Saul Williams – Volcanic Sunlight

Das heutige Thema lautet: Rap & Hip-Hop. Und bevor jetzt alle panisch ihr Browserfenster schließen: In diesem Genre gibt es mehr als genug Künstler, die sich herzlich wenig um Drogenparties, Bitches und die dicksten Felgen scheren. Ehrlich.
Nehmen wir zum Beispiel mal Saul Williams. Der 39-jährige ist Schauspieler, Musiker und Künstler in der Spoken Word Szene (Poetry Slams und solche Sachen, ihr wisst schon). Vor allem letzteres verleiht seinen bisherigen Alben eine ganz eigene Note, oder wie Saul Williams selbst auf seiner Homepage schreibt: „In music I think of myself as an explorer participating in the construction of the soundscape of the new world that is being hatched out of our dreams, hope and visions of peace and harmony… that don’t necesarily mean my shit is soft though.”
Recht hat er. Die Verquickung von Poesie und Beats auf Amethyst Rock Star (2001) ist nach wie vor eine inspirierende Erfahrung, während das 2007 erschienene The Inevitable Rise and Liberation of Niggy Tardust! mit Trent Reznors beigesteuerten Industrialsounds wohl das bedrohlichste Album in Williams Diskographie darstellt.* Und 2011? Nun, da ist alles etwas anders.

Das neue Album Volcanic Sunlight irritiert schon vorab durch einen tanzenden Saul Williams auf dem Cover. Einen nachdenklichen Beatpoeten stellt man sich anders vor. Der Opener „Look To The Sun“ legt anfangs mit gewohnt starker Lyrik eine falsche Fährte, bestätigt dann aber den Verdacht, dass Saul Williams die Karten auf seinem vierten Album anders als bisher spielt. Präsente Drums, Gesang(!) und zarte Einsprengsel aus Funk, Electro und Pop definieren den Sound des Albums.
Die hörbare Hinwendung zum Pop bringt neben Leichtigkeit auch kleine und große Rückschritte mit sich. Die Mehrheit der Tracks schreit geradezu danach in einem Lounge Club aufgelegt zu werden. Vor allem Titel wie „Dance“ oder „Give It Up“ würden sich in so einem Ambiente sicherlich pudelwohl fühlen. Dass sich Williams auf Volcanic Sunlight so entspannt wie nie präsentiert ist nicht einmal das große Problem der Platte – ein lupenreiner Popsong wie „Rocket“ geht absolut in Ordnung. Was wirklich stark auffällt sind die oft blutleeren Texte. Vor allem für langjährige Anhänger von Saul Williams ist das ein herber Schlag. Mit den lyrischen Großtaten von früher hat vieles auf Volcanic Sunlight nichts mehr zu tun. Man höre sich nur mal „Girls Have More Fun“, oder „Triumph“, an: The triumph of love is in the victory, the triumph of fear is in defeat. Aha. Hä?! Angesichts solcher Zeilen kommt man sich mitunter ziemlich verschaukelt vor.

Dank der ohnehin sehr gefälligen und entspannten Aufmachung der Tracks ist das allerdings nicht übermäßig störend. Aber ein klein wenig möchte man es Williams doch übel nehmen. Vor allem wenn er mit Tracks wie dem afro-orientalischen „Explain My Heart“ zu gewohnter Stärke zurückfindet. Und auch der Titeltrack „Volcanic Sunlight“ versteht es hervorragend auf angenehme Weise einzuschüchtern. Zusammen mit „Innocence“, das fließend von Singen in Sprechen übergeht, stellen diese Titel die Höhepunkte der Platte dar und wirken kurioserweise fast schon deplaziert unter den vielen poppigen Nachbarn.

Volcanic Sunlight ist bestimmt kein schlechtes Album. Wenn man sich erst einmal auf das gedrosselte Tempo, die einfachen Strukturen und die vielen (gut) gesungenen Passagen einlässt, kann man sehr wohl Spaß damit haben. Doch vor allem langjährige Veteranen dürften ein leicht unwohliges Gefühl in der Magengegend verspüren – insgeheim weiß man, dass es Saul Williams doch besser könnte. Neueinsteiger freuen sich hingegen über die wohl bislang zugänglichste Platte des US-Amerikaners. Volcanic Sunlight ist wohl so etwas wie der soundgewordene Urlaub des Saul Williams, eine Auszeit von der eigenen Person. Und mal ehrlich: Die hat er sich ja auch mal verdient.

* Die 2003 erschienene EP und das ein Jahr später veröffentlichte Album Saul Williams, fehlen in der Betrachtung. Bin einfach noch nicht zum Hören gekommen. 

Tracklist:

01. Look To The Sun
02. Patience
03. Explain My Heart
04. Triumph
05. Diagram
06. Girls Have More Fun
07. Give It Up
08. Dance
09. Volcanic Sunlight
10. Rocket
11. Fall Up
12. Innocence
13. New Day

Spielzeit: 55:15

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