Hasenscheisse – Für ein paar Köttel mehr

HasenscheisseKann man eine Band mit so einem Namen überhaupt ernst nehmen? Wenn man etwas mit humorvoller Musik anfangen kann, sollte man das sogar!
2007 brachten die zwei Berliner Crishi und Matze ihr erstes Album „Für eine Handvoll Köttel“ auf die Welt. Wer jetzt immer noch auf dem Schlauch steht, dem sei diese Scheibe wärmstens ans Herz gelegt. Vom Stil her könnte man Hasenscheiße in die Schublade „heitere Gitarrenmusik mit Lagerfeuercharme und Tanzbeinschwingerei“ einordnen.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wir haben 2009 und in Hasenscheisseland hat sich einiges getan. Die zwei Ursprungshasen haben sich Verstärkung in Form von Percussionist Laschi und Bassist Gigi in ihren Bau geholt. Daraus folgt jetzt das zweite Album mit dem konsequenten Namen „Für ein paar Köttel mehr“. Um das geht es auch in der folgenden Rezension, die verdächtig oft das Wort Scheisse enthält ohne es negativ zu meinen.

Sommerstimmung kommt gleich im ersten Lied „Süsswasserboys“ auf. Eine Liebeserklärung an Binnengewässer und der Soundtrack für einen Tag am Baggersee. Wer da still sitzen bleibt ist vermutlich schon tot.
Dass die 4 Berliner auch auf ihrem zweiten Album wieder jede Menge Unfug vertonen beweist der zweite Song „Eierkuchen flieg“. Der handelt nicht etwa von einer Essensschlacht, sondern von einer verzwickten Vierecksbeziehung zwischen Mehl, Milch, Eiern und Sprühsahne. Begleitet wird das ganze von einer herrlich schmalzigen Melodie aus Gitarre und Geigen.
„Depressive Bären“ ist wieder so ein reichlich bescheuerter Titel, wie man ihn von Hasenscheisse gewohnt ist. Überhaupt schlägt man beim Hören der Platte gerne mal lachend die Hände vors Gesicht.
„Jah“ soll eigentlich ein Liedchen über den lieben Gott sein, beschäftigt sich aber textlich wie auch musikalisch in erster Linie mit Reggae bevor der Song in der zweiten Hälfte ins Dancehall Genre stolpert.
Vor der tristen Szenerie einer ländlichen Bushaltestelle spielt die Outlaw-Ballade „Jaqueline“. Die Hauptpersonen: Jaqueline und der Friedhofsbeet harkende, schwarze Micha – ein bisschen traurig wie James Dean.
Mit knapp 10 Minuten Spielzeit bildet „Himmel & Hölle“ gewissermaßen das Herzstück des Albums. Wer das Erstlingswerk von Hasenscheisse kennt, wird sich hier an die „Krümelteeballade“ erinnert fühlen. Die Ausgangssituation ist wie so oft recht banal: Irgendwo zwischen Himmel und Hölle / muss auch ein Platz für Spinner wie uns existieren.
Die Suche nach eben jenem Ort beginnt harmlos und wird im Verlauf immer absurder und skurriler. Der Spaßfaktor erreicht hier seinen Höhepunkt.
Der Rausschmeißer auf „Für ein paar Köttel mehr“ bildet die flotte Rezeptsammlung „Orkenbraten“. Hier drehen Hasenscheisse nochmal gehörig an der Temposchraube bevor der wilde Ritt ein Ende hat.

Man hört dem Album an, dass die 4 Berliner unglaublichen Spaß an ihrer Musik haben und sich selber nicht allzu ernst nehmen. Die Arrangements klingen wohl nicht zuletzt wegen dem Bandnachwuchs etwas voller als noch auf dem Debüt. Trotz allem gibt es hier und da einen schwachen Song, den so auf dem Erstling nicht gegeben hat. Namentlich sind das „Drei Reiter“ und „Schwein“. Der Humor ist bei beiden nach wie vor da, trotz allem klingen gerade diese Lieder etwas konstruiert, während das restliche Liedgut locker aus der Hüfte kommt. Apropos Liedgut, die meisten Titel der Platte überschreiten die 5-Minuten-Marke was aber aufgrund der einfallsreichen Texte nicht viel aufmacht. Selbst nach mehreren Durchgängen kann ich behaupten, dass von Langeweile nichts zu spüren ist. Fassen wir also nochmal zusammen: Nicht ganz so gut wie das erste Album, aber trotzdem noch gewohnt hasenbeschissene, aberwitzige Unterhaltung.

PS: Nach „Orkenbraten“ unbedingt weiterhören! Die Belohnung erfolgt in Form eines kleinen Märchens und einigen Outtakes.

Tracklist:

01. Süsswasserboys
02. Eierkuchen flieg
03. Drei Reiter
04. Depressive Bären
05. Schwein
06. Jah
07. Jaqueline
08. Himmel & Hölle
09. Orkenbraten

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