Wolfmother – Cosmic Egg

Wenn sich Bands auflösen ist das meistens schade. Wenn es so eine Band wie die Australier von Wolfmother erwischt, möchte man jedoch in Tränen ausbrechen. Frontmann Andrew Stockdale sieht das ähnlich und begräbt wegen so einer Auflösung bestimmt nicht seinen Traum vom Rock’n’Roll. Nach der Trennung 2008, scharte der Sänger mit der markanten Frisur drei neue Musiker um sich. Ergebnis dieser Neubesetzung ist das neue Album „Cosmic Egg“.

Schon der erste Song „California Queen“ macht klar dass Stockdale die Hosen in der Band an hat. Denn auch auf „Cosmic Egg“ wird wieder fleißig der Charme des Classic Rock versprüht.
Der Opener fackelt nicht lange und prescht mit zunehmendem Tempo bereits nach guten 40 Sekunden durch die Refraingerade, während der Hörer schon nach 30 Sekunden im Rock’n’Roll Himmel angekommen ist. Die Australier legen vom Start weg ein hohes Tempo vor, das im Albumverlauf nur selten einbricht.
„New Moon Rising“ gibt sich ähnlich unkompliziert und macht sich daran seinen Quasivorgänger „Woman“ vom Debütalbum zu beerben. Schweißtreibende Gitarrensoli inklusive.
Ein waschechtes Monsterküken schlüpft mit dem übergroßen „Sundial“ aus dem kosmischen Ei. Wolfmother bombardieren den Hörer mit breitbeinigen Riffs: Hier darf heftig mit dem Kopf genickt und die Luftgitarre ausgepackt werden.
Die bereits angerissenen Erholstationen hören auf die Namen „In The Morning“ und „Far Away“. Ersteres tritt nicht mehr direkt in den Magen sondern viel eher gegen das Schienbein, letzteres ist noch etwas zu hart um es auf den nächsten Kuschelrock-Sampler zu schaffen – eine Powerballade samt klischeehaftem Pianoausklang.
Der dazugehörige Text kann getrost als zweckmäßig bezeichnet werden, aber auch die restlichen Titeln tummeln sich da auf ähnlichem Niveau. Wolfmother legen ihr Augenmerk klar auf treibende Rocksongs, was auch ganz vorzüglich funktioniert. Ob stampfend wie beim passend betitelten „10.000 Feet“ oder Haken schlagend beim verwinkelten „In The Castle“.
Mit „Violence Of The Sun“ schließt das Album und versetzt nochmal ins Staunen: Was ruhig beginnt und mit kurzen Riffs gewürzt wird, schwingt sich gegen Ende in epische Höhen auf. Vor dem geistigen Auge sieht man förmlich die tiefrote Sonne langsam hinter dem Ayers Rock untergehen, wenn Stockdales Stimme immer mehr in einer Wand aus Gitarren und polternden Klaviertönen verschwindet.

Wolfmother zeigen sich auf ihrem zweiten Werk erfreulich kompromisslos. „Besser gut kopiert, als schlecht selbst gemacht“ wäre übertrieben, aber die Parallelen zu Led Zeppelin, Black Sabbath und Konsorten sind nicht zu überhören. Macht aber auch gar nichts, denn Wolfmother adaptieren deren Sound mit einem Gefühl der Unbesiegbarkeit ohne dabei peinlich zu wirken. Wie wichtig Andrew Stockdales Quäkstimme für Wolfmother ist, verdeutlicht das Gestammel nach der Frage wer denn die Songs besser vertonen könnte. Jede andere Stimme würde schlicht und ergreifend nicht zum Flair passen. So fügt sich alles zu einem großen Gesamtbild zusammen, welches konsequent in Richtung Retro gebürstet ist.

Was 2008 mit der Trennung sein vermeintliches Ende fand wird im Jahre 2009 effektvoll fortgesetzt: Kompromissloser Classic Rock im neuzeitlichen Gewand. Und das Beste daran: Es funktioniert ausgezeichnet. Eine weitere Trennung können sich die Australier aber bitte sparen.

Tracklist:
01. California Queen
02. New Moon Rising
03. White Feather
04. Sundial
05. In The Morning
06. 10.000 Feet
07. Cosmic Egg
08. Far Away
09. Pilgrim
10. In The Castle
11. Phoenix
12. Violence Of The Sun

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