Wave Goodbye 2009 – NIN in Berlin

Eigentlich stand das Konzert für mich unter keinem guten Stern. Noch immer hatte mich die Erkältung vom Southside fest im Griff. In so einer Situation sollte man sich eher das Bett hüten als Konzerte zu besuchen. So habe ich auch noch ein paar Tage vorher versucht meine Karte an den Mann zu bringen, was aber kläglich gescheitert ist. Ein Zeichen des Schicksals? Womöglich, aber zum Glück habe ich mir nochmal ins Gedächtnis gerufen, dass es sich hierbei um das vielleicht letzte Deutschlandkonzert der Nine Inch Nails handelt. Diese befinden sich nämlich nicht ohne Grund auf ihrer „Wave Goodbye Tour 2009“. Erst kürzlich verkündete Trent Reznor, dass er nicht mehr mit seiner Band live auftreten und selbige auf Eis legen wolle. Also ging es kurz entschlossen doch noch zur Arena Treptow.

Unter „Arena Treptow“ hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Der Bau erinnert eher an eine große Lagerhalle, als eine Konzerthalle. Allerdings sind die Stahlträger an der Decke ja durchaus passend für eine Industrial Band wie Nine Inch Nails. Was beim Betreten der Halle auffiel war die brütende Hitze, woran der ohnehin schon warme Sommertag wohl nicht ganz unschuldig war. Wenn dann während des Aufbaus noch ausgiebig die Nebelmaschine getestet wird, ist es um die Luftqualität sowieso geschehen.

Viel Zeit zum Meckern blieb nicht, denn die Vorband Mew enterten die Bühne. Die Dänen machen ziemlich anständigen Indierock. Bis hierher ist also alles in Ordnung. Nur komme ich leider mit dem Falsettgesang des Frontmanns überhaupt nicht klar. Polarkreis 18 lässt grüßen.
Scheinbar war ich nicht der einzige mit der Meinung. Eine ausrastende Menge sieht jedenfalls anders aus. Artig applaudiert wurde natürlich trotzdem. Ehrensache.

Das Witzige an der Temperatur in der Arena Treptow war die Tatsache, dass einem vom bloßen Rumstehen der Schweiß in Strömen floss. Man konnte also schon ahnen wie das erst bei Nine Inch Nails wird.
Diese legten mit einer ziemlich druckvoll-brutal gespielten Version von ‚Somewhat Damaged’ los. Und auch der Rest der Setlist war relativ ungewöhnlich und barg einige selten gespielte Titel wie ‚Heresy’ oder das Bowie-Cover ‚I’m Afraid Of Americans’. Selbstverständlich fehlten auch Kracher wie ‚1.000.000’ oder ‚Burn’ nicht im Programm. Der Schweiß floss und spritzte derweil in Strömen. In meinen Augen war die Setlist angenehm abwechslungsreich zusammengestellt. Eben noch nervös zu ‚March Of The Pigs’ zappeln und im nächsten Moment ergriffen ‚Something I Can Never Have’ lauschen.
Dass Trent und Konsorten an diesem Abend so richtig Lust hatten, merkte man nach den ersten Songs. Band und Publikum peitschten sich gegenseitig zu immer neuen Höchstleistungen. Im Gegensatz zum Southside Gig hielt die Beleuchtung in Berlin durch und beglückte das Publikum erneut mit exzessivem Stroboskopeinsatz.
Wirklich eine großartige Atmosphäre auf dem Konzert. Vielleicht lag es auch an dem gut durchmischten Publikum: Leute aller möglichen Szenen feierten gemeinsam Trent und Band. Meine Klamotten inklusive Tascheninhalt waren zwar komplett durchgeschwitzt, aber wurscht!
Ich für meinen Teil bin nach wie vor überwältigt und könnte jetzt glücklich sterben. Und Mr. Reznor gefiels scheinbar auch, wie er kurz nach dem Konzert twitterte: Our last show in Germany was a good one. Thank you Berlin! Hotter than fuck onstage.

Setlist:

1. Somewhat Damaged
2. 1,000,000
3. Heresy
4. March of The Pigs
5. Something I Can Never Have
6. Metal
7. I’m Afraid of Americans
8. Head Down
9. The Big Come Down
10. Burn
11. Gave Up
12. Piggy
13. Home
14. Non-Entity
15. The Downward Spiral
16. Wish
17. Survivalism
18, Physical
19. Down In It
20. Hurt
21. The Hand That Feeds
22. Head Like A Hole

Ein Gedanke zu „Wave Goodbye 2009 – NIN in Berlin

  1. schöner bericht eines tollen abends! das gut gemischte publikum ist mir auch aufgefallen, und meine klamotten sahen aus, als ob ich grad einem swimming pool entstiegen wäre. wenn’s das wirklich war mit NIN live, dann war das ein mehr als würdiger abschied!

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