Kimbra – Vows


„Wer?“ – „Na die aus dem Gotye-Video. Somebody that I used to know… you know?” – “Ach die… und die macht auch selbst Musik?” Und ob! Kaum scheint die Welle um Gotye abzuebben, drängt sich die junge Neuseeländerin immer mehr ins Rampenlicht. Zum Beispiel mit dem Track „Warrior“, eine Kollaboration mit A-Trak und Mark Foster für Converse. Oder eben mit ihrem Debütalbum „Vows“, welches hierzulande bislang nur über den Importweg zu bekommen ist. Kimbra macht darauf sehr schnell klar, dass sie mehr auf dem Kasten hat, als einen ohnehin schon ziemlich perfekten Popsong mit ihrem Gesang zu veredeln.

Geht man mit der erfolgreichen Gotye-Single im Hinterkopf an den Langspieler heran, wird man mit Sicherheit überrascht, vielleicht sogar enttäuscht, wenn man die Flinte zu schnell ins Korn wirft. Denn Kimbra zaubert mit „Vows“ einen kunterbunten Blumenstrauß hinter ihrem Rücken hervor, dessen schillernde Farben erst einmal nur für eines sorgen: Reizüberflutung. Aber nur Mut, Ruhe bewahren und nochmal von vorn beginnen. Die besten Chancen hat man nämlich, wenn man eine Blume nach der anderen aus dem Strauß pflückt und ausgiebig an ihr schnuppert. Dann beginnt sich das anfängliche Chaos zu entwirren, die Grenzen zwischen den Songs werden klarer und Kimbras Zauber beginnt zu wirken.

Auf „Vows“ wildert Kimbra in vielen Genres gleichzeitig. Die Elf Songs wurzeln zwar im Pop, bilden jedoch Triebe in alle möglichen Richtungen aus, um die Blumenmetapher nochmal hervorzukramen. „Call Me“ schüttelt seine Blätter zu wunderbarem Funk, „Wandering Limbs“ winkt dem Soul zu und „Cameo Lover“ wächst einer Sonne aus zuckersüßem rosa Kaugummi entgegen. Ganz gern vollziehen sich solche Stilwechsel auch in den Songs selbst. Abwechslung ist Trumpf und eine der großen Stärken von „Vows“.

Die andere ist Kimbras beeindruckende Stimme. Ach was, von wegen beeindruckend – brilliant! So wandlungsfähig wie die Songs selbst, ist nämlich auch ihre Stimme. Die Neuseeländerin versteht es, das Gefühl der jeweiligen Songs einzufangen und mit ihrem Gesang perfekt zu ergänzen. Mal mit richtig viel Soul, der Erinnerungen an Amy Winehouse weckt, kurz darauf im Stile einer Pop-Diva, dann wieder mit der rauchigen Stimmlage einer Jazz-Sängerin. Da ist es nur konsequent, dass sich auf dem Album auch eine vorzügliche Coverversion von Nine Simones „Plain Gold Ring“ wiederfindet. Dass die Texte im Grunde nicht der Rede wert sind, schmälert den Gesamteindruck kaum. Was zählt, ist Kimbras Interpretation der Worte und die gelingt außerordentlich gut.

Mit einem Debütalbum wie „Vows“ konnte man eigentlich gar nicht rechnen, schon gar nicht nach dem kurzen Auftritt in Gotyes Hitsingle. Die musikalische Bandbreite ist beeindruckend: Jazz, Soul, R’n’B, Funk und Pop gehen eine stimmige Symbiose ein. So ein bunter Eintopf ist generell riskant, doch diese Sorgen sind im Falle von „Vows“ unbegründet. Auch nach dem zwanzigsten Durchgang entdeckt man noch neue Details und Spielereien in den elf Songs. Das Debüt der Neuseeländerin ist eine Liebe auf den zweiten oder gar dritten Blick und der Beweis dafür, dass Pop prinzipiell kein Mist sein muss, sondern auch unglaublich viel Spaß machen kann. Fazit: Entzückend!

Tracklist:

 

 

 

 

 

01. Settle Down
02. Cameo Lover
03. Two Way Street
04. Old Flame
05. Good Intent
06. Plain Gold Ring
07. Call Me
08. Limbo
09. Wandering Limbs
10. Withdraw
11. The Build Up

Spielzeit: 51:04

Titelbild: Claire Marie Vogel

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