The Minutes – Marcata


Eines schönen Tages im Jahre 2006 kamen drei Iren auf eine folgenreiche Idee. Sie wollten eine Rockband gründen. Ganz klassisch sollte sie sein, mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Aber es fehlte noch ein passender Name. Weil unsere drei Iren aber viel lieber ihre Instrumente auspacken und Musik machen wollten, entschlossen sie sich für einen recht austauschbaren Bandnamen und nannten sich fortan The Minutes – so stelle ich es mir zumindest vor. Seit jenem schicksalhaften Tag sind sechs Jahre vergangen. Das Trio tourte ausgiebig durch die irische Heimat und Großbritannien und durfte sogar schon mit Bands wie The Strokes oder Black Rebel Motorcycle Club auftreten. Tatsächlich hat es bis 2011 gedauert, ehe die drei Herren ihr Debütalbum „Marcata“ veröffentlichten.

Schon der instrumentale Opener „Monster“ schert sich nicht um einen gemächlichen Einstieg und geht stattdessen gleich in die Vollen. Die Mission von The Minutes ist klar: Ärsche treten! Und so sind die zwölf Songs das Ergebnis einer wilden Nacht zwischen Garagenrock und einer Prise Blues. Mal kurz und dreckig („Secret History“, „Heartbreaker“), mal geradezu hymnisch („Black Keys“) oder mit stoischer Kraft („Black and Blue“). Allen Songs ist ihre Geradlinigkeit gemein. Auf unnötige Schnörkel oder gar genrefremde Experimente wird verzichtet. Zugegeben, sonderlich originell ist das nicht. Doch gerade zu einer Zeit, in der immer mehr Genres miteinander zu verschmelzen scheinen, erweist sich die Starrköpfigkeit des Albums als ein charmanter Bonus.

„Marcata“ ist eine wilde Zeitreise in die goldenen Tage des Rock’n’Roll. Als man noch mit abgewetzten Lederjacken in dunkle, stickige Clubs gestürmt ist, um kollektiv auszurasten. Auf Konzerten, bei denen das Luftgemisch aus Alkohol, Zigarettenrauch und Schweiß das Paradies auf Erden verspricht. Wo das Schlagzeug die Meute mit einem stampenden Rhythmus anheizt, der Bass so sehr dröhnt, dass der zerrissene Jeansstoff am Körper vibriert und sich die Gitarre ein ausdauerndes Duell mit der Stimme ihres Besitzers liefert.

The Minutes gelingt es mit „Marcata“ die rohe, ungezügelte Energie ihrer Live-Auftritte einzufangen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Nach etwa einer halben Stunde ziehen die Iren dann auch schon den Stecker. Genau richtig, denn so bleiben Halswirbelschmerzen vom heftigen Kopfnicken aus. Jede weitere Minute würde wohl auch dem Album an sich schaden. Dessen Grundprinzip bleibt nämlich simpel und damit höchst austauschbar. Trotzdem: Für den Adrenalinschub zwischendurch ist „Marcata“ hervorragend geeignet.

Tracklist:

 

 

 

 

01. Monster
02. Black Keys
03. Gold
04. Fleetwood
05. Believer
06. Secret History
07. Indian Wings
08. Black and Blue
09. Heartbreaker
10. Guilt Quilt
11. I.M.T.O.D.
12. Monsters

Spielzeit: 34:15

Titelbild: MassafelliPhotography.com

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