Get Well Soon – Vexations

Das „German Wunderkind“ holt zum zweiten Schlag aus. „Vexations“ heißt das zweite Album von Konstantin Gropper alias Get Well Soon. Wir erinnern uns: 2008 war das Debütalbum „Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon“ eine wahre Musiksensation.
Drei Jahre lang werkelte der junge Mann aus Oberschwaben an dem Album, spielte alle Instrumente selbst ein und sorgte auch international für offene Münder.
Für „Vexations“ reichten nun jedoch drei Monate, die Band durfte diesmal ebenfalls ihren Teil beitragen.

Konstantin Gropper bezeichnet sein neues Werk als ein „Konzeptalbum über den Stoizismus“ und zitiert laut eigenen Aussagen unter anderem Homer, Georg Büchner, Peter Sloterdijk und sogar Moby Dick. Dass der durchschnittliche Hörer von dem Konzept oder den Zitaten herzlich wenig mitbekommt: Geschenkt.

Konstantin Gropper schaffte es schon auf dem Debüt seine Hörer in schummrige Märchenwälder zu entführen. Während man also noch das groteske Cover der Platte betrachtet wird eben jener Wald durch echte Naturaufnahmen in „Nausea“ zum Leben erweckt und leitet gemächlich in das neue Album ein.
Das ohnehin schon reiche Instrumentarium wurde mit Xylophon, Vibraphon und Marimbaphon aufgestockt und kommt auch gleich im treibenden „Seneca’s Silence“ zum Einsatz. Auf Kommando lässt Gropper Sirenen singen und peitscht sie mit druckvollen Drums nur noch weiter an. Überhaupt wird in den abwechslungsreichen Arrangements Konstantin Groppers Herkunft als klassisch ausgebildeter Instrumentalist mehr als deutlich. Ein Streich- und Blasquartett hat Gropper für die Aufnahmen versammeln können und in „Aureate!“ hört man sogar ein Cembalo.
Während „We Are Free“ den Streichern gehört und das polterndee „5 Steps / 7 Swords“ eine klare Bläserdomäne ist, sind die Abstufungen der restlichen Songs nicht immer klar auszumachen. Das Sahnehäubchen der Vexations-Torte ist jedoch „We Are Ghosts“, welches so viel Orchesterstimmung versprüht dass man gar nicht anders kann als die Anlage noch ein wenig mehr aufzudrehen. Wenn Gropper dann auch noch augenzwinkernd „Boo Hoo Ooh / We Are Ghosts!“ singt, verwandelt sich alles für einen kurzen Moment in pures Gold.

Dass nicht alles Gold auf diesem Album ist, wird an den weniger dynamischen Stücken wie „Red Nose Day“, „We Are Still …“ oder auch „We Are The Roman Empire“ deutlich. Ersteres ist nichts weiter als ein halbherziger Versuch das strahlende „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me“ vom Vorgängeralbum zu beerben, der aber zu keiner Zeit dessen himmlische Brillanz erreicht. Gerade bei den ruhigeren Stücken hat man das Gefühl, dass Gropper eher im Trüben fischt anstatt die Songideen auf den Punkt zu bringen. Das Ergebnis sind vereinzelte, vor sich hin dümpelnde Stücke, die über weite Strecken schlicht uninteressant sind.
Einzig „A Voice in The Louvre“ ist der Ausreißer in dieser Riege. Mit gebührender Geduld baut Gropper den Song Schicht für Schicht auf: Anfangs nur mit Gitarre, später mit Gesang und Vibraphon. Während des Höhepunktes hat man schließlich einen perfekt geschliffenen Diamanten vor seinem geistigen Auge, für den man vor Gropper auf die Knie fallen möchte.
Mit „Angry Young Man“ wird gegen Ende des Albums noch ein kleines Meisterstück aus dem Hut gezaubert. Eine unterschwellige Hektik wohnt dem Song inne, der zu gleichen Teilen komplex und eingängig klingt. Und der Hörer weiß: Ein so wohlklingendes Lied über Zorn bekommen wohl auch nur Get Well Soon zustande.

Die Bemühungen Konstantin Groppers resultieren in einem guten zweiten Album. Seinem direkten Vorgänger wird „Vexations“ wohl nicht das Wasser abgraben. Das verhindern vor allem die Längen, die sich bei einer Spielzeit von etwas über einer Stunde eingeschlichen haben. Dennoch muss die Produktion gelobt werden: Bei all den Instrumenten und teilweise überbordenden Arrangements bleibt das Klangbild immer wunderbar klar. Dafür: Daumen hoch. Wie schon der Erstling ist „Vexations“ kein Album für zwischendurch. Wer sich genug Zeit nimmt und vielleicht noch ein Faible für klassisch anmutende Arrangements hat, wird sicher nicht enttäuscht werden.
Möglicherweise kehrt man beim nächsten Album wieder dahin zurück, keinen höheren Sinn in die Musik hineinzulegen, den wohl nur Konstantin Gropper selbst versteht. „Vexations“ funktioniert nämlich auch wunderbar ohne Stoizismuskonzept.

Tracklist:
01. Nausea
02. Seneca’s Silence
03. We Are Free
04. Red Nose Day
05. 5 Steps / 7 Swords
06. We Are Still…
07. A Voice In The Louvre
08. Werner Herzog Gets Shot
09. That Love
10. Aureate!
11. We Are Ghosts
12. A Burial At Sea
13. Angry Young Man
14. We Are The Roman Empire

Ein Gedanke zu „Get Well Soon – Vexations

  1. ja…über weite strecken doch etwas langweilig die scheibe. obwohl sich eben zwischendrin immer mal wieder echt nette stücke finden lassen, fehlt den meisten liedern iwie der biss und alles plätschert etwas belanglos vor sich her. gerade der anfang macht es einem echt nicht leicht. im vergleich zum vorgänger (und mit welcher scheibe sollte sich vexations sonst schon messen lassen??) hängt vexations arg hinterher. einzig we are ghosts und angry young man können mich wirklich zu 100% überzeugen…schade eigentlich. schade auch dass sich bei mir nicht, die von dir erwähnten schummrigen welten auftun wollen😦 definitiv kein einsteigerfreundliches album, aber das will vexations wahrscheinlich sowieso nicht sein.

    vielleicht reisst aba die bonus-cd das gesamtbild auch nochmal nach oben…?

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