteinander befreundet, kaum älter als 25 und in ständiger Aufbruchsstimmung. Die Generation Praktikum lässt grüßen.

Mit „3 Zimmer/Küche/Bad“ wirft Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann einen schonungslosen und humorvollen Blick auf acht junge Leute, die sich im Spannungsfeld zwischen ungewisser Zukunft und den täglichen Sorgen zurechtfinden müssen. Permanent werden Koffer und Umzugskartons gepackt. Mal um gemeinsam in eine neue Bleibe zu ziehen, mal um der alten zu entfliehen, weil es mit dem Partner nicht mehr auszuhalten ist. Über den Zeitraum eines Jahres wird das Beziehungsgeflecht der Figuren immer wieder aufgelöst und neu geknüpft. Er mit ihr, sie mit ihm oder eben doch nicht. Dauerhaft ist hier gar nichts. Flexibilität wird eben nicht nur im Job erwartet.

„Wir sind die Generation, die kein Geld hat und auch nie welches verdienen wird. Wir wachsen indem wir schrumpfen.“, fasst Thomas die Situation in einer Szene treffend zusammen. Zwar lässt sich eine unterschwellige Gesellschaftskritik kaum leugnen, doch ist „3 Zimmer/Küche/Bad“ alles andere als plakativ. Stattdessen wird die Kritik in Form vieler humorvoller Spitzen transportiert. Etwa wenn sich Wiebke lautstark darüber beklagt, dass die Traumwohnung doch bitteschön Parkett, Stuck und Flügeltüren haben sollte und bloß keine Rauhfasertapete oder Laminat. Solche augenzwinkernden und humorvollen Seitenhiebe auf das hippe Großstadtleben verteilt der Film reihenweise. Nur selten wird daneben gegriffen. Wenn Philipp in einer Szene zum Beispiel gleich dreimal unfreiwillig über seinen Fahrradlenker absteigt, wirkt schon der zweite Sturz erzwungen albern.

Die Aufteilung in die vier Kapitel Herbst, Winter, Frühling und Sommer erweist sich bei näherer Betrachtung als unausgewogen. Während der Herbst vor allem dazu dient, die buntgemischte Gruppe vorzustellen, warten im Winterabschnitt die spannendsten Höhepunkte. Frühling und Sommer erscheinen da im direkten Vergleich wie zwei Anhängsel. Die Geschichte scheint zu stagnieren. Trotz weiterhin orginineller Einfälle, reichen die beiden letzten Kapitel nicht an das bereits Gesehene heran. Oder anders ausgedrückt: „3 Zimmer/Küche/Bad“ ist mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit schlicht zu lang.

Dafür bietet der Film aber herrlich unverbrauchte Darsteller. Zwar mögen deren Rollen hier und da etwas klischeehaft wirken, das schadet dem natürlich wirkenden Zusammenspiel aber kaum. Vielleicht wird sich der eine oder andere Altersgenosse sogar in manchen Figuren wiederfinden können. Ebenfalls punkten kann der Film mit seinem mitreißenden Indie-Soundtrack. Der ist letzten Endes zwar Geschmackssache, passt aber ganz wunderbar in das Leben und Lieben der acht Twens.

Mit „3 Zimmer/Küche/Bad“ hat Dietrich Brüggemann ein leichtfüßiges Generationsportrait entworfen. Die angesprochenen Schwächen lassen sich zwar nicht schönreden. Sie ändern aber auch nichts daran, dass „3 Zimmer/Küche/Bad“ ein warmherziger Film, voller Humor und klugen Beobachtungen, ist.

Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Dietrich Brüggemann, Anna Brüggemann
Darsteller: Jacob Matschenz, Anna Brüggemann, Robert Gwisdek, Alice Dwyer u.a.

Titelbild: Zorro Film

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