Element of Crime – Immer da wo du bist bin ich nie

element3Passend zum Herbstanfang werfen Element of Crime ihr nun mehr dreizehntes Studioalbum auf den Markt. Der Titel „Immer da wo du nicht bist bin ich nie“ lässt schon erahnen, dass auch auf dem neuesten Werk kein Tischfeuerwerk an Optimismus zu finden ist – auch wenn die Texte von heißen Hummern, Spargelköniginnen und den Teletubbies handeln.

Stattdessen bleiben Element of Crime sich und ihrem Stil treu und machen das was sie eben am besten können. So tummeln sich auf „Immer da wo du nicht bist bin ich nie“ 13 chansoneske Lieder mit Hang zur Elegie, die hin und wieder mit einer Prise Country gewürzt wurden.

Sänger Sven Regener beweist abermals sein Talent als Texter und schildert Alltagsbanalitäten die bei anderen nur peinlich wirken würden, mit seiner herrlich schnoddrigen Stimme. Die Szenarien sind vielfältig: Ein Spielplatz im lupenreinen Liebeslied „Am Ende denk ich immer nur an dich“, auf dem Regener geschickt mehrere kleine Handlungsstränge miteinander verstrickt. Oder das kleine Gartencafé in „Kaffee und Karin“ wo sich Alltagsrebellen tummeln: „Dass das Bier in meiner Hand alkoholfrei ist, ist teil einer Demonstration / Gegen die Dramatisierung meiner Lebenssituation“. Regener nimmt immer wieder die Rolle des scharfen Beobachters ein und beschreibt Gefühlszustände und Begebenheiten mit einem erstaunlichen Detailgrad.

Von der melancholischen Mittellinie weichen die vier Berliner im Verlaufe des Album immer wieder in die ein oder andere Richtung ab, ohne sich allzu weit davon zu entfernen. „Der weiße Hai“ wartet beispielsweise mit Kinderchor auf und winkt so energisch zu einem Roy Black hinüber. Das erwähnte „Kaffee und Karin“ lädt mit seinem Walzercharakter zum Schunkeln ein. „Euro und Markstück“ baut hingegen eine fast schon hoffnungslose Stimmung auf in der Vertrautheit nur zwischen den beiden Münzen besteht: „In den Eingeweiden des Sparschweins, das ganz hinten im Kleiderschrank liegt / Reichen sich Euro und Markstück die Hände und sagen: Wir haben uns lieb!“. Das Ganze wird im späteren Verlauf von Regeners tieftraurigem Trompetenspiel nur noch mehr unterstrichen. Eben jene Trompete wechselt sich auf dem Album in schöner Regelmäßigkeit mit einer Mundharmonika ab, was den Stücken jeweils eine ganz eigene Grundmelancholie verleiht.

Bei Element of Crime ist also (zum Glück) alles beim Alten geblieben. Großartige Veränderungen hat eine Band deren Altersdurchschnitt etwa 50 Jahre beträgt auch nicht mehr nötig, immerhin liefern die Berliner mit diesem Rezept seit Jahren eine hohe Qualität ab. Regener textet so kauzig-schrullig wie eh und je, verleiht dem Scheitern eine gehörige Portion Würde und zaubert dabei kleine Alltagsweisheiten wie „Wer die Monatskarte hat, sollte besser nicht am Monatsanfang sterben“ aus dem Hut. Gerade der Umstand dass er in seinen Texten den Schulterschluss mit dem kleinen Mann probt, lässt Identifikationspotenzial entstehen von dem andere Bands nur träumen können.

Element of Crime liefern mit „Immer da wo du bist bin ich nie“ den perfekten Soundtrack ab, um im kommenden Herbst den Regentropfen an der Fensterscheibe auf ihrem Weg nach unten zuzuschauen. Lächelnd, versteht sich.

Tracklist:

01. Kopf aus dem Fenster
02. Am Ende denk ich immer nur an dich
03. Deborah Müller
04. Kaffee und Karin
05. Einer kommt weiter
06. Immer da wo du bist bin ich nie
07. Bitte bleib bei mir
08. In mondlosen Nächten
09. Der weisse Hai
10. Euro und Markstück
11. Storms Are On The Ocean

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