Cro – Raop

Über Deutschlands bekanntesten Träger von Pandamasken muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Zwei Mixtapes, haufenweise Gratistracks sowie ein Video mit schlappen 22 Millionen Klicks. Nicht die schlechteste Bilanz für einen 20-Jährigen. Da ist es wenig überraschend, wenn Cro nicht nur auf Zustimmung stößt: Während sich Teenager-Mädchen bei seinen Auftritten die Seele aus dem Leib kreischen, brandmarken selbsternannte Genrewächter den Stuttgarter als Nestbeschmutzer. Aber ein wenig Kontroverse hat ja noch niemandem geschadet.

Auch „Raop“ wird daran nichts ändern. Mit einer plötzlichen 180-Grad-Wende hat hoffentlich eh niemand ernsthaft gerechnet. Cro rührt wieder dieselben leichtverdaulichen Zutaten an, die schon auf seinen Mixtapes für relaxte Stimmung gesorgt haben. Lupenreine Rapmusik ist das natürlich nicht, eher eine Mischung aus Rap und Pop – Raop eben.

Für gedankenschweres Problemwälzen bleibt da keine Zeit. Mit bunter Kreide malt Cro sein sorgenfreies Leben auf den harten Asphalt der Ghettorapper. Was die dazu sagen? Vollkommen egal! Denn im Königreich des selbsternannten „King of Raop“ gibt es nur eine oberste Bürgerpflicht: Relaxen. Bei Tracks wie dem bekannten „Easy“ oder „Meine Zeit“ und „Geile Welt“ fällt das auch nicht sonderlich schwer. Die dazugehörigen Texte interpretiert der Stuttgarter mit seinem altbekannten Rap-Singsang. Dass er technisch aber eigentlich viel mehr auf dem Kasten hätte, bezeugen Doubletime-Parts im „Intro“. So eine Ausnahme unterstreicht aber nur Cros Mentalität: Nicht groß überlegen, einfach machen.

Derartige Gelassenheit wirkt sich natürlich unweigerlich auf das Themenspektrum und die dazugehörigen Texte aus. Die sind nämlich allesamt harmlos, um nicht zu sagen austauschbar. Tiefgründige oder clever konstruierte Wortkombinationen sucht man auf „Raop“ vergeblich. Bleistift und Notizblock dürfen getrost wieder weggepackt werden, Auseinandersetzungen mit den Texten sind überflüssig. Für Cro besteht somit aber die Gefahr, nicht mehr aus der selbstgebauten Schublade des entspannten Gute-Laune-Rappers herauszukommen. Denn wenn er sich wie bei „Ein Teil“ doch an ernste Themen wagt, wirkt das bestenfalls befremdlich, im Kontext des Albums aber schlicht deplatziert.

Schlecht ist „Raop“ deswegen noch lange nicht. Tatsächlich können dem Album seine Schwächen auch als Stärken ausgelegt werden: Perfekte Raptechnik und fette Beats? Wozu denn? Schließlich flowt Cro auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln. Selbst die flachen Texte sind ja im Grunde nur das Skateboard auf dem Cro entspannt über sein farbenfrohes Beatpflaster rollt. Lässigkeit um jeden Preis scheint die einzige Regel bei der Entstehung des Albums gewesen zu sein.

Mit seiner ersten Platte setzt der Maskenträger den Stil seiner Mixtapes nahtlos fort. „Raop“ ist Musik für die Hängematte und warme Sommerabende im Park. Eindimensional, ja, aber auch wunderbar unverkrampft. Ob die Platte als strahlendes Sommergewächs auch den Winter überstehen wird, darf allerdings ernsthaft bezweifelt werden. Aber auch da gibt sich der Panda unbeeindruckt: „Meine Zeit ist jetzt  – egal was kommt, man ich bleib relaxed.

Tracklist:

 

 

 

 

01. Intro
02. King Of Raop
03. Easy
04. Geile Welt
05. Du
06. Wie ich bin
07. Meine Zeit
08. Nie mehr
09. Jeder Tag
10. Genau so
11. Einmal um die Welt
12. Wir waren hier
13. Ein Teil

Spielzeit: 38:04

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