52 Games #30: Film

Mein elfter Geburtstag gehört zweifellos zu den Highlights meines Lebens und hat mich rückblickend betrachtet enorm geprägt. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hatten wir unseren ganz eigenen Geburtstagsbrauch: Am Vorabend wurde der Küchentisch mit Blumen und natürlich den Geschenken vollgepackt, weshalb vor dem Frühstück immer das Auspacken stand – meistens noch im Schlafanzug. Was gab es also an meinem elften Geburtstag? Zum Beispiel meine allererste Stereoanlage mit CD-Player! Und dazu die Bravo Hits 22. Hui! Loona, Vengaboys und Scooter auf einem Sampler. Gibt es etwas besseres für Elfjährige ohne ausgeprägten Musikgeschmack? Ja! Nämlich eine Spielesammlung mit dem bezeichnenden Namen „Zehn Adventures“.

Glücklicherweise war der Inhalt dann aber doch spektakulärer als der Schriftzug auf der Verpackung vermuten ließ. Diese zehn Adventures waren nämlich nicht irgendwelche, sondern die Crème de la Crème des Lucas Arts-Portfolios: Maniac Mansion, Monkey Island 1 und 2, Loom, Day of the Tentacle oder auch Sam & Max. Unbestrittenes Glanzstück dieser Sammlung war für mich aber Indiana Jones and the Fate of Atlantis, ein Spiel zu einem Film, der niemals gedreht wurde weil Steven Spielberg ja lieber ein Ufo und Außerirdische im vierten Indy-Film haben wollte.

Mit diesem Spiel kam für mich zusammen, was zusammen gehört. Indiana Jones hätte mir ja schon als Argument gereicht, aber gleich noch ein brandneues Abenteuer, was ich selber spielen konnte? Heilige Lederjacke! So zumindest in der Theorie. Die Realität sah nämlich so aus, dass meine Soundkarte nicht so recht mit dem Spiel harmonieren wollte und ich mich deswegen beim Nachbarsjungen einnisten musste. Machte aber gar nichts, schließlich war er ein ebenso begeisterter Indy-Fan wie ich. Somit konnten wir uns zu zweit durchknobeln. Im Endeffekt war das auch besser so, denn ich erinnere mich an Rätsel wie Vermessungen auf Kreta oder Ballonfahrten über der algerischen Wüste, die definitiv nicht auf die grauen Zellen eines einzelnen Elfjährigen zugeschnitten waren.

Davon ab bot Indiana Jones and the Fate of Atlantis aber genau das, was man von den Filmen ohnehin schon gewohnt war: Abwechslungsreiche Schauplätze, witzige Dialoge, den Raiders March und natürlich Prügeleien mit Nazischergen. Außerdem bekam Indy mit Sophia Hapgood einen äußerst schlagfertigen Sidekick zur Seite gestellt, die so manches „Indy-Girl“ der Filme alt aussehen ließ. Erwähnenswert sind auch die drei unterschiedlichen Pfade, die man auf der Suche nach Atlantis einschlagen konnte. Auf dem Denk-Pfad bekam man es mit den härtesten Puzzles zu tun, der Fäuste-Pfad rückte Indys rechten Haken stärker in den Mittelpunkt und der Team-Pfad bot eine ausgewogene Mischung aus beidem. Je nachdem für welchen der Wege man sich entschied bekam man gänzlich unterschiedliche Orte zu Gesicht. Das war noch echter Wiederspielwert.

Bei solch frühen Erinnerungen lässt sich ein gewisser Grad nostalgischer Verklärung nie restlos ausschließen. Trotzdem: Indiana Jones and the Fate of Atlantis wäre der bessere vierte Indy-Film gewesen. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Aliens, keine Sowjets, keine Atomexplosionen, keine animierten Erdmännchen, kein Steven Spielberg, kein Mutt, kein… jaja, ich hör ja schon auf.

Dieser Artikel zum Thema “Film” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

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