52 Games #11: Tiere


In meiner Kindheit hatte ich eine überschaubare Vielfalt an Haustieren. Zum Beispiel einen Hamster, der auf den originellen Namen Putzi hörte und in einem lila Vogelkäfig mehrere Etagen bewohnte. Und viele, viele Fische. Nicht weil mein Aquarium kolossale Ausmaße hatte, sondern weil sie unter meiner ungeschickten kindlichen Pflege so schnell verstorben sind, dass ständig für Ersatz gesorgt werden musste. Kein Wunder, dass ich also ein großer Fan der Urzeitkrebse aus den YPS-Heften war. Einfach in eine Schüssel voll Wasser geben, beim Wachsen zusehen, fertig.

Anstatt mir heutzutage einen Schwarm Instant-Haustiere heranzuzüchten, kann ich glücklicherweise auf flOw zurückgreifen. Darin steuert man ein Kleinstlebewesen auf seinem Weg an die Spitze der Nahrungskette. Steuerung und Spielprinzip sind so simpel wie der anfängliche Körper des Tierchens. Die Neigung des PS3-Controllers gibt die Bewegungsrichtung vor, mit einer Taste wird die Geschwindigkeit erhöht. Je mehr andere Einzeller vertilgt werden, desto stärker verändert sich die Struktur des eigenen Mikroorganismus. Er wird länger, komplexer und auch anmutiger. Bis zu dem Punkt, wo eine neue Entwicklungsstufe erreicht wird und alles mit einem neuen Lebewesen von vorn beginnt. Während man zuerst in Snake-Manier ein Tier nach dem anderen frisst, ist man später auf Tarnfähigkeiten angewiesen, schwebt als komplexer Mehrzeller umher oder wird in Form eines mikroskopischen Raubfischs zum Schrecken der Ursuppe.

Doch flOw lädt auch dazu ein, den Controller einfach mal zur Seite zu legen. Dann entfaltet sich nämlich die ganze Schönheit des Szenarios: Unzählige Kleinstlebewesen treiben zu sparsamen, sphärischen Klängen über den Bildschirm, scheinen in einer geheimnisvollen Choreographie miteinander zu tanzen. Sie rotten sich in Grüppchen zusammen oder halten gebührenden Abstand zu größeren Lebensformen. Dieses Spiel könnte man vermutlich auch als Bildschirmschoner an den Mann bringen. Doch das Schöne an flOw ist, dass es nicht die Stromkosten, sondern etwas weitaus wertvolleres schont: Die Nerven.

Dieser Artikel zum Thema “Tiere” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

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