Muse – The Resistance

theresistanceWenn George Orwells düsterem Zukunftsroman „1984“ eine CD beiliegen würde, wäre das vermutlich das aktuelle Studioalbum von Muse. „The Resistance“ strotzt nur so vor Hinweisen auf besagten Roman und entledigt sich damit der Frage nach der Inspirationsquelle. Was hat sich nun aber beim Sound der drei Briten getan?

Die erklärte Absicht von Matthew Bellamy (Gitarre und Piano), Chris Wolstenholme (Bass) und Dominic Howard (Drums) für die Aufnahmen des nun mehr fünften Studioalbums war die Entschlackung des Sounds. Was im ersten Augenblick undenkbar für eine leicht größenwahnsinnige und bombastaffine Band wie Muse klingt, wird erstaunlich konsequent durchgezogen.

Der Opener „Uprising“ macht es vor. Ein gefälliger Basslauf läutet das Stück ein, bevor Keyboard und Matthew Bellamys diesmal erstaunlich zahme Stimme hinzukommen. Zahm ist auch sein Gitarrensolo gegen Ende. Man darf sich zu Recht die Frage stellen ob so eine unkomplizierte Nummer, die konsequenterweise auch die erste Single wird, noch Muse ist. Bevor sich ernsthafte Bedenken festsetzen können, wischt der Titeltrack „Resistance“ diese rigoros weg. Mutiger, lauter – und ja, auch „musiger“ – als der Vorgänger. Besonders wenn Bellamy lauthals „Love is our resistance!“ zur Parole erklärt. Pathos: ja. Aber eben auch typisch Muse.
Das zweigeteilte „United States Of Eurasia“ springt mit Leichtigkeit von einem Queen-sound-a-like-Contest auf einen arabischen Basar um schließlich in einem von Piano getragenen Finale auszuklingen.
Hin und wieder übertreiben es sogar Muse mit dem Pathos. Bestes Beispiel ist „Guiding Light“, das an eine Sahnetorte erinnert, die gleichzeitig noch mit 20 Zentimetern Zuckerguss überzogen wurde. Irgendwann ist ja auch mal genug.
Die beiden Riffmonster „Unnatural Selection“ und „MK Ultra“ knüpfen hingegen an alte Tugenden an. Ersteres ist angenehm komplex geraten und wartet mit einem monströsen Riff Marke „New Born“ auf. Das elektronisch surrende „MK Ultra“ schert sich nicht um unnötige Verzweigungen und bewegt sich schnurstracks in Richtung Kontrollverlust.
Auch wenn man Muse im bisherigen Albumverlauf eine gewisse Experimentierfreudigkeit nicht absprechen konnte, besteht die eigentliche Überraschung doch in der dreiteiligen Symphonie „Exogenesis“. Unterstützt von einem Orchester bauen Muse hier eine beeindruckende Atmosphäre auf. Der erste Teil „Overture“ wird noch vorwiegend von Streichern und Bellamys markanter Gesangsstimme dominiert. Für „Cross Pollination“ wechselt er selber ans Klavier und stellt einmal mehr seine fantastischen Fähigkeiten an diesem Instrument unter Beweis. Hierbei schwingen sich alle Beteiligten immer weiter auf bis das Stück seinen epischen Höhepunkt erreicht. Im dritten Teil „Redemption“ wird dieser Ausbruch sanft von Beethovens Mondscheinsonate aufgefangen, nur um später noch einmal um eine neue Chance zu bitten: „Why can’t we start it over again / and we’ll be good / this time we’ll get it right“.

Muse zitieren auf „The Resistance“ vorwiegend sich selbst. Gleichzeitig ist es auch das erste Album der Briten wo man bei diversen Titeln anfangen könnte mit „Hey, das klingt doch wie…“. Beispiel ist das fast schon als R’n’B Nummer zu bezeichende „Undisclosed Desires“ was frappierend nach Timbaland klingt. „I belong to you“ hört sich anfangs nach Maroon 5 an, fängt sich im weiteren Verlauf und drückt sich zum Glück doch noch den Musestempel auf.

„The Resistance“ ist nicht unbedingt das was man von Muse erwartet hätte. Ihre Mission den Sound zu verschlanken wurde zum Großteil erfüllt. Gerade Stücken wie „Uprising“ hört man es an, dass bewusst kürzer getreten wurde. Das ist es wiederum auch was „The Resistance“ auf weite Strecken fehlt: Der Größenwahn, die Kompromisslosigkeit von früher. Nicht falsch verstehen, das Album ist bei weitem nicht das schlechteste und überhaupt ist das hier Meckerei auf (relativ) hohem Niveau. Gerade die zweite Albumhälfte wartet mit einigen exzellenten Titeln auf. Den Vorwurf der Massenkompatibilität müssen sich Muse dennoch gefallen lassen. Und ist ja auch irgendwie schade bei einer Prog-Rock-Band.

Tracklist:

01. Uprising
02. Resistance
03. Undisclosed Desires
04. United States Of Eurasia (+ Collateral Damage)
05. Guiding Light
06. Unnatural Selection
07. MK Ultra
09. I Belong To You (+ Mon Coeur S’Ouvre A Ta Voix)
10. Exogenesis: Symphony Part I (Overture)
11. Exogenesis: Symphony Part II (Cross-Pollination)
12. Exogenesis: Symphony Part III (Redemption)

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