we heard the ’59 sound!

Seit dem 11.02.2009 habe ich wieder Vertrauen in die Deutsche Bahn. Ich denke mit Schrecken an meine nächtliche Odyssee nach dem Queens of the Stone Age Konzert im vergangenen Sommer zurück. Schienenersatzverkehr ist das Zauberwort.
Lange Rede kurzer Sinn: Man kam pünktlich in Berlin an. Eine S- und U-Bahn Station weiter war dann auch schon das Ziel des Abends erreicht: Das Kato in Kreuzberg. Schnell noch einen Döner verdrückt, ein bisschen (bitterkalte) Luft geschnappt und dann rein in die gute Stube. Zeigerstand: 20.27 Uhr. Moment. Warum läuft hier so laute Musik? Wie sich später herausstellt, ist der Konzertbeginn schon viel eher als einem die Eintrittskarte Glauben machen will.

Die erste Band des Abends ist also Polar Bear Club. Die Herren steckt man wohl am ehesten in die Punk / Hardrock Schublade. Meiner Meinung nach ein wenig deplatziert in Hinblick auf folgende Künstler, aber dafür rockt sich das Quintett auf der Bühne die Seele aus dem Leib und weiß auch den ein oder anderen im Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Das Publikum selbst ist noch ein wenig dünn besiedelt, wohl nicht zuletzt wegen der falschen Zeitangabe auf den Tickets. Insgesamt fällt der Abschiedsapplaus okay bis ganz ordentlich aus.

Nach einer kurzen Umbaupause tritt dann auch schon der überaus sympathische Frank Turner auf die Bühne. Und zwar nur Frank Turner. Keine Band, sondern nur mit Akustikgitarre bewaffnet. Während das Publikum noch etwas irritiert scheint, ist der schlaksige Typ auf der Bühne schon drauf und dran das Eis zu brechen: „It’s only an acoustic guitar, so feel free to step forward!“.
Danach wird ein Folk-Feuerwerk abgebrannt, wie es besser kaum sein könnte. Turner singt und spielt so intensiv, dass es gleich gefühlte 10 Grad wärmer wird. Kann natürlich auch an dem stetig wachsenden Publikum liegen. Abseits der überaus eingängigen Songs zeigt sich, dass der Mann vorzügliche Entertainerqualitäten besitzt. Etwa wenn er seine ganz ordentlichen Deutschkenntnisse zum Besten gibt. Wenn man den Applaus als Maßstab nimmt, hat Turner den Polar Bear Club deutlich geschlagen.

Kommen wir zu den Gastgebern des Abends. Nach einer scheinbar endlosen weiteren Pause, verdunkelt sich die Bühne und wird erst wieder strahlend erleuchtet als The Gaslight Anthem die Show mit „Great Expectations“ eröffnen, an das sich scheinbar nahtlos „The Patient Ferris Wheel“ anschließt. Spätestens jetzt ist aus dem Kato ein Hexenkessel geworden. Die vorderen Reihen singen jedes einzelne Wort mit und man selbst wird unweigerlich mitgezogen. Als dann (endlich) „The ’59 Sound“ angestimmt wird, ist alles andere nur noch Nebensache: Hitze – egal. Ellbogenstöße – egal. Stickige Luft – egal. Was zählt ist der Moment wenn man unter zig Gleichgesinnten den Arm in die Höhe streckt und lautstark „Did you hear the ’59 sound?“ singt. Spaß in seiner reinsten Form! Und Spaß hat nicht nur das Publikum, nein auch die Protagonisten auf der Bühne, denen das Grinsen scheinbar ins Gesicht getackert wurde. Eine solche Spielfreude sieht man selten. Und bierernst ist ohnehin niemand. Etwa wenn Drummer Horowitz bei „Here’s looking at you, kid“ bei der Zeile ‚Oh it’s hard to tell you this‘ patzt, gibt es sofort die Strafe in Form eines augenzwinkernden ‚Oh it’s hard to drum this‘ vom Mann am Mikrofon.
Die Setlist konnte ich leider nicht ergattern, aber fest steht, dass die erste Hälfte des Gigs von der aktuellen Platte dominiert wurde, von der restlos alle Songs gespielt wurden. Die andere Hälfte samt der zwei Zugaben, wurde dann mit den Stücken vom Erstlingswerk ausgeschmückt. Fans von „Sink or Swim“ könnten hier ein wenig enttäuscht gewesen sein. Gut 90 Minuten haben The Gaslight Anthem die Besucher beglückt und irgendwie war es immer noch viel zu kurz. Laut der Begeisterungsstürme am Ende, hätte man wohl gerne noch bis zum Morgen so weiter gefeiert.

Nach dem Konzert wurde am Merchandise Stand auch gleich noch eine CD von Frank Turner ergattert, die der Mann übrigens höchstselbst verkauft hat.

Seltsam wie gut selbst die ekelhafteste Großstadtluft nach einem schweißtreibenden Konzert schmeckt. Gelohnt hat es sich allemal!

Fotos gibt es sobald das Übertragungskabel für die Digicam eintrudelt hier.

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