52 Games #31: Jugendsünden

Jetzt gehen die Herrschaften von Zockwork Orange aber wirklich auf Tuchfühlung. Jugendsünden, huiuiui! Es ist schon verwunderlich, dass man erst jetzt, mitten in der 31. Projektwoche, die Keller der Teilnehmer nach Leichen durchsucht. Mein eigener ist in dieser Hinsicht ja relativ besenrein. Sicher, die eine oder andere Altersempfehlung habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn extrem großzügig ausgelegt, aber wer kann sich davon schon freisprechen? Mit einem speziellen Spiel kann ich also gar nicht dienen. Wenn aber überhaupt etwas unter den Begriff Jugendsünde fällt, dann ja wohl meine leidenschaftliche Cheaterei. Und mit Age of Empires hatte ich den idealen Spielplatz auf meiner Festplatte.

1997 erschien der erste Teil der traditionsreichen Serie. In Echtzeit lenkte man die Geschicke eines Volkes von der Steinzeit bis zur Eisenzeit. Im Prinzip also ein verkleinerter, beschleunigter Bruder des unkaputtbaren Civilization. Nur eben mit weniger Völkern (allesamt antike Hochkulturen) und den vier Rohstoffen Nahrung, Holz, Stein und Gold. Damit wurden Siedlungen aus dem Boden gestampft und besser früher als später Truppen produziert, um den Gegner von der Karte zu fegen.

Das Problem an der Sache: Ich hatte und habe absolut kein Talent für Echtzeitstrategie. Vergleicht man Age of Empires mit heutigen Schwergewichten wie Starcraft 2, dann wirkt das Spiel von 1997 äußerst träge und behäbig. Doch mir war das immer noch zu schnell. Zum Glück brachte das Spiel eine ganze Reihe von äußerst praktischen Cheatcodes mit. Während meine Konkurrenten also ihre Arbeiter zum Holz- und Steinesammeln oder auf Löwenjagd schickten, standen meine Dorfbewohner nasebohrend neben dem Hauptgebäude. Ich tippte derweil immer wieder kryptische Kommandos wie woodstock, pepperoni pizza, coinage oder quarry in die Chatzeile. Wie durch Zauberhand füllte sich mein Rohstoffkonto. Dorfbewohner waren für mich überflüssig. Und zwar so sehr, dass ich sie meistens sofort umgebracht habe. Schließlich brauchte man viel Platz, wenn sich Gebäude dank steroids schon fertig auf der Karte platzieren ließen. Mit reveal map und no fog blieb das Vorhaben auch stets planbar.

Richtig mies wurde es aber erst, wenn ich genug von meinen Gegnern hatte. Dann griff ich nämlich zu bigdaddy, e=mc2 trooper, photon man und pow . Selbstredend wurde jeder dieser vier Befehle mindestens zwanzig Mal hintereinander eingegeben. Zu jener Zeit besuchten viele Klassenkameraden nach der Schule einen Kurs für das 10-Finger-System. Ich war aber schon immer ein Freund des Selbststudiums und tippte mir in einem Wahnsinnstempo eine Armee aus schwarzen Sportwagen mit Raketenwerfern, Nuklear- und Lasersoldaten und bewaffneten Babys auf Dreirädern zusammen. Unnötig zu erwähnen, dass mit diesen Einheiten auch die mächtigsten Gegner zurück in die Steinzeit gebombt werden konnten – sofern ich ihnen genügend Zeit für den Sprung zur Bronzezeit ließ. Diese maßlose Zerstörung glich einer digitalisierten Version des unter Heranwachsenden äußerst beliebten „Kombiniere Ameisenhaufen mit Lupe und Sonnelicht“-Spiels.

Da habt ihr es. Ich war ein sehr, sehr böser und talentfreier Echtzeitstratege. Mit Age of Empires 2 habe ich mich übrigens ganz ernsthaft auseinandergesetzt. Immerhin gab es da wirklich tolle Kampagnen. Spätestens da war mir auch bewusst, wie sehr man sich doch den Spielspaß mit Cheats versauen kann. Ein genialer Echtzeitstratege bin ich zwar immer noch nicht, greife aber deshalb nicht gleich auf Cheats zurück. Solche kreativen und witzigen Codes wie im Beispiel Age of Empires sind heutzutage ja eh schon ausgestorben. Schade eigentlich…

Dieser Artikel zum Thema “Jugendsünden” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

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