Them Crooked Vultures – Them Crooked Vultures

Supergroup. Das klingt erstmal eindrucksvoll. Kein Wunder, versammeln sich in solchen Bands für gewöhnlich viele große Namen unter einem Dach. Eines der am sehnsüchtigst erwarteten Projekte hört auf den Namen „Them Crooked Vultures“. Dahinter verbergen sich keine geringeren als Joshua Homme (Queens Of The Stone Age), Dave Grohl (Foo Fighters) und John Paul Jones (Led Zeppelin). Zwei alte Hasen und ein wahrer Dinosaurier des Rock’n’Roll also, die vorab mit zahlreichen kurzen Teasern die Werbetrommel für ihr Projekt gerührt haben. Eine Woche vor Veröffentlichung des selbstbetitelten Debütalbums wurde dieses gar komplett auf Youtube veröffentlicht um eventuellen Leaks vorzubeugen. Bei soviel Gespür für Marketing bleibt trotzdem die Frage, ob die drei Geier den hohen Erwartungen gerecht werden können.

Eins vorweg: Hommes Mitwirken hört man der Platte, nicht nur wegen des Gesangs an. So verwundert es auch wenig, dass „Them Crooked Vultures“ so weit vom Mainstream entfernt ist wie Pinguine von Eisbären. Immer wieder fühlt man sich an die Queens Of The Stone Age erinnert: Alles klingt irgendwie schräg und verschroben aber gleichzeitig auch verdammt sexy.

Bereits der Opener „No One Loves Me & Neither Do I“ entpuppt sich als Wolf im Schafspelz. Gitarre, Bass und Schlagzeug scheinen sich fast drei Minuten lang gegenseitig zu beschnuppern, bevor kurz darauf der ganze Song zu einem wahrhaft monströsen Riff mutiert.
„Mind Eraser, No Chaser“ fügt der Treppe des musikalischen Irrsinns noch eine weitere Stufe hinzu und gibt das auch unbeirrt zu: „Gimme the reason why the mind’s a terrible thing to waste“. Freidrehende Gitarren im Hintergrund gibt es gratis dazu.
„New Fang“ setzt die fantasievolle Gitarrenarbeit fort und glänzt mit seinem geradezu assoziativen Text, kommt dabei aber wesentlich glatter als sein Vorgänger daher. Wobei „glatter“ hier immer noch einem knittrigen Hemd entspricht. Dennoch vermögen beide Titel spätestens im Refrain zu zünden. Der vertonte Roadtrip durch die Wüste „Dead End Friends“ bewegt sich geradlinig in Richtung Sonnenuntergang wo schon „Elephant“ wartet: Behäbig und tonnenschwer trampelt sich der namensgebende Dickhäuter von einem Uptempo- Part zum nächsten.
„Interlude With Ludes“ hüpft hingegen schwerelos und reichlich stoned durch Wolkenlandschaften. Wer hier an „I’m Designer“ der Queens denkt, liegt goldrichtig. Nicht weniger psychedelisch geht es beim folgenden „Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up“ zu. Da zeigt sich jedoch, dass die drei Herren mit ihrer Spielfreude hin und wieder übertreiben. Handwerklich ohne Frage mehr als nur ansprechend – mit der vierminütigen Jamsession am Ende dürften aber nur die wenigsten warm werden. Besser macht es da „Scumbag Blues“, der mit seinen ausgefuchsten Riffs die saitengewordene Coolness verkörpert.
Das mit Orgeln ausgeschmückte „Caligulove“ bleckt grundverdorben seine Zähne und wickelt den Hörer mühelos um den Finger. Ähnlich manipulativ ist das finstere Grooveungetüm „Gunman“: Sitzenbleiben zwecklos. Beide sind Beispiele für Melodien die so unwiderstehlich wie schräg sind.

Homme deckt eine überraschend große Bandbreite mit seiner Stimme ab: Mal dem Wahnsinn nahe („Reptiles“), mal mit Kopfstimme („Interlude With Ludes“), mal in der Gesangslage eines Mark Lanegan („Bandoliers“, „Spinning In Daffodils“). Grohl beweist einmal mehr, dass er hinter das Schlagzeug und nicht an die Gitarre gehört und John Paul Jones begeistert ohnehin durch sein Bassspiel und die Arbeit an diversen Tasteninstrumenten.

Selten war der Spruch „Believe The Hype!“ angebrachter. „Them Crooked Vultures“ ist ein eindrucksvolles, rohes Werk voller Spielfreude und verqueren Melodien. Obwohl alle Songs zunächst sperrig klingen, kommen nach jedem weiteren Durchgang neue Details zum Vorschein. Diese Platte will erforscht werden und belohnt ihre Hörer dafür umso mehr.

„Them Crooked Vultures“ ist nichts anderes als die gelungene Symbiose zweier Queens Of The Stone Age Platten: Die Härte von „Songs For The Deaf“ wurde vortrefflich mit der Undurchsichtigkeit der „Era Vulgaris“ verwoben. Them Crooked Vultures sind mehr als die Summe der einzelnen Teile.

Tracklist
01. No One Loves Me & Neither Do I
02. Mind Eraser, No Chaser
03. New Fang
04. Dead End Friends
05. Elephant
06. Scumbag Blues
07. Bandoliers
08. Reptiles
09. Interlude With Ludes
10. Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up
11. Caligulove
12. Gunman
13. Spinning In Daffodils

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s