Rockstah – Nerdrevolution

Internetrapper. Twitter. Youporn. 365-Tage-Bart. Xbox 360. Ghostbusters. iPhone. Das, so der Eröffnungstrack, und noch viel mehr ist Rockstah: Rapper und Vollblutnerd in Personalunion. Die thematische Ausrichtung der schon 2010 veröffentlichten Platte überrascht also kaum: Der gemeine Nerd wird gefeiert, überspitzt und karikiert. Ein typisches Rap-Album ist das bestimmt nicht. Statt Felgen, Schwanzvergleich und Ich-bin-der-geilste-Geblubber gibt’s Chewbaccageschrei und Pikachurufe auf die Ohren.

Dass so etwas in einer Zeit, wo Nerds extrem angesagt sind, schnell kalkuliert oder aufgesetzt wirken kann, liegt auf der Hand. Rockstah ist aber keine konstruierte Rolle, sondern ein Durchschnittstyp, der eben auch mal lieber vor der Xbox sitzt als dem anderen Geschlecht hinterherzubalzen. Eben dieses Leben zwischen Gamerscore und Fastfood presst Rockstah in die 13 Tracks der Platte. Mal wird die Rolle des scheuen Einzelgängers auf die Schippe genommen (Ich party morgens), Prioritäten gesetzt (Zocken > Ficken), oder der Loser zu Superman umdefiniert (Mach das L). Klasse, dass aber auch ernstere Texte vertreten sind, die sich mühelos in den Rest einfügen. So gehören das clevere „Kopfkino“ und der tiefgehende „Panic Room“ zu den absoluten Höhepunkten der Platte. Gerade weil sich Rockstah so differenziert mit dem großen Thema der Platte auseinandersetzt, werden eben nicht nur Klischees bedient, sondern auch die Schattenseiten samt ihrer Doppeldeutigkeit wortgewandt seziert: Realitätsverlust oder Vergnügungsdrang? Isolation oder Unabhängigkeit? Verkopft ist das deswegen noch lange nicht, am Ende siegt der Spaß an der Sache. Stilecht werden für den Ausruf der Revolution (natürlich) elektronische Beats benutzt, die sehr eindrucksvoll aus den Boxen pumpen. Ob Stubenhocker oder nicht: Der persönliche Bewegungsdrang lässt sich beim Hören kaum bis gar nicht unterdrücken. Sam EXzellent, Ahzumjot & Co haben als Produzenten mehr als nur gute Arbeit geleistet.

So schwer verliebt in eine Hip-Hop-Platte war ich schon lange nicht mehr. Das lässt sich noch am ehesten mit dem ersten Hören von Marterias „Zum Glück in die Zukunft“ vergleichen. Trotz der Nerdthematik muss man nicht unbedingt selbst einer sein, um Gefallen an der Platte zu finden. Wer aber zum Beispiel auch über den Humor von The Big Bang Theory lachen kann oder sich mit der Materie auskennt, der wird einen Heidenspaß daran haben die vielen Anspielungen zu entdecken. Die Nerdrevolution ist eine kunterbunte Tanzmatte, das Spiegelbild des Menschen hinter Rockstah und absolut empfehlenswert. Continue? Unbedingt!

Tracklist:

01. Das ist die…
02. Nerdrevolution
03. Sturmfrei
04. Zocken > Ficken
05. Taskleistendisco
06. Kopfkino
07. Nerdy Terdy Gang
08. McDrive Muzik
09. Ich party morgens
10. Rokémon Stadium
11. Ballparadies
12. Panic Room
13. Mach das L

Spielzeit: 46:27

Rockstah im Web

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