The XX – XX

The XX sind wohl so etwas wie die Nachfolger der Arctic Monkeys. Einige Gemeinsamkeiten sind ja bereits vorhanden. Die vier (mittlerweile nur noch drei) Mitglieder sind nicht älter als 20 und mehr oder weniger durch das Internet bekannt geworden. Soweit so gut, doch wo die Arctic Monkeys wilde Gitarrenmusik zelebrieren verlegen sich The XX eher auf die leisen Töne. Romy Madley Croft (Gitarre), Oliver Sim (Bass) und Jamie Smith (Beats) kratzen an den Fugen der heutzutage üblichen Soundwände, bis nur noch ein wackliges Gerüst wie nach einer langen Partie Jenga übrig bleibt.
Die großen Lücken zwischen den verbliebenen Steinen füllen die Engländer mit präzisen, vorsichtigen Arrangements. Schließlich soll der Turm ja nicht einstürzen.

Bei The XX geben sich New Wave und moderne Indiemusik die Hand. In der Regel bildet eine unaufdringliche Synthiefläche oder ein Basslauf das Fundament für die elf Songs. Im Falle von „VCR“ wird das ganze noch mit Xylophoneinsatz und dem immer wieder verwendeten Wechselgesang von Croft und Sim ausgeschmückt. Auch wenn sich die Texte vornehmlich um Beziehungen drehen, will durch die schiere Kühle der Arrangements keine wärmende Atmosphäre aufkommen. Love 2.0 wenn man so will.
Die Single „Crystalized“ bringt eben dieses XX-Prinzip ziemlich genau auf den Punkt.
„Heart Skipped A Beat“ programmiert seinen Namen gleich noch dem Drumcomputer ein und entfaltet gerade am Ende, im Duett der beiden Stimmen seine ganze Faszination. Immer wieder ertappt man sich dabei, dass The XX wiederholt unauffällige R’n’B Anleihen auf ihre Hörer loslassen. Vertuscht wird das dann aber wieder durch solche freischwebenden Tracks wie „Fantasy“ oder den Schlusspunkt „Stars“. Was sich aber ganz und gar nicht leugnen lässt ist der 80er-Appeal. Stücke wie „Night Time“, das auch wunderbar in Clubs passen würde, oder „Infinity“ machen das nur allzu deutlich.

Es ist der Minimalismus und die Präzision (welche sich schon im Artwork niederschlagen), die The XX aus der Masse an Indiebands hervorheben. Punktgenau werden die einzelnen Elemente eingesetzt, nur selten kommt es dabei zu Überlagerungen. Ganz so als ob die Scheinwerfer mal auf Gitarre, mal auf den Bass und mal nur auf die beiden Gesangsstimmen gerichtet werden. Der XX’sche Mikrokosmos lässt seinen Bewohnern genug Raum zur Entfaltung.

Versucht man das Alter der Band mit der Reife ihres Debütalbums zu verbinden wird man Probleme bekommen. Kaum zu fassen dass solche Jungspunde ein so erwachsenes und routiniertes Album aus dem Boden gestampft haben. Und vielleicht tut sich ja auch eine dritte Parallele zu den Arctic Monkeys auf: Der anhaltende Erfolg. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Tracklist:
01. Intro
02. VCR
03. Crystalized
04. Islands
05. Heart Skipped A Beat
06. Fantasy
07. Shelter
08. Basic Space
09. Infinity
10. Night Time
11. Stars

2 Gedanken zu „The XX – XX

  1. nur noch 3? was is da loso_O

    schöne kritik🙂 für mich alles sehr nachvollziehbar und auch bei der punktbewertung geh ich mit. Aber schade dass du islands mit keiner silbe erwähnt hast….für mich DER hit der platte.

    ansonsten wie immer sehr gute arbeit🙂

  2. Das zweite Mädel ist wohl wegen „persönlichen Differenzen“ ausgestiegen, zumindest hab ich’s so aufgeschnappt.

    Jeden einzelnen Song zu erwähnen, erschien mir jetzt nicht unbedingt sinnvoll. Im Grunde sind sie ja alle ähnlich (gut) aufgebaut. Aber Islands spielt definitv oben mit, da hast du recht🙂

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