Prometheus

Bereits vor dem ersten Teaser rankten sich allerhand Gerüchte um „Prometheus“. Als gesichert galt lediglich die Person auf dem Regiestuhl, nämlich kein geringerer als Ridley Scott. Davon ab wusste man lange Zeit nichts über das Projekt. Doch allein der Klang des Titels „Prometheus“ versprach Großes. Erst später sickerten neue Informationen durch. Das Projekt sei ein Prequel zu Scotts „Alien“ von 1979, hieß es. Später ruderte der Regisseur ein Stück zurück. Demnach würden beide Filme zwar im selben Universum spielen, aber eigenständige Geschichten erzählen. Trotzdem sind in „Prometheus“ zahlreiche Verweise auf die Alien-Reihe zu finden. Die Frage nach Prequel oder nicht lässt sich somit nicht restlos beantworten. Leider ist das auch dem fertigen Film anzumerken. Denn wie Regisseur Ridley Scott bleibt „Prometheus“ vage und eiert um eine klare Antwort herum.

Im Jahr 2089 sind die Archäologen Shaw (Noomi Rapace) und Holloway (Logan Marshall-Green) den Ursprüngen der Menschheit auf der Spur. Bei Ausgrabungen rund um den Globus stoßen sie auf das immer gleiche Piktogramm, in dem ein riesenhaftes Wesen auf eine Planetenkonstellation deutet. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es sich dabei um eine Einladung der sogenannten Konstrukteure, die Schöpfer der Menschheit, handeln muss. Einige Monate später begibt sich das Forschungsschiff Prometheus auf die Reise zum Planeten LV-233. Auf dem Himmelskörper vermutet man die Konstrukteure. Doch Oberfläche und Atmosphäre lassen eher auf einen unbewohnten Himmelskörper schließen. Nur eine gigantische Tempelanlage weist Spuren von Leben auf. Das Team um Shaw und Holloway beginnt mit der Erforschung der Ruinen und muss schon bald feststellen, dass das Deuten von Höhlenmalereien nicht zu ihren Stärken gehört.

„Prometheus“ beginnt mit wenig Horror, dafür mit einer großen Portion klassischer Science-Fiction. In opulenten Bildern vermittelt Ridley Scott seine Vision der Zukunft. Von den klinisch-sterilen Gängen der Prometheus, über die bildgewaltige Landesequenz des Schiffes bis hin zu den klaustrophobisch anmutenden Tunneln im Inneren des Tempels: „Prometheus“ ist wie für die große Leinwand geschaffen. Ridley Scott stellt einmal mehr sein Gespür für beeindruckende Bilder unter Beweis. Mühelos gelingt dem Briten der Spagat zwischen finsteren Gängen und endlos anmutenden Panoramen. Nie hätte ich geglaubt das einmal zu sagen, aber vor allem in 3D sieht „Prometheus“ absolut umwerfend aus.

Doch unter der äußerst hübschen Schale verbirgt sich leider gar kein Kern. Dabei ist die zentrale Fragestellung des Films hochspannend: Was geschieht wenn Schöpfung und Schöpfer aufeinandertreffen? Und ist das überhaupt erstrebenswert? So sehr sich „Prometheus“ im ersten Drittel auch bemüht derlei Fragen in den Zuschauerköpfen anzustoßen, so rasch werden solche Gedankengänge auch wieder fallen gelassen. Wenn etwa das ach so clevere Forschungsteam von einer 0815-Horrorsituation in die nächste stolpert. Das ist nicht nur unoriginell und überraschungsarm, sondern auch zutiefst enttäuschend. Eine an sich interessante Grundthematik verkommt somit zu einer aufgeblasenen, bemüht wirkenden Pseudophilosophie, die für den Film in etwa so nützlich ist wie ein Kropf.

Und doch ist „Prometheus“ unterhaltsam. Vorausgesetzt man erfreut sich an den Bildern, weiß den Fanservice zu schätzen oder ist ein Fan von Michael Fassbender. Unter der sonst ziemlich blassen Crew ist er nämlich der unangefochtene Star. Pikanterweise verkörpert Fassbender keinen Menschen, sondern den Androiden David. Der verfolgt seine ganz eigenen Pläne und bleibt mit einer Mischung aus höflicher Arroganz und bemühter Lockerheit bis zum Schluss undurchschaubar. Wenngleich Noomi Rapace in ihrer Rolle als fromme Archäologin kaum als Ellen-Ripley-Ersatz taugen mag, so überzeugt sie doch mit ihrer zur Schau gestellten Leidensfähigkeit und ihrem Überlebenswillen. Davon ab ist „Prometheus“ mit namhaften Darstellern wie Charlize Theron, Idris Elba oder Guy Pearce besetzt. Deren Rollen bleiben aber kaum in Erinnerung: Theron stolziert als Beauftragte von Weyland Corp. mit kaltem Blick durch das Raumschiff, Idris Elbas Captain Janek ist für die witzigen Momente zuständig und Guy Pearce versteckt sich als steinalter Peter Weyland unter tonnenweise Make-up.

Ob man mit „Prometheus“ Spaß hat, hängt von der eigenen Erwartungshaltung ab. Ich persönlich habe auf berauschende Bilder und die ein oder andere Querverbindung zu den Alien-Filmen gehofft und habe genau das bekommen. Dass die Story einem zusammengefallenen Windbeutel gleicht und am Ende mehr Fragen aufwirft als beantwortet, mag ärgerlich sein, ist aber dank der umwerfenden Bildern verschmerzbar. Wer weiß, vielleicht steigert sich Ridley Scott in den kommenden Teilen – immerhin ist „Prometheus“ als Reihe angelegt – und findet zu alter Stärke zurück. Wünschenswert wäre es allemal.

Laufzeit: 124 Minuten
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Idris Elba, Charlize Theron u.a.

4 Gedanken zu „Prometheus

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