Luther – Staffel 1

Krimiserien und ich. Wir mögen uns nicht besonders. Law & Order, Criminal Minds, CSI, Cold Case – das sind vier Beispiele für Serien, von denen ich zwar weiß, dass es sie gibt, wo ich aber nie auf die Idee käme sie aktiv zu verfolgen. Das hat mehrere Gründe. Solche Serien langweilen mich zuerst einmal mit ihrem formelhaften Aufbau. Es geschieht ein Verbrechen, es wird ermittelt und pünktlich zum Ende der Episode ist der Fall auch abgeschlossen. Schlimmer ist jedoch, dass es den meisten Genrevertretern an einer übergreifende Geschichte oder gar interessanten Charakteren mangelt. So stört es dann kaum, wenn man eine oder zwei Wochen nicht einschaltet. Trotz meiner Vorbehalte habe ich es mit Luther versucht. Warum? Zum einen weil die Serie von der BBC produziert wird, die uns auch schon das gefeierte Sherlock beschert hat. Und zum anderen wegen einer spannenden Hauptfigur: Detective Chief Inspector John Luther.

Luther ist so etwas wie die Geheimwaffe der Londoner Polizei. Er ist scharfsinnig, liest andere Menschen wie ein Buch und besitzt einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Aber nicht umsonst wird er von seiner Vorgesetzten auch als Nitroglyzerin bezeichnet. Denn neben dem genialen Ermittler John Luther ist da noch der Mensch John Luther, dessen Ehe nach einem Zwischenfall, der ihn fast die Dienstmarke gekostet hat, in Trümmern liegt. Darüber hinaus wird Luther auch von seinen Kollegen kritisch beäugt: Um einen Fall zu lösen, schreckt Luther nicht davor zurück unorthodoxe oder schlicht illegale Methoden anzuwenden. Der ständige innere und äußere Druck, der permanent auf John lastet, entlädt sich dann nicht selten in zerstörerischen Wutausbrüchen.

Auf dem Papier also eine ungewohnt interessante Figur für eine Kriminalserie. Doch erst Idris Elba, bekannt als Stringer Bell in The Wire, haucht der John Luther Leben ein – und wie! Elba brüllt und flucht sich durch die Ermittlungen, macht aus der Büroeinrichtung Kleinholz, meistert aber auch mühelos die ruhigen Seiten seiner Figur. Der gebürtige Londoner macht aber schon mit seiner Statur mächtig Eindruck. Nein, diesem John Luther will man nicht widersprechen und schon gar nicht in die Quere kommen. Dass Idris Elba für seine Performance einen Golden Globe abstauben konnte ist nur konsequent und hochverdient.

John Luther ist der Dreh- und Angelpunkt der Serie und zugleich ihr Alleinstellungsmerkmal. Denn sieht man einmal von der Hauptfigur ab, schleppt die Serie einige Altlasten des Krimi-Genres mit sich herum. Vor allem in den ersten vier Episoden hält sich Luther sklavisch an die eingangs angesprochene Formelhaftigkeit. Erst gegen Ende der Staffel wird mit der gewohnten Erzählstruktur gebrochen, was sich unmittelbar auf die Dynamik der Serie auswirkt.

Auch scheint DCI Luther viel zu oft und vor allem viel zu früh auf den entscheidenden Hinweis zu kommen. Klar, damit soll suggeriert werden, dass der Mann eben ein Ass auf seinem Gebiet ist. Doch dadurch ist die Ermittlungsarbeit eher spannungsarm. Im Grunde geht es nämlich nur noch darum, wie und wann die Polizei den Täter fasst. Ein Geheimnis um dessen Identität wird von Anfang an nicht gemacht. Dennoch haben es die Fälle in sich. Eine derart drastische und kaltblütige Inszenierung von Mordfällen, habe ich zumindest selten in einer Kriminalserie gesehen.

Die Verbrechen sind nüchtern betrachtet nur eine Bühne, auf der sich Luther austoben kann. Es geht vorrangig um seinen Kampf mit den inneren und äußeren Dämonen. Zu letzteren zählt auch die Soziopathin Alice, mit der sich der Ermittler ein intensives Katz-und-Maus-Spiel liefert und welches in einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen beiden Figuren kulminiert: Alice ist Freund und zugleich Feind, lenkt Luthers Ermittlungen, drängt ihn aber im nächsten Moment wieder an den Rand des Abgrunds. Das Verhältnis der beiden zueinander ist weder schwarz noch weiß, sondern so dunkelgrau wie die Persönlichkeit des Protagonisten.

Luther leugnet nie seine Verwurzelung im Krimigenre, trotzdem ist die dramatische Komponente wesentlich stärker ausgebaut, als man es von so einer Serie erwarten könnte. DCI John Luther ist eine hochspannende Figur, ein Grenzgänger, ein Getriebener. Und wahrscheinlich das beste Argument, um sich die gerade einmal sechs Episoden der ersten Staffel zu Gemüte zu führen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s