52 Games #35: Tradition

Nein, dieser Beitrag soll sich nicht um skrupellose Entwickler drehen, die uralte Spieleserien ausgraben, um sie dann „modernisiert“ und „dem Zeitgeist entsprechend“ neu aufzulegen, dabei aber vollkommen vergessen, welche Spielelemente die Fans damals so begeistert haben, dementsprechend eine Menge Leute verprellen, die als Reaktion darauf garstige Forenposts verfassen und den größten Shitstorm der Geschichte lostreten, von dem sich der Entwickler aber ziemlich unbeeindruckt zeigt, weil er am Quartalsende ja trotzdem ein dickes Plus verzeichnen kann, was die alteingesessenen Fans aber gleich doppelt ärgert, da ihre geliebte Serie so zur neuen Casual-Cash-Cow wird und die Entwickler in ihren neuen Sportwagen und Monstertrucks jegliche Traditionen über den Haufen fahren und damit sogar noch reicher und noch berühmter werden.

Puh, tief durchatmen! Nein, darum soll es wirklich nicht gehen. Schließlich mag kein Mensch ausufernde Schachtelsätze. Außerdem drängt sich zu diesem Thema und passend zur Jahreszeit eine ganz andere Tradition auf. Denn im Herbst, wenn die Tage wieder kürzer und kälter werden, gönne ich mir ganz gern einen kleinen Urlaubstrip. Seit fast sechs Jahren zieht es mich nun schon an den selben Ort, ein kleines verschlafenes Städtchen an den Ufern des Toluca Lake: Silent Hill.

Ich bin niemand, der ein absolutes und definitives Lieblingsspiel benennen könnte. Silent Hill 2 wäre aber sicher ein sehr heißer Kandidat. Mein erster Ausflug fand, wie schon gesagt, vor gut sechs Jahren statt. Ein Freund überließ mir nur für die Versandkosten seine alte Playstation 2. Kurze Zeit später wanderte ich auch schon zum ersten Mal mit James Sunderland durch die vernebelte Geisterstadt. Sofort war ich von der Atmosphäre und Geschichte gefesselt. Ich liebte dieses Spiel mit jeder Faser meines Körpers.

Ein Jahr später spielte ich es nochmal, natürlich wieder im Herbst. Weitere zwölf Monaten verstrichen und ich ertappte mich dabei, wie ich es erneut hervorkramte. Längst habe ich alle Geheimnisse entdeckt, die Lösungen der Rätsel haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt, das Durchspielen ist fast schon zu einem automatisierten Prozess verkommen. Aber die Faszination ist noch so groß wie am ersten Tag. Selbst jetzt noch, wenn ich die Auflösung der Story schon seit Jahren kenne, zieht es mich immer wieder an James‘ und Marys „Special Place“.

Dabei hat Silent Hill 2 im eigentlichen Sinne gar keinen nennenswerten Wiederspielwert. Es müssen keine schwerwiegenden Entscheidungen getroffen werden und die verschiedenen Enden lassen sich heutzutage ganz bequem auf Youtube finden. Vermutlich geht es aber auch nicht darum ein Spiel nochmal vollkommen anders durchzuspielen. Braucht es vielleicht gar kein weit verzweigtes Geäst aus möglichen Handlungsverläufen, das den Spieler dazu bringen soll ein Spiel solange durchzuspielen, bis alle Varianten ausgeschöpft sind? Oder genügt schon ein ziemlich perfektes Spiel? In dieser Sache bin ich mir hundertprozentig sicher, aber mich beschäftigen derzeit auch ganz andere Dinge. Schließlich haben wir schon wieder Herbst und ich muss noch die jährliche Reise nach Silent Hill vorbereiten. Traditionen wollen schließlich gepflegt werden.

Dieser Artikel zum Thema “Tradition” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

Ein Gedanke zu „52 Games #35: Tradition

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