Arctic Monkeys – Humbug

41ie9EiKfGL._SL500_AA240_Hände hoch! Wer erinnert sich noch an das Debüt der Arctic Monkeys anno 2006? Dieser Überraschungserfolg aus jugendlicher Rotznäsigkeit und zur Schau gestellter uns-kann-keiner-was-Attitüde? Ein Jahr darauf dann schon der Nachfolger „Favourite Worst Nightmare“, der fast schon ein Schnellschuss war und seinem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen konnte.
Jetzt, 2009, melden sich die Arctic Monkeys lautstark mit ihrem dritten Longplayer „Humbug“ zurück. Der Titel passt wie die Faust aufs Auge, denn die Affen spielen mit den Hörgewohnheiten ihrer Fans. Ein Versuch die Ereignisse wiederzugeben:

Durchgang Nummer 1:
Ähm, ja! Das war so ziemlich der einzige Eindruck nach dem kompletten Durchhören des Albums. Von den zehn Titeln sind nur zwei Songs wirklich hängen geblieben. Der eine ist die Vorabsingle „Crying Lightning“, ist also quasi schon bekannt gewesen und gleichzeitig der einzige Song wo man halbwegs von klassischen Singlequalitäten sprechen kann. Der zweite Aufhorcher nennt sich „Pretty Visitors“ und wartet mit unerwarteten Tempowechseln auf. Wo wir gerade bei der Geschwindigkeit sind: Die 4 Engländer haben dem Album scheinbar einen Tempomat eingebaut, überschreitet doch kein Titel die Grenze von Mid- zu Uptempo. Ein wenig Enttäuschung macht sich breit. Man hätte von den Arctic Monkeys doch ein ganz anderes drittes Album erwartet.

Durchgang Nummer 2:
Dem zweiten Durchgang geht erst einmal das nochmalige Hören der ersten beiden Alben voraus. Und neben der Tempobeschränkung ist noch ein weiterer Unterschied klar geworden. Alex Turners Gesang wurde in den Hintergrund gerückt. Auf „Humbug“ wird den Instrumenten wesentlich mehr Platz zur Entfaltung gelassen. Turner unterstreicht, ja akzentuiert die Songs anstatt sie zu dominieren. Bei dem bereits erwähnten „Pretty Visitors“ legt er auch wieder ein atemberaubendes Tempo an den Tag, wie man es beispielsweise aus „From The Ritz To The Rubble“ kennt. Erinnerungen werden auch bei „Secret Door“ geweckt. Man meint Fetzen aus „Only Ones Who Know“ zu hören, wird aber spätestens bei dem verträumten Finale aus den Gedanken gerissen.

Durchgang Nummer 3:
Immer mehr fällt die spröde, äußere Schicht von den Stücken ab. Man hat sich so langsam auf den weiterentwickelten Stil eingestellt. Mehr als bei den anderen Stücken winken einem die „alten“ Arctic Monkeys bei „Potion Approaching“ zu. Und man fragt sich warum das so offensichtliche erst beim dritten Durchgang auffällt. „Cornerstone“ schlägt in die gleiche Kerbe und ist vom Text her eher die Ausnahme auf „Humbug“: Der Hörer kommt ziemlich schnell darauf dass es hierbei um die Nachwehen einer gescheiterten Beziehung geht. Beim Rest des Albums sieht das schon anders aus: Die Texte auf Humbug sind weniger direkt als bisher gewohnt und lassen der Fantasie viel Freiraum.

Die Schilderung weiterer Durchläufe spare ich mir an dieser Stelle. Ja, das neue Album ist eine Überraschung. Wenn Alex Turners Stimme nicht wäre und nicht groß Arctic Monkeys auf der Hülle stünde, würde man im Leben nicht drauf kommen, dass hier eben jene Band am Werk ist. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass die vier Jungs aus Sheffield mit ihren Aufgaben gewachsen sind und sich musikalisch durchaus weiterentwickelt haben. Der jugendliche Leichtsinn aus den Tagen eines „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ ist dem Gespür für durchdachte Arrangements gewichen. Alles wirkt gesetzt und bedacht, von Überstürzung ist keine Spur. Einzig beim lässigen „Dance Little Liar“ scheint es so, als ob sie am Ende doch aus ihrem selbst auferlegten Muster ausbrechen wollen, bevor Turners Gesangsorgan dem Aufstand ein Ende macht. „Humbug“ macht es dem Hörer nicht einfach. Eingängige Hits für die Indietanzflächen dieser Welt sucht man vergebens. Wer also gerade wegen eben solchen Songs auf das Album gewartet hat, könnte bitter enttäuscht werden. Kurzum: Die Arctic Monkeys sind erwachsen geworden.

Tracklist:

01. My Propeller
02. Crying Lightning
03. Dangerous Animals
04. Secret Door
05. Potion Approaching
06. Fire And The Thud
07. Cornerstone
08. Dance Little Liar
09. Pretty Visitors
10. The Jeweller’s Hands

3 Gedanken zu „Arctic Monkeys – Humbug

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