Jahresrückblick 2011: Sehen

Gleich zu Beginn der zweiten Runde des Rückblicks 2011 steht die Erkenntnis: Ich sollte im neuen Jahr wieder viel öfter ins Kino gehen. Nicht mal eine einzige Sneak Preview gesehen. Das geht natürlich nicht und wird prompt einer meiner Vorsätze für 2012. So einfach ist das! Überhaupt gab es für mich kaum nennenswerte Filme im letzten Jahr. Deswegen konnte ich auch beim besten Willen keine Liste mit 10 Titeln zusammenstellen, ohne auf mittelmäßiges Füllmaterial zurückzugreifen. Eine unsortierte und garantiert spoilerfreie Top 5 muss es also auch tun:


Die Filme

Biutiful

Alejandro González Iñárritu ist vor allem durch Episodenfilme wie Amores Perros, 21 Gramm und Babel, die ich allesamt zu meinen Lieblingsfilmen zähle, bekannt. Anstatt sich in Biutiful wieder mehreren ineinander verschachtelten Handlungssträngen zu widmen, konzentriert sich der Mexikaner auf die Geschichte um den Kleinkriminellen Uxbal. Biutiful ist ein ungemein deprimierender Film, der einem wahrscheinlich eine ganze Woche schwer im Magen liegt, wenn man ihn in der falschen Gefühlslage ansieht.


Der Gott des Gemetzels

Roman Polanski, vier herausragende Schauspieler und ein weltbekanntes Theaterstück als Vorlage. Das alles ist der Der Gott des Gemetzels. Wenn ich ins Kino gehe, dann will ich vor allem beeindruckende Schauspielleistungen sehen. Und Polanskis aktueller Film gibt mir genau das. Das brillante Skript mit seiner schieren Menge an pointierten, witzigen und oft bitterbösen Dialogen lässt dem geneigten Zuschauer kaum Zeit zum Luft holen. Mehr gelacht als in Der Gott des Gemetzels, habe ich 2011 in keinem anderen Film. Und vereinzelten Szenenapplaus durfte ich so auch mal wieder erleben.


The Tree of Life

Vermutlich einer der umstrittensten Filme des letzten Jahres. Regisseur Terrence Malick will in 138 Minuten nichts Geringeres als das Leben selbst erklären. Egal wie man zu dem leicht größenwahnsinnigen Projekt stehen mag. Die Bildgewalt dieses Films lässt sich kaum von der Hand weisen. Sphärische Sequenzen im Kosmos und surreale Traumwelten brechen mit dem lebensnahen Portrait einer amerikanischen Familie in den 50er Jahren. Und doch hängt alles irgendwie zusammen. The Tree of Life ist ein ungewöhnlicher Bilderrausch auf den man sich einfach mal einlassen sollte.


The Fighter

Einer dieser Oscar-Filme, die ich unbedingt sehen wollte, aber es zeitlich nicht auf die Reihe bekommen habe. Zum Glück gibt es ja DVD und Blu-ray. The Fighter habe ich mir vor allem wegen dem hochgeschätzten Christian Bale angesehen. Dabei bin ich weder ein Fan von Boxfilmen, noch kann ich Mark Wahlberg sonderlich gut leiden. Schlechte Karten also für The Fighter. Und trotzdem vermochte mich das Drama zu packen. Wohl auch deshalb weil es vordergründig nicht nur um den Boxsport geht. Ähnlich wie bei The Wrestler wurde die sportliche Komponente nämlich in eine höchst interessante Milieustudie eingebettet, die durch herausragende Darsteller zum Leben erweckt wird.


Four Lions

Schwarz, schwärzer, Four Lions. Zumindest was den Humor angeht. Die britische Komödie rechnet eiskalt mit dem islamischen Terrorismus und wie er in der westlichen Welt wahrgenommen wird ab. Dabei wird weder ein Blatt vor den Mund genommen, noch kümmert sich Four Lions um so etwas wie political correctness. Und das ist auch gut so. Denn in dem Film steckt oftmals viel mehr Wahrheit als in einem seriösen Nachrichtenbericht, wenn mal wieder irgendwo eine Bombe hochgegangen ist. Der pechschwarze Humor provoziert eine Menge Lacher, die einem aber im nächsten Moment auch schon wieder im Hals stecken bleiben. Vor allem aber wird man nach dem Genuss des Filmes einen Krähenschwarm am Himmel mit ganz anderen Augen sehen.


Der Rest

Enttäuschendster Film: Tron: Legacy

Bester nicht gesehener Film: Blue Valentine

Traumatischstes Kinoerlebnis: Twilight Double Feature. Urgs.

Beste Serie: Breaking Bad (Staffel 4)

3 Gedanken zu „Jahresrückblick 2011: Sehen

  1. Sehr geehrter Meister der Schreibkunst,

    hiermit weisen wir Sie herzlichst darauf hin, dass Falschaussagen geahndet werden.
    Diesbezüglich bitten wir Sie untertänigst Ihre Angabe zum „traumatischsten“ Kinoerlebnis zu revidieren.
    Nach unserem Kollektivbewusstsein waren Sie der Initiator dieses Ereignisses, da Sie rein „ZUFÄLLIG“ eine Wette als verloren vorgaben, obgleich Sie als ein Kenner dieses Wettfachgebietes just bis zu diesem Tage bekannt waren.
    Eine kurze Stellungnahme zu dem verträumten sehnsüchtigen Ausdruck in Ihrem Antlitz während der äußerst romantischen Hochzeitsszene würde unser Komitee als eine mögliche Art der Wiedergutmachung in Betracht ziehen.

    Es grüßen Sie hochachtungsvoll die erste und zweite Vorsitzende des Komitees für abscheuliche bewegte Bilder für Frauenzimmer!

    Rollvene & Schwefeldampf

    • Harhar! Der war wirklich gut.🙂

      Stellungnahme zur Hochzeitsszene: Mein Gesichtsausdruck war zu der Zeit nicht verträumt-sehnsüchtig sondern angeekelt-genervt. Zwei Empfindungen, die man bei meiner Mimik schon mal verwechseln kann. Ich hoffe damit alle Missverständnisse aus der Welt geschafft zu haben.

  2. Pingback: Jahresrückblick 2012: Sehen | Hören, Sehen, Knöpfe drücken.

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