52 Games #9: Klang

Mit geschlossenen Augen nimmt man Geräusche bekanntlich intensiver wahr. So kann das Hören des Lieblingsalbums zu einem unvergleichlichen Genuss werden. Für Videospiele ist es jedoch eher hinderlich, wenn man mittendrin einfach die Augen schließt. Was Musik noch zusätzlich veredelt, führt hier zum sicheren Game Over. Bei einem audiovisuellen Medium, das darüber hinaus noch interaktiv ist, liegt das aber auch auf der Hand. In Videospielen ist der Sound vor allem ein Beitrag zur Atmosphäre, aber viel zu selten ein echtes Spielelement.

In Limbo ist das zunächst nicht anders, denn die sparsamen aber effektiven Soundeffekte dienen als Katalysator für die melancholische Stimmung. Das gilt aber nur, solange man keinen Fuß in den Bonuslevel der Steam- und PS3-Version setzt. Dort knipst Limbo nämlich einfach das Licht aus. Übrig bleibt nur undurchdringliche Schwärze und das leuchtende Augenpaar der Spielfigur. Jeglichen optischen Anhaltspunkten beraubt, muss man sich ganz auf sein Gehör verlassen und so die Umgebung im Kopf zusammensetzen.

Geräusche werden in der Dunkelheit zu den besten Freunden des kleinen Jungen: Wären nicht die aufheulenden Selbstschussanlagen oder kreischenden Sägeblätter, würde dieser Abschnitt wohl nicht machbar sein. Es ist dem brillanten Sounddesign zu verdanken, dass sich die Position der Gefahrenquellen recht gut einschätzen lässt. Ein letzter Rest Ungewissheit bleibt aber bei jedem Schritt. Tatsächlich ist dieser Abschnitt von Limbo ein echtes Biest, in dem man mühelos öfter sterben kann, als im gesamten restlichen Spiel.

Doch er macht auch deutlich, wie sehr die Grafik für gewöhnlich den Sound verschluckt. Fast scheint es so, als wolle Limbo hier die visuelle Komponente so weit herunterfahren, um auf die Wichtigkeit des auditiven Parts hinzuweisen. Und tatsächlich hat sich der Level in mein Hirn gebrannt. Nicht nur wegen der vielen Tode, sondern wegen der mutigen Designentscheidung, dem Spieler eine Augenbinde anzulegen.

Also liebe Entwickler: Mehr Klang, bitte!

Dieser Artikel zum Thema “Klang” entstand im Rahmen des Projekts “52 Games” von Zockwork Orange.

Ein Gedanke zu „52 Games #9: Klang

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