Uncharted 3: Drake’s Deception

Ich liebe, liebe, liebe Indiana Jones. Immer wenn die Filme mal wieder im TV gezeigt werden, ist der Abend verplant. Ich sitze vor der Mattscheibe und verfolge zum x-ten Mal die Abenteuer des Dr. Jones, kann Szenen mitsprechen und lache nach all den Jahren noch immer über die gleichen, trockenen Sprüche. Die Filme haben ihren unverwechselbaren Charme. Eine Magie, die neuzeitlichen Versionen des Abenteuerkinos, wie der Vermächtnis-des-irgendwas-Reihe mit Nicholas Cage, einfach fehlt. Es herrscht also tote Hose was Filme mit Indy-Flair angeht. Auftritt Uncharted 3: Drake’s Deception. Das ist kein Film, sondern ein Videospiel. Macht aber nichts, denn wo ein Nicholas Cage scheitert, springt Nathan Drake in die virtuelle Bresche. Drake braucht weder Peitsche noch Schlapphut und schon gar keinen Doktor in Archäologie. Die Rolle des modernen Indiana Jones kaufe ich ihm auch so ab. Loses Mundwerk? Check! Nichts läuft so wie geplant? Check! Überleben in ausweglosen Situationen? Check!

In Uncharted 3: Drake’s Deception nähern sich die beiden Figuren noch mehr an. Oder vielmehr verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und dem filmischen Vorbild gesagt: Die Grenzen zwischen Spiel und filmischen Vorbild verschwimmen noch mehr als in den Vorgängern. Uncharted 3 ist quasi eine Verneigung vor „Indiana Jones and the Last Crusade“. Das fängt schon bei dem zentralen Thema, der Beziehung zwischen Nathan Drake und seinem Mentor/Ziehvater Victor Sullivan an. Und auch die großen und kleinen Szenen erinnern immer wieder gekonnt an den dritten Indy-Film. Da werden Gräber von Tempelrittern erkundet, in einem abgewetzten Notizbuch geblättert oder Bodenplatten in einer bestimmten Reihenfolge abgeschritten. Im Unterschied zum Film jagt Drake aber nicht dem heiligen Gral, sondern Iram, dem Atlantis des Sandes, hinterher. Klingt nach einem Abenteuer? Klingt nach einem Abenteuer!
Auf dem Weg in die verschollene Stadt, kommt das bewährte Uncharted-Prinzip zum Einsatz. Das heißt: Klettern, Schießen, Rätseln (die ganz hervorragend sind) und nun vor allem auch Nahkämpfe. Die wurden aufgewertet und erlauben deutlich mehr Interaktion mit der Umgebung, sodass man auf einem orientalischen Markt die Widersacher schon mal per Fisch-auf-Kopf-Methode außer Gefecht setzen kann.

Einmal mehr kann Uncharted mit der schieren Menge an abwechslungsreichen Schauplätzen punkten: Der Londoner Untergrund will genauso erforscht werden wie ein kolumbianisches Städtchen, ein Chateau in Frankreich oder ein gigantischer Schiffsfriedhof. Obwohl das nur eine kleine Auswahl aus diesem Traum für Globetrotter darstellt, so haben alle Örtlichkeiten einen irrsinnig hohen Grad an Details gemeinsam. Überhaupt ist es so langsam Zeit, das ein oder andere Wort über die Optik von Uncharted 3 auszulassen. Denn die ist der schiere WAHNSINN! Ich bezeichne mich ja, dank meiner Sozialisation durch veraltete Rechner, nun wirklich nicht als Grafikfetischist. Aber was Entwickler Naughty Dog mit Uncharted 3 auf den Bildschirm zaubert, ist kaum in Worte zu fassen. Sehr oft habe ich einfach nur die fabelhaft gestalteten Level bestaunt, musste meine heruntergeklappte Kinnlade mit der Hand wieder nach oben korrigieren. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich einfach nur einem Wasserrinnsal an einer Hauswand zugeschaut habe. Immer wieder habe ich mich durch die Wüste gerollt und gestaunt, wie toll sich der Sand in Drakes Haaren festsetzt oder sich unter seinen Füßen bewegt. Wie Fässer und Dosen passend zum Seegang über das Deck eines Kreuzfahrtschiffes kullern. Oder dieses verfallene Chateau, dessen Innenräume Stück für Stück von der Natur zurückerobert wurden. Nur der Gedanke an diese Grafikpracht, beschert mir die glänzenden Augen eines fröhlichen Kleinkinds.

Neben seiner optischen Brillanz bietet Uncharted 3 aber auch eine bombastische Inszenierung. Etwa wenn sich das erwähnte Chateau in ein flammendes Inferno verwandelt, aus dem Nathan und Sully flüchten müssen, während um sie herum die ganze Architektur kollabiert. Oder wenn Drake einen Widersacher durch die Gassen einer jemenitischen Stadt verfolgt und dabei Passenten anrempelt, durch Türen stürmt und gewohnt flink über allerlei Hindernisse klettert. Wer die parcourähnliche Verfolgungsjagd aus Casino Royale kennt, der hat eine gute Vorstellung von der Intensität mit der Drakes Abenteuer ins Szene gesetzt wird.

Der gesamte Spielfluss wirkt bis ins letzte Detail durchdacht. Noch bevor eines der drei Spielelemente (Klettern, Kämpfen, Rätseln) langweilig werden könnte, kommt auch schon wieder ein neues zum Einsatz. Nicht nur der Spielablauf, sondern auch die Abenteuergeschichte ist hervorragend in Szene gesetzt und überrascht auch ganz gern mal mit unvermuteten Wendungen. Ebenso gelungen ist einmal mehr die glaubhafte Interaktion zwischen den Charakteren. Einen Glückswurf hat man vor allem mit der neuen Figur des Charlie Cutter gelandet, die die eh schon fabelhaften Gespräche um eine große Portion Humor bereichert.

Uncharted 3 ist spielbares Popcorn-Kino. Ein Spiel mit dem man gut 7-9 beschäftigt ist, am Ende aber eher das Gefühl hat, eben einen 90-Minuten-Film erlebt zu haben. Es ist schon schwierig sich auf einen persönlichen Höhepunkt festzulegen, weil bei dieser Achterbahnfahrt ein Wow-Moment den nächsten jagt. Durch die rasante, cineastische Inszenierung fällt es schwer den Controller überhaupt mal für eine Weile aus der Hand zu legen. Immer will man wissen wie es weitergeht, in welche ausweglose Situation Drake als nächstes stolpert und welches Highlight nun wieder aus dem Ärmel geschüttelt wird. Nathan Drake ist nach wie vor ein ursympathischer Halunke, der ein ums andere Mal knapp mit dem Leben davon kommt, dann aber noch einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Wie Indiana Jones eben – nur besser!

Entwickler: Naughty Dog
Plattform: Playstation 3
Erscheinungsjahr: 2011

Bildquelle

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