The Horrible Crowes – Elsie

Dass The Gaslight Anthem in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufstieg hingelegt haben, kann wohl niemand leugnen, der sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Eine EP und drei Alben schmücken die Diskographie. Offenbar Grund genug für Frontmann Brian Fallon, sich auch mal auf Solopfade zu begeben. Wobei das auch nur so halb stimmt. Denn seine gewohnten drei Mitmusiker hat er kurzerhand durch seinen Kumpel Ian Perkins ausgetauscht. Unter dem Namen The Horrible Crowes haben die beiden nun ihre Platte „Elsie“ aufgenommen.

Mit einem Abtauchen in düstere Seelenlandschaften wurde das Album im Vorfeld beschrieben. Und tatsächlich kommen die 12 Songs deutlich ernster daher, als man es von Brian Fallons Stammband gewohnt sein mag. Kein Wunder, sind doch vor allem Lebenslügen, Entfremdung und bröckelnde Beziehungen die zentralen Themen. Nicht selten schleicht sich der Gedanke in den Kopf, dass man es hier mit energielosen The Gaslight Anthem Songs zu tun hat, was aber im Kontext des Albums durchaus Sinn macht. Den obligatorischen Kracher gibt es natürlich auch, den Großteil machen aber ruhige, heruntergekochte Stücke aus. Gerade dort kann sich der eigentliche Hauptdarsteller, nämlich Brian Fallons Stimme, voll entfalten. Auf Elsie liefert Fallon eine beeindruckende Bandbreite an unterschiedlichen Gesangsstilen ab. Diese raue, ungeschliffene Stimme flüstert und raunt sich mit viel Soul durch die Songs, versucht sogar in den Gewässern eines Tom Waits zu fischen und rastet auch schon mal komplett aus. Bravo!

Gewöhnungsbedürftig ist das am Anfang trotzdem, gerade wenn man weiß was der Herr Fallon sonst so für Musik macht. Klar also, dass man den Songs die Reduktion auf zwei Musiker anhört. Die zaubern aber aus dem recht überschaubaren Arsenal, was neben üblichen Verdächtigen Gitarre und Bass auch eine sehr präsente Orgel beinhaltet, 12 sehr abwechslungsreiche und hörenswerte Stücke. Das gilt übrigens auch für die Texte, denen Brian Fallon seine wie immer ganz eigene Note verpasst hat. Die mögen zwar manchmal ganz hart am Pathos vorbeischrammen, ringen einem dann aber auch immer wieder ein zustimmendes Nicken ab.

„Elsie“ hat mich gewissermaßen überrascht. Dass mich Brian Fallon schon nicht enttäuschen wird, da war ich mir sicher. Aber mit so einem persönlichen und facettenreichen Album hätte ich nie gerechnet. „Elsie“ ist eine Platte geworden, die den Hörer in die tiefsten Abgründe stößt, im selben Moment aber auch eine helfende Hand ausstreckt.

Tracklist:

01. Last Rites
02. Sugar
03. Behold The Hurricane
04. I Witnessed A Crime
05. Go Tell Everybody
06. Cherry Blossoms
07. Lady Killer
08. Crush
09. Mary Ann
10. Black Betty And The Moon
11. Blood Loss
12. I Believe Jesus Brought Us Together

Spielzeit: 45:55

2 Gedanken zu „The Horrible Crowes – Elsie

  1. Wa swill amn dazu sagen.. Ich freu mich jedes mal so über deine Artikel Die sind so.. hübsch…(?)!

    Und zudem sind die Lieder auch einfach mal spitze!

    *räusper* Sugar..*räusper*
    ; )

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s