Caspian – Beatpol – 17.10.09

So ein Umzug von einer großen Kleinstadt in eine echte Großstadt hat ja neben mehr Smog und Taubenauswürfen auch Vorteile zu bieten. Und meine lieben Herren (und Damen): die Menge an Konzerten ist ja wohl nicht mehr mit dem kümmerlichen Cottbus zu vergleichen.

Jüngstes Beispiel: Caspian im Dresdener Beatpol.

Zwei-Meter-Frontmann Philip Jamieson bei der Arbeit

Zwei-Meter-Frontmann Philip Jamieson bei der Arbeit

Das ganze war mehr oder weniger eine 24-Stunden-vorher-überleg-Aktion. Ich konnte mich im Vorfeld nur daran erinnern, dass ich vor gut einem Jahr mal den Titel „Book IX“ von besagter Band auf einem Visions Sampler gehört und gleich darauf ganz toll fand.
Und ich meine für 15 Euro kann man wirklich nichts falsch machen, selbst wenn man nur einen Titel kennt. Für den Preis gab es übrigens nicht nur Caspian sondern auch die Labelkollegen Junius. Von der Kombo hatte ich bislang auch noch nichts gehört.  Man merkt schon: Ich bin so ganz ohne große Erwartungen zu dem abendlichen Konzert gepilgert.

Junius haben erfreulicherweise ziemlich pünktlich um 22 Uhr eröffnet. Von der Richtung her ging’s eher in die düstereProg-Rock Ecke. Die Stimme des Sängers wurde zwar gerne mal von den anderen Instrumenten geschluckt, aber keine Ahnung ob das vielleicht so beabsichtig war. Wie gesagt meine Kenntnisse zu der Band tendieren gegen Null. Ein Anheizer waren sie allemal. Erstaunlich war auch die Spielzeit, die sich irgendwo zwischen 45 und 60 Minuten eingependelt hat. Feine Sache für eine Vorband.

Nach 20 Minuten Umbaupause betraten letztendlich Caspian die Bühne. Der Stil von Caspian lässt sich gut mit dem Genre Post-Rock aber noch besser mit einem Zitat der Band selbst beschreiben:

Nobody sings.
Most of the time, we play very loud.
Sometimes quite soft.
We always try to play with heart.

Schon allein die Tatsache dass da drei Gitarren gleichzeitig am Werk sind, lässt erahnen was da für Soundteppiche gewoben werden. Zu der Tracklist kann ich auch hier mangels Kenntnissen nicht allzu viel sagen. „Book IX“ wurde jedenfalls nicht gespielt, sondern wohl vornehmlich Sachen vom aktuellen Album „Tertia“ (zu dem vielleicht noch eine Kritik kommt). Die Atmosphäre während des Auftritts war regelrecht umwerfend.

Im einen Moment schwebt scheinbar ewig ein einzelner Ton in der Luft, der den Stoff der eigenen Jeans in Schwingung versetzt und im nächsten Moment rocken sich die fünf Amerikaner auf der Bühne die Seele aus dem Leib. Abgedroschene Phrase aber sehr zutreffend. Kurz darauf schaut das zuvor wild bangende Publikum gebannt auf den Frontmann der nichts weiter macht als alle paar Sekunden eine Saite auf seiner Gitarre anzuschlagen.

Die Zugabe fiel dann mit „Vienna“(?) und „Sycamore“ sehr ruhig aus. Aber gerade das letzte Stück war am Ende nochmal richtig episch: Nach und nach legt jedes Mitglied von Caspian sein Instrument zur Seite um es gegen ein Teil des Drumsets einzutauschen. Am Ende sieht es dann so aus, dass gerade mal ein Gitarrist, aber dafür 3 „Aushilfsschlagzeuger“ und der Drummer an sich (der nebenbei gesagt mächtig losgelegt hat) das Stück und damit auch das Konzert zu Ende bringen. Fantastischer Augenblick.

Insgesamt war der Abend wirklich großartig und für 15 Euro fast schon geschenkt. Ich war so ergriffen, dass ich nur ein brauchbares Foto hinbekommen habe.😉

Einziger Wermutstropfen: Schwachköpfe die eine aufgemalte, durchgestrichene Zigarette nicht deuten können.

Caspian auf Myspace
Junius auf Myspace

Hier noch ein ganz vernünftiges Video. Teilweise zwar etwas übersteuert, aber noch im erträglichen Rahmen. Cheers to solidrocks!

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