Depeche Mode – Sounds Of The Universe

depeche5Besser spät als nie: Jetzt gibt es also die reichlich verspätete Rezension zu „Sounds Of The Universe“, dem aktuellen Studioalbum von Depeche Mode. Zu meiner Verteidigung nur soviel: Ich habe es schlicht vergessen. Warum das bei der Platte so einfach fällt, zeigen die folgenden Sätze.

Was auf dem Vorgänger „Playing The Angel“ angefangen hat setzt sich bei „Sounds Of The Universe“ fort: Hauptsongschreiber Martin Gore lässt seinen Kollegen Dave Gahan auch mal die Feder schwingen. Aus diesem Zugeständnis sind die drei Stücke „Hole To Feed“, „Come Back“ und „Miles Away / The Truth Is“ entstanden. Soviel zu den Vorabinformationen. Aber wie klingt’s denn jetzt?

Die drei Engländer haben ein Album geschaffen was praktisch aus zwei Teilen besteht. Während die erste Hälfte noch überzeugen kann, ertrinkt die zweite in Belang- und Lieblosigkeit.

Aber immer der Reihe nach: Den Einstieg bildet „In Chains“. Schon hier könnte der geneigte Hörer eine Augenbraue nach oben ziehen. In knapp 7 Minuten schaffen es Depeche Mode nicht ein Fitzelchen Spannung aufzubauen! Man fühlt sich an einen Leierkasten in Synthesizerform erinnert. Insgesamt ein katastrophaler Opener. Die folgenden Titel hingegen machen ihre Sache schon besser. „Hole To Feed“ wartet mit einem kernigen Gitarrenriff auf und wirkt insgesamt straffer als sein Vorgänger. „Wrong“ bahnt sich wie eine zähe, aber höchst süchtig machende Flüssigkeit seinen Weg in die Gehörgänge und gehört sicherlich zu den Highlights auf der Platte. Knarzenden Synthsizer und Gahans verheißungsvoller Stimme sei dank. „Fragile Tension“ und „In Sympathy“ sind unglaublich eingängig und zünden sofort. Bei letzterem fragt man sich dennoch ob da wirklich Depeche Mode am Werk waren. Einen tanzbaren Sommerhit hätte man ihnen wohl am allerwenigsten zugetraut.

Nach dieser guten ersten Hälfte wird jetzt der Karren von den drei Engländern ins Tal geschickt, nicht ohne unterwegs noch den ein oder anderen Baum zu rammen.
Der erste unfreiwillige Zwischenstopp wird beim überaus nervtötenden „Peace“ eingelegt. Gahan intoniert dessen lächerlichen Text so insbrünstig dass es schon unfreiwillig komisch wirkt. Überhaupt machen die Texte auf „Sounds Of The Universe den Eindruck dass sie das Ergebnis einer Englisch Hausaufgabe sind. „Come Back“ und „Perfect“ teilen die Probleme von „Peace“ und wirken ebenso leer und belanglos. Das nervige Instrumental „Spacewalker“ lässt an seiner Daseinsberechtigung zweifeln.
„Jezebel“ und „Corrupt“ bilden den Abschluss des Albums und erinnern textlich und musikalisch schon eher an die alten Qualitäten von Depeche Mode. Gerade bei „Jezebel“ beweist Martin Gore, dass er es doch noch schafft gute Songs zu schreiben.

Fassen wir das ganze mal so zusammen: Wenn das die „Sounds Of The Universe“ sind, bleibe ich lieber auf der Erde. Es ist schon erschreckend wie langweilig eine Depeche Mode Platte klingen kann. Während der unmittelbare Vorgänger „Playing The Angle“ mit einer Sinner-Saint-Thematik aufgewartet hat, bleiben die Titel auf dem aktuellen Album in der Summe blass und austauschbar. Sicherlich sollte man von Depeche Mode kein zweites „Violator“ oder andere Höhepunkte der Karriere erwarten. Die zweite Albumhälfte hätte man sich trotzdem schenken können. Und mit der verbleibenden ersten Hälfte wäre sich einer gute EP drin gewesen.
Allerdings muss man dem Album in der Vinylversion eine vorbildliche Ausstattung zugute halten. Neben edlem 180 Gramm Vinyl gibt’s die CD Version des Albums gratis dazu.

Tracklist:

01. In Chains
02. Hole To Feed
03. Wrong
04. Fragile Tension
05. Little Soul
06. In Sympathy
07. Peace
08. Come Back
09. Spacewalker
10. Perfect
11. Miles Away / The Truth Is
12. Jezebel
13. Corrupt

3 Gedanken zu „Depeche Mode – Sounds Of The Universe

  1. Bei mir siehts ein wenig anders aus. Gerade „In Chains“ als Opener finde ich unglaublich stark, einer der besten Depeche Songs der letzten Jahre. Mit Hole to Feed konnte ich mich bis heute nicht anfreunden, genau so wenig wie mit In Sympaty. Dafür hat sich mein anfänlicher Hass zu Fragile Tansion mittlerweile in pure Liebe verwandelt, einfach Hammer! Auch finde ich Little Soul (schaurig) schön. Aber Geschmäcker sind halt verschieden , und gerade bei diesem Album scheiden sich viele Geister. Schade das du nicht auf Ghost eingegangen bist, meiner Meinung das beste Stück von Album (auch wenns leider nur auf der Special Edition drauf ist.)

    Gruß Spank

  2. Zu allererst danke ich dir für deine Sichtweise!🙂

    Als Besitzer der stinknormalen Vinyl Ausgabe ist „Ghost“ leider komplett an mir vorbeigegangen. Nachdem ich mir den Track jetzt mal ausführlich angehört habe muss ich dir aber zustimmen: „Ghost“ mischt ziemlich weit oben mit.
    Beim Hören denke ich mir aber auch: „Jaaaa geht doch, warum nicht auch beim Rest so?“. Ist mir schleierhaft warum der nicht auf dem regulären Album drauf ist.
    Insgesamt finde ich aber schon dass man von Depeche Mode besseres gewohnt ist. Einige Titel empfinde ich nach wie vor als dahingeschludert bzw. nicht zuende gedacht.

    Spricht aber irgendwo auch für eine Band wenn über die Titel so kontrovers diskutiert wird😉

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