52 Games #13: Einsamkeit

Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Diese alte Weisheit bekommt der kleine Isaac in geradezu ungeheuerlichen Ausmaßen zu spüren. Eigentlich ist zwischen ihm und seiner frommen Mutter alles im Lot. Bis diese eines Tages die Stimme des Herrn vernimmt, ausgelöst durch eine Überdosis Bibel-TV. Gott berichtet ihr vom Sündenfall des kleinen Isaac. Daraufhin nimmt sie dem armen Kerlchen erst alle Spielsachen weg und schließt ihn kurze Zeit später in seinem Zimmer ein, um ihn vor sämtlichen Versuchungen zu schützen. Doch damit nicht genug, denn Gott gibt keine Ruhe und verlangt von seinem größten Fan ein Menschenopfer als ultimatives Glaubensbekenntnis. Das Schlachtvieh ist natürlich schnell gefunden. Isaac bleibt also nichts anderes übrig als sich durch eine Bodenluke in die Tiefen des Kellers zu flüchten.

Ab dem Punkt ist Isaac wirklich von Gott und der Welt verlassen. Einsam, nackt und allen Bezugspersonen beraubt, durchstreift er die zufällig gestalteten Kellerräume. Das macht ihn so traurig, dass er die ganze Zeit weint und zwar so viel, dass die Tränen zur Waffe werden, mit der er sich gegen die zahlreichen Kellerbewohner zur Wehr setzt. Tatsächlich sind so gut wie alle Kreaturen von alptraumhafter Gestalt und hochaggressiv. So entblößen freundlich grinsende Maden in Isaacs Nähe ihre Fangzähne und machen gnadenlos Jagd auf den Racker. Andere Kreaturen gleichen Geschwülsten auf zwei Beinen und husten eine Fliege nach der anderen aus. Wieder anderen fehlt der Kopf, was sie aber keinesfalls daran hindert auf Isaac draufzuspringen.

Wenngleich The Binding of Isaac eine ernste, ja sogar tragische Grundthematik aufweist, wird diese jedoch vom schieren Wahnwitz und haufenweise absurden Ideen überdeckt. Daran sind vor allem die zahlreichen Items schuld, auf die die nach dem Einsammeln am Körper des kleinen Jungen zu sehen sind. Kleiderbügel, die Unterwäsche seiner Mutter, ein toter aber aggressiver Vogel, Laseraugen, ein Gameboy, Wachstumshormone sowie unzählige Pillen und Tarotkarten sind nur ein kleiner Teil davon. The Binding of Isaac zieht nicht nur Religion durch den Kakao – den man übrigens auch finden kann – sondern verweist auch auf Popkultur und zahlreiche Memes.

Trotzdem ändert das nichts an Isaacs Situation. Denn in seiner Einsamkeit, fernab von all der Liebe und Freundlichkeit der Welt da draußen, muss er sich immer wieder aufs Neue gegen seine mörderische Mutter und die Gefahren der Kellergewölbe wehren. Die Einsamkeit des kleinen Isaac ist starker Tobak und eine Tragödie, zugleich aber auch unterhaltsam und motivierend.

Dieser Artikel zum Thema “Einsamkeit” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

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