Warrior

Es herrscht angespannte Stimmung in der ausverkauften Sportarena. In der linken Ecke gehen Mark Wahlberg und Christian Bale noch einmal ihre Taktik durch. Die Menge skandiert lautstark die Namen der beiden Superstars. Davon können die beiden Herren in der anderen Ecke nur träumen: Joel Edgerton und Tom Hardy wärmen sich für den alles entscheidenden Kampf gegen Team „The Fighter“ auf. Die beiden sind die klassischen Underdogs: Von Beginn an unterlegen, ohne nennenswerte Fanbase, mangelhafte PR. Trotzdem wird ihr Team „Warrior“ am Ende den Sieg davon tragen. Denn so wie es Gesetz ist, dass ein jeder Sportfilm in einem alles entscheidenden Showdown gipfelt, ist auch der Triumph des Underdogs eine unumstößliche Regel.

Ähnlich wie „The Fighter“ erzählt auch „Warrior“ die Geschichte zweier Brüder. Der eine von ihnen, Tommy (Tom Hardy), ist gerade aus dem Krieg zurückgekehrt, um seinem alten Herren Paddy (Nick Nolte) nach langer Zeit einen Besuch abzustatten. Der ist seit drei Jahren trocken und beschäftigt sich sogar wieder mit der Bibel. Doch Tommy kann seinem Vater die früheren Verfehlungen nicht verzeihen, an denen die Familie zerbrochen ist. Stattdessen will sich Tommy nur von seinem Vater trainieren lassen („Now that much you were good at“), um bei Sparta, einem Turnier der Top 16 im Mittelgewicht, zu gewinnen.

Für Brendan (Joel Edgerton), den älteren der beiden Brüder, sieht es in der Zwischenzeit gar nicht rosig aus. Nachdem er sich von Vater, Mutter und auch Tommy abgenabelt hat, um dem kaputten Familienalltag mit seiner Freundin Tess zu entfliehen, steht es um seine neue Existenz mehr als schlecht. Hoch verschuldet droht er auf der Straße zu landen und so wird das Sparta-Turnier für den ehemaligen Kampfsportler zur letzten Rettung.

Es ist schon fast unnötig zu erwähnen, dass die beiden voneinander entfremdeten Brüder im Laufe des Turniers aufeinandertreffen werden, immerhin ist das hier immer noch ein Sportfilm, der gewissen Konventionen folgt. Doch selbst wenn die Paarung für den Finalkampf schon nach den ersten paar Minuten auf der Hand liegt, ist der Weg dahin mit allerlei denkwürdigen Momenten gepflastert. Regisseur Gavin O’Connor gelingt es dabei nicht nur äußerst wuchtige und brachiale Kampfszenen zu inszenieren, die stark von den kampfsporterfahrenen Hauptdarstellern profitieren. Im Herzen ist „Warrior“ aber auch ein zutiefst bewegendes Familiendrama, welches vor allem durch die Glanzleistungen der Hauptdarsteller getragen wird. Wo Mark Wahlberg in „The Fighter“ mühelos von Melissa Leo und Christian Bale an die Wand gespielt wird, ist sich das Dreiergespann Nolte, Hardy und Edgerton ebenbürtig. Und alle spielen ihre unterschiedlich gelagerten Rollen hervorragend.

Für Nick Nolte ist seine Rolle als Paddy Conlon wohl so etwas wie ein großes Comeback. Völlig zu Recht gab es dafür auch eine Oscar-Nominierung für den besten Nebendarsteller. Paddy Conlon beteuert gegenüber seinen Söhnen immer wieder, dass er sich geändert habe. Im Grunde wünscht er sich nichts sehnlicher als Vergebung. Nolte verkörpert diesen gebrochenen Mann mit so einer schonungslosen Intensität, dass man nur tiefes Mitgefühl für Paddy empfinden kann, gerade wenn er wieder einmal von Tommy vor den Kopf gestoßen wird.

Tom Hardy hat sich für seine Rolle etwa 13 Kilogramm Muskelmasse antrainiert. Seine physische Präsenz ist also ohnehin schon sehr beeindruckend. Doch wenn der Ringrichter die Runde eröffnet, wird Tommy zu einer hocheffizienten Maschine, die Gegner reihenweise auf die Matte schickt. Außerdem umgibt ihn eine Aura des Geheimnisvollen, weil seine Motivation am Turnier teilzunehmen lange Zeit im Dunkeln bleibt. Auch Joel Edgerton ist in körperlicher Höchstform, macht aber keinen durch und durch überlegenen Eindruck wie Tom Hardy. Brendan ist vielmehr eine geerdete Figur, die durch Edgertons sensibles Spiel für den Zuschauer greifbar wird. Sein Abschneiden im Turnier entscheidet über die Zukunft seiner jungen Familie. An Brendans Entschlossenheit am Ende als alleiniger Sieger dazustehen, lässt Edgerton zu keiner Zeit Zweifel aufkommen.

Für den Zuschauer wird „Warrior“ zu einer Achterbahnfahrt der Sympathien. Im Grunde wünscht man beiden Brüdern den Sieg, auch wenn es am Ende nur einer schaffen kann. Doch spätestens wenn im Finale alle Dämme brechen und gestandene Männer in Tränen ausbrechen ist klar, dass es in „Warrior“ um mehr als nur ein MMA-Turnier geht. Nämlich um Schuld, Reue und Vergebung und nicht zuletzt auch Familie.

Die Ähnlichkeit zwischen „The Fighter“ und „Warrior“ ist kaum zu übersehen. Na schön, der eine beruht auf einer wahren Begebenheit und dreht sich um das Boxen, im anderen hauen sich fiktive Figuren per MMA die Köpfe ein. Trotzdem wendet „Warrior“ einen emotionalen Klammergriff nach dem anderen beim Zuschauer an und lässt ihn so schnell nicht los.

Dingdingding! Der Kampf ist aus. Team „The Fighter“ liegt am Boden, Team „Warrior“ reißt nach einem knappen Kampf die Arme in die Luft. Das Publikum tobt und vereinzelte Zuschauer wischen sich eine Träne aus dem Gesicht. „Warrior“ hat sich einen Platz unter den besten Sportfilme überhaupt erkämpft.

Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 140 Minuten
Regie: Gavon O’Connor
Drehbuch: Gavin O’Connor, Anthony Tambakis, Cliff Dorman
Darsteller: Nick Nolte, Tom Hardy, Joel Edgerton u.a.

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