Frank Turner – Poetry Of The Deed

poetryofthedeedFrank Turner hat eine neue Heimat. Dabei handelt es sich nicht um ein bescheidenes Eigenheim sondern um sein neues Plattenlabel Epitaph. Das hat vor gut 2 Monaten sein zweites Studioalbum „Love Ire & Song“ nochmal neu auf den Markt geworfen um damit den Weg für das neue Werk „Poetry Of The Deed“ zu ebnen. Während Turner auf dem Vorgänger seine Songs vornehmlich allein vertonte, hat er sich für das aktuelle Album Verstärkung in Form von Ben Lloyd (E-Gitarre), Matt Nasir (Klavier, Keyboard), Tarrant Anderson (Bass) und Nigel Powell (Drums und Percussion) ins Boot geholt. Und soviel sei vorab gesagt: „Poetry Of The Deed“ klingt mehr nach der Band Frank Turner als nach dem Singer-Songwriter Frank Turner.

Bei so einem Mehraufgebot an Instrumenten besteht natürlich die Gefahr sich zu verzetteln und den Folk völlig aus den Augen zu verlieren. Tatsächlich finden sich auf der aktuellen Scheibe mehr Rocksongs als noch auf „Love Ire & Song“. Bevor jetzt der gestandene Fan aber die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kann Entwarnung gegeben werden. Ausgerechnet diese Stücke machen einen Heidenspaß. Das fängt schon mit dem wunderbar schmissigen Opener „Live Fast Die Old“ an und setzt sich im Folk-Punk von „Try This At Home“ fort. Letzteres ist die Aufforderung sich einfach mal selbst an Musik zu versuchen: „Turn off your stereo, pick up that pen and paper, you could do much better than some half-arsed skinny English country singer“. Die Selbstironie hat sich Turner jedenfalls erhalten.
Im Verlauf des Albums werden die Freuden des Lebens besungen: Etwa ein sonniger Tag im Park mit einem guten Freund und einer Flasche Bier (Dan’s Song), das aufregende Leben auf Tour (The Road), oder schlicht und ergreifend das Wochenende (Sunday Nights). Aber selbst ein Frank Turner wird mal ernster. Unterschied zum Vorgänger ist jedoch, dass selbst diese Themen konsequent mit positiv strahlenden Facetten ausgeschmückt werden. Enttäuschte Erwartungen der Eltern verwandelt Turner in schlichte Dankbarkeit: „You made me in your image so you have to understand that I did my best as told and so have become your loving and your faithful only son“.
Die Selbstmordabsichten des “Richard Divine” gibt er der Lächerlichkeit der Realität preis: “Everybody plays this game on a daily basis. They’re not heroes, they’re survivors, and it’s not Shakespearian if they lose“.

Auch wenn Frank Turner jetzt eine Band im Rücken hat, wirkt keiner der Songs überladen. Gerade das Klavier bringt eine Leichtigkeit hinein die Frank Turner nur zu gut steht. Die einzelnen Titel sind entsprechend ihrer Grundaussage angemessen arrangiert. Für das idealistisch-revolutionäre „Sons Of Liberty“ kommen gar die vom Vorgänger bekannten Fideln wieder zum Einsatz. Von Überproduktion kann hier weiß Gott keine Rede sein. Wenn sich Turner gegen Ende von „Our Lady Of The Campfire“ förmlich in Rage singt, folgt ein elektrischer Gitarrenteppich der aber sofort wieder eingerollt wird, wenn der Song es erfordert. Der Schlusspunkt „Journey Of The Magi“ wird erst zart von einer Akustikgitarre getragen, bevor für den Schlussteil leise das Schlagzeug und ein Chor hinzukommt.

„Poetry Of The Deed“ ist die konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers „Love Ire & Song“. Die Platte wirkt wie aus einem Guss und die Texte sind noch einen Zacken besser. Authentisch sind sie ja ohnehin. Bei jemandem wie Frank Turner, der sich nicht zu schade ist während eines Auftritts auch mal im Publikum nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen, erübrigt sich die Frage nach Authenzität. Herausgekommen ist ein Album was vor hörbarer und ansteckender Lebensfreude zu platzen droht.

Und selbst für die Leute denen die Weiterentwicklung nicht passt, hat Turner eine passende Zeile parat: „I could’ve played safe. But in the end the journey’s brought joy that outweight the pain.” Wer kann so jemandem etwas abschlagen?

Tracklist:

01. Live Fast Die Old
02. Try This At Home
03. Dan’s Song
04. Poetry Of The Deed
05. Isabel
06. The Fastest Way Back Home
07. Sons Of Liberty
08. The Road
09. Faithful Son
10. Richard Divine
11. Sunday Nights
12. Our Lady Of The Campfires
13. Journey Of The Magi

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