Hasta la Vista

Philip (Robrecht Vanden Thoren), Lars (Gilles de Schryver) und Jozef (Tom Audenaert) haben einen Plan. Sie wollen gemeinsam einen Puff in Spanien besuchen. Genauer gesagt das El Cielo, ein Etablissement, das sich auf Menschen wie sie spezialisiert hat: Menschen mit Behinderung. Bevor die drei Freunde aber ihre Unschuld verlieren dürfen, sind noch einige Hürden zu meistern. Ein Fahrer muss her und idealerweise sollen die überfürsorglichen Eltern nichts von dem Plan mitbekommen. Von da aus entspinnt sich ein ganz besonderer Road Trip.

Auch wenn das Vorhaben der Drei zunächst albern und konstruiert anmuten mag, erschließt sich der Sinn dahinter recht bald: Wegen ihrer schweren Behinderungen – Philip und Lars sind an den Rollstuhl gefesselt, Jozef ist praktisch blind – sind sie einem durchstrukturierten und eintönigen Leben ausgeliefert. Neben der Liebe zu Wein und Frauen bleibt den drei Freunden also nur der Trip nach Spanien, um der Langeweile zu entfliehen. Im Falle von Lars ist es besonders dringlich, tickt in ihm doch eine Zeitbombe in Form eines Tumors.

Das klingt alles irgendwie vertraut? Kein Wunder, erinnert „Hasta la Vista“ doch an eine Mischung aus „Knockin‘ On Heaven’s Door“ und „Ziemlich beste Freunde“. Das ist insofern problematisch, weil es dem Film dadurch an Eigenständigkeit mangelt. „Hasta la Vista“ kann der Grundthematik somit wenig Neues hinzufügen. Das Gefühl, alles schon einmal woanders gesehen zu haben, ist ein ständiger Begleiter.

Dass sich der Film trotzdem lohnt, ist den angenehmen Figuren zu verdanken. Regisseur Geoffrey Enthoven macht es sich nicht zu leicht und verzichtet auf unbedingte Sympathieträger, wie sie bei so einem Film zu erwarten wären. Besonders der vom Hals abwärts gelähmte Philip lässt sich gern zu übelsten Schimpfkanonaden gegenüber der Fahrerin Claude (Isabelle de Hertogh) und seinen Mitmenschen hinreißen und wirkt dadurch mitunter richtig unsympathisch. Jozef ist das genaue Gegenteil: Gerne kokettiert er mit seiner Blindheit und ist ein ganz und gar herzensguter Mensch. Lars pendelt sich wiederum irgendwo zwischen den beiden ein, wodurch er als ausgleichendes Element innerhalb der Gruppe dient.

Für einen Ausgleich sorgt auch die Chemie zwischen den drei Freunden in Bezug auf die Handlung. Die präsentiert sich nämlich ohne nennenswerte Überraschungen, ist vorhersehbar und wirkt gegen Ende merkwürdig gehetzt. Wegen den liebenswürdigen Figuren lassen sich die Schwächen der Geschichte aber verschmerzen. Philip, Lars und Jozef sind nie das direkte Ziel der Witze. Wie auch? Schließlich haben sich alle drei eine gehörige Portion Humor bewahrt und lachen bevorzugt über sich selbst, was die Stärke ihrer Freundschaft nur noch mehr verdeutlicht. Dank dieses lebensbejahenden Grundtenors stellt sich die Frage, ob man über Behinderte lachen darf, gar nicht erst: Der Zuschauer lacht nicht über, sondern mit den Figuren.

Unter dem Strich ist „Hasta la Vista“ ein gelungener Film. Nicht mehr und nicht weniger. Zwar kann Regisseur Geoffrey Enthoven der Thematik keine neuen Erkenntnisse abgewinnen, dafür beherrscht er aber das Wechselspiel zwischen Drama und Komödie. Mühelos werden humorvolle durch tragische Szenen abgelöst, nur um kurz darauf mit einem neuerlichen Lachen relativiert zu werden. „Hasta la Vista“ ist leichtfüßiges Kino aus Belgien, das aber auch für den ein oder anderen Kloß im Hals gut ist.

Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Geoffrey Enthoven
Drehbuch: Pierre de Clercq
Darsteller: Robrecht Vanden Thoren, Gilles de Schryver, Tom Audenaert u.a.

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