Caspian – Tertia

caspianWenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – sagt man sich zumindest so. Im Falle von „Tertia“, der zweiten LP von Caspian, müsste man ‚erzählen’ wohl besser durch ‚erleben’ ersetzen. Die fünf Amerikaner nehmen den Hörer nämlich mit auf eine Reise durch ihre Welt des Post Rocks, nach der man erst einmal zu fassen versucht was da in der letzten Stunde passiert ist.

Caspian zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass ihre Musik komplett auf Gesang verzichtet. Was auf den ersten Blick womöglich abschreckend und langweilig wirkt, ist auf den zweiten Blick eine erfrischende Abwechslung zum sonstigen Hörverhalten.

Gleich nach dem vierminütigen Intro „Mie“ schiebt „La Cerva“ den Hörer durch eine schmale Gasse, die von meterhohen, gleichförmigen Gitarrenwänden begrenzt wird. Tatsächlich klingt gerade dieser Titel seltsam monoton. Im darauf folgenden „Ghosts Of The Garden City“ geht man hingegen schon um einiges ausgeklügelter vor: Eine Klangschicht wird auf die nächste gestapelt, nur um den ganzen Turm kurz darauf einzureißen und in anderer Form wieder neu hochzuziehen. Caspian legen falsche Fährten und spielen diebisch grinsend mit den Erwartungen des Hörers. In „Malacoda“, das in seinem Verlauf gleich mehrmals explodiert, hört man dann doch so etwas wie eine stark verfremdete Stimme heraus. Allerdings wird diese relativ flott vom druckvollen Schlagzeug und den dazugehörigen Gitarren niedergemacht, ja fast schon unter den Teppich gekehrt.

Den weiteren Albumverlauf spicken die fünf Amerikaner immer wieder mit kleinen Inseln der Ruhe („Epochs In Dmaj“, „Concrescence“) auf denen nur Xylophon, zerbrechliche Gitarren und ein weniger treibendes Schlagzeug zum Einsatz kommen. Einzig „Of Foam And Wave“ und „The Raven“ konstruieren solche Klangmonumente wie die ersten Titel des Albums, gönnen sich mittendrin aber auch immer wieder eine Pause vom Gitarrenstapeln. „Sycamore“ und das einleitende „Vienna“ bilden gemeinsam den Schlussakt. Während letzteres noch die Farben mischt und die Pinsel bereitlegt, entwirft „Sycamore“ in neun Minuten ein wundervolles Gemälde und unterschreibt es dann unverkennbar mit „Caspian“.

„Tertia“ ist im Grunde ein einziges großes Songgebilde mit der Laufzeit einer knappen Stunde. Die Übergänge zwischen den einzelnen Titeln sind meistens fließend, sodass eine dichte und mitreißende Atmosphäre geschaffen wird. Üblich für das Post Rock Genre, zeichnen sich die zehn Titel größtenteils durch eine Spielzeit jenseits der fünf Minuten aus.

Sicher bewegen sich Caspian auf den vermeintlich ausgelatschten Pfaden des Post Rock. Da ist es mitunter unvermeidlich, dass es bei den meisten Stücken auf ein „Auftürmen und Niederreißen“ hinausläuft. Bevor so etwas aber als Einfallslosigkeit abgetan wird, sollte man sich vor Augen halten, dass auch andere Genres ihre ganz eigenen Erkennungsmerkmale haben und diese ebenso zelebrieren.

„Tertia“ sollte man wie einen guten Wein am besten in Ruhe genießen. Auch wenn es bei einigen Titeln mit viel Schmackes zur Sache geht, laden die meterdicken Soundwände zum Genießen ein. Gerade über Kopfhörer entfaltet das Album sein volles Potenzial. Caspian berühren, reißen mit, erzeugen Gänsehaut und lassen ihre Hörer für eine Weile den Alltag vergessen. Alles in allem ein sehr schönes Wechselspiel von Laut und Leise.

Tracklist:
01. Mie
02. La Cerva
03. Ghosts Of The Garden City
04. Malacoda
05. Epochs In Dmaj
06. Of Foam And Wave
07. Concrescence
08. The Raven
09. Vienna
10. Sycamore

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