Hotline Miami

In Drive gibt es diese eine Szene, in der sich Ryan Gosling eine Gummimaske überzieht und vor dem Restaurant eines Gangsterbosses aufkreuzt. Drinnen tobt eine Party und keinem der Gäste fällt der maskierte Typ auf, der durch ein kleines Fenster den Innenraum beobachtet. Als Zuschauer macht man sich bereits auf das Schlimmste gefasst. Immerhin hat Ryan Gosling kurz zuvor einem Mafiosi die Hand mit einem Hammer zertrümmert Weiterlesen

52 Games #38: Krieg

Die Stimmung könnte bedrückender kaum sein. Es ist tiefster Winter an der Ostfront. Oder Westfront. Aber spielt der Ort überhaupt eine Rolle? Vermutlich nicht. Mühsam schleppt sich meine Spielfigur durch die verschneite Landschaft, ihre Arme eng um die Brust geschlungen. Um mich herum sind die Körper gefallener Soldaten in grauenhaften Posen erstarrt. Manche sind bereits von der Schneedecke eingehüllt, anderen fehlen Arme oder Beine. Nur ein paar wenige Unglückliche scheinen überlebt zu haben. Sie irren umher, einer wiederholt apathisch das Wort ‚Mundharmonika‘, ein anderer klagt über unmenschliche Schmerzen. Rein äußerlich scheinen sie unversehrt. Vielleicht haben ihnen die Mörsergranaten keine Gliedmaßen weggeschossen, wohl aber einen Teil ihres Verstandes. Weiterlesen

Tu Fawning – A Monument

Man nehme etwa fünfzig Zettel, beschrifte sie mit unterschiedlichen Musikrichtungen und hefte sie an eine Dartscheibe. Anschließend wirft man blind drei Pfeile in Richtung Scheibe, kombiniert die getroffenen Begriffe und wiederholt diesen Vorgang beliebig oft. Dabei entstehen solche Wortschöpfungen wie „Psychedelic Death Folk“, „Tribal Blues Rock“ oder „Progressive Indie Pop“. Alle drei Kombinationen fassen die Musik von Tu Fawning ganz gut in Worte, schießen im selben Moment aber meilenweit am Ziel vorbei. Wer auch immer vorhat, die Musik der vierköpfigen Band aus Portland in eine Schublade zu quetschen, kann daran nur scheitern. Weiterlesen

Looper

Hätte, hätte, Fahrradkette. Hätte ich gestern schon abgewaschen, müsste ich heute nicht den Dreck von den Tellern kratzen. Und wäre ich gestern nicht so spät ins Bett gegangen, würden meine Augenringe heute nicht bis zum Boden reichen. Mit Ursache und Wirkung muss sich auch Joe herumschlagen: Hätte er sein späteres Ich ohne zu zögern erschossen, müsste er jetzt nicht vor seinen Auftraggebern fliehen, die es gar nicht gern sehen, wenn ein Job vermasselt wird. Weiterlesen

52 Games #36: Comic

Das mit Comics und mir ist schon eine verzwickte Angelegenheit. Grundsätzlich bin ich den gezeichneten Bildchen nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil. Doch immer wenn ich mich gedanklich dazu durchgerungen habe, mich näher mit der Materie zu befassen, zückt mein Verstand den Radiergummi und löscht alle bis dahin gefassten Entschlüsse erbarmungslos aus. Denn: Wo soll man bloß anfangen? Marvels Hausmarken existieren nun schon seit mehreren Jahrzehnten. Unzählige Handlungsstränge und Reboots machen den Einstieg nicht gerade leicht. Und dann ist da noch die Sache mit den Superhelden an sich: Müssen die alle so verstrahlt und abgedreht sein? Können nicht einfach alle wie Batman sein? Ach, Batman. Der nachweislich beste Superheld aller Zeiten. Weiterlesen

3 Zimmer/Küche/Bad

Zu Beginn ist „3 Zimmer/Küche/Bad“ ein großes Verwirrspiel: Philipp (Jacob Matschenz) zieht mit Freundin Maria (Aylin Tezel) zusammen, ist aber insgeheim in seine beste Freundin Dina (Anna Brüggemann) verschossen, die wiederum mit Philipps Schwester Wiebke (Katharina Spiering) eine WG gründen möchte. So eine WG wollen Jessica (Alice Dwyer) und Thomas (Robert Gwisdek) gegen eine gemeinsame Bleibe tauschen, doch entsprechender Wohnraum in Berlin ist nun mal teuer und selten. Und dann ist da noch der von Bett zu Bett hüpfende Michael (Alexander Khuon) sowie Swantje (Amelie Kiefer), die kleine Schwester von Philipp und Wiebke. Alle sind mehr oder weniger eng miteinander befreundet, kaum älter als 25 und in ständiger Aufbruchsstimmung. Die Generation Praktikum lässt grüßen. Weiterlesen

52 Games #35: Tradition

Nein, dieser Beitrag soll sich nicht um skrupellose Entwickler drehen, die uralte Spieleserien ausgraben, um sie dann „modernisiert“ und „dem Zeitgeist entsprechend“ neu aufzulegen, dabei aber vollkommen vergessen, welche Spielelemente die Fans damals so begeistert haben, dementsprechend eine Menge Leute verprellen, die als Reaktion darauf garstige Forenposts verfassen und den größten Shitstorm der Geschichte lostreten, von dem sich der Entwickler aber ziemlich unbeeindruckt zeigt, weil er am Quartalsende ja trotzdem ein dickes Plus verzeichnen kann, was die alteingesessenen Fans aber gleich doppelt ärgert, da Weiterlesen