Editors – In This Light And On This Evening

editors3Die Editors sind schon Pechvögel. Ständig hält man ihnen vor wie Joy Division und Interpol zu klingen. Das alte Editors-Problem, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ist mit dem dritten Werk „In This Light And On This Evening“ nur zum Teil vom Tisch. Denn anno 2009 tauschen sie den Schatten der beiden erwähnten Post-Punk-Bands gegen den von Depeche Mode und Konsorten.

Der Grund dafür gestaltet sich ziemlich einfach: Wo früher flirrende Gitarren auf den Hörer einprasselten, stehen heute meterhohe Synthesizerwände. Drumcomputer ersetzen das klassische Schlagzeug und einzig Tom Smiths tieftönende Stimme scheint sich der Digitalisierung verweigert zu haben. Dass dieses Unterfangen nicht wenige Fans verschrecken dürfte liegt auf der Hand. Immerhin hat man die Editors bisher vor allem als klassische Indierockband ohne viel elektronischen Firlefanz verstanden. Wenn man über den ersten Kulturschock hinweg ist zeigt sich jedoch, dass dieser Schritt in eine neue Richtung der einzig richtige war.

Auch wenn jetzt vornehmlich auf 80er-Jahre-Synthesizer gesetzt wird, so handelt es sich im Kern immer noch um dieselbe Band. Wie gehabt scheinen die 4 ehemaligen Musikstudenten aus Birmingham die Last der Welt zu tragen. Angesichts der kühlen, unnahbaren Klanglandschaften aus dem Computer, die auf „In This Light And On This Evening“ entworfen werden, wirkt das letztlich glaubwürdiger als auf den beiden Vorgängeralben.

Bereits im sphärischen Opener und Titeltrack zeigen die Editors, dass sie ihr Talent für Arrangements mit Gänsehautgarantie nicht verloren haben. Während Synthesizer mit der Gleichförmigkeit eines Uhrwerks ihre Arbeit verrichten, schildert Tom Smith mit sonorer Stimme: „I swear to god I heard the earth inhale / Moments before it spat its rain down on me“. Man mag ihn ob dieser Aussage fast schon mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Mitleid belächeln. Dass die Individuen in den Texten von “In This Light And On This Evening“ dennoch die einsamsten Geschöpfe der Welt zu sein scheinen, lässt sich nur schwer leugnen. Trotzdem sind sich die vier Briten für Trost nicht zu schade, wie etwa im verspielt klingenden „Bricks And Mortar“: „This home is more than just bricks and mortar“. Oder wenn Tom Smith im düster-wummernden „Papillon“ eine Flasche Mut ausschenkt. Man mag den Editors fast schon Berechnung angesichts der Eingängigkeit dieses Tracks vorwerfen. „Papillon“ klingt wie für die Tanzfläche gemacht und ist folgerichtig die erste Singleauskopplung. Spätestens hier wird klar, dass das neue Konzept aufgeht.

Nicht ganz so eingängig aber mindestens genauso hochwertig gestaltet sich „The Boxer“, der ganz danach klingt als ob Tropfen aus digitalen Einsen und Nullen ein Fass füllen, was am Ende überläuft – „dazed in the final rounds“. Das dumpf tönende „Like Treasure“ stellt einen Kompromiss zwischen dem früheren und heutigen Schaffen dar. Der Titel hätte sich auch auf dem Vorgänger „An End Has A Start“ wohlgefühlt. In die komplett andere Richtung geht „Eat Raw Meat = Blood Drool“, das einem elektronischen Fiebertraum gleichkommt und eine verstörende Komponente nicht leugnen kann.

Die aufgeschütteten Soundgebilde auf „In This Light And On This Evening“ erschließen sich nicht gleich beim ersten Durchgang. Gerade zu diesem Zeitpunkt wird man zum Schluss gelangen, dass hier einzelne Titel ziemlich monoton daherkommen. Der Eindruck wird auch nach mehreren Durchläufen nicht komplett verschwinden. Streckenweise fehlt es den Titeln an Abwechslung, was gerade dann auffällt wenn komplette Strophen oder Zeilen doppelt und dreifach verwendet werden. Mehr Straffung hätte da wirklich nicht geschadet.

Trotzdem funktioniert das Album als ganzes überraschend gut. Wenn man über die anfängliche Sperrigkeit hinweg ist und sich auf den neuen Sound der Editors einlässt, wird einen die düster-sterile Atmosphäre so schnell nicht mehr loslassen: Diese Platte schreit förmlich danach bei schummrigem Licht gehört zu werden.

Das mutige, dritte Album hätte der große Schuss in den Ofen werden können. Ironischerweise ist es das bessere Depeche Mode Album in diesem Jahr geworden.

Tracklist:
01. In This Light And On This Evening
02. Bricks And Mortar
03. Papillon
04. You Don’t Know Love
05. The Big Exit
06. The Boxer
07. Like Treasure
08. Eat Raw Meat = Blood Drool
09. Walk The Fleet Road

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