Tomte – Heureka

tomte4Da ist es nun also: das neue Album der Mannen um Thees Uhlmann. Drei Jahre sind seit den „Buchstaben über der Stadt“ vergangen. Und in dieser ist bei Tomte so einiges passiert: Schlagzeuger Timo Bodenstein verlässt die Band, Keyboarder Max Schröder nimmt seinen Platz an den Trommeln ein. Olli Koch stellt den Bass aus gesundheitlichen Gründen in die Ecke. Mit Simon Frontzek wird ein langjähriger Freund an die Tasten gesetzt. Bleibt von der ursprünglichen Besetzung eigentlich nur noch Thees Uhlmann höchstselbst übrig. Klingt kompliziert? Am Sound hat sich trotzdem nicht viel getan.

Ein kurzes Räuspern und ein Willkommensgruß auf dem Klavier, läuten den Titelsong „Heureka“ ein. Trotz der vielen Bewegung innerhalb des Bandgefüges wird sofort klar: Das sind immer noch Tomte! Thees Uhlmann dehnt die Vokale wie eh und je, wenn er seine kryptischen Texte vorträgt, die wohl nur er allein vollkommen versteht.
„Wie ein Planet“ setzt die Linie dann konsequent fort und bietet einmal mehr einen Querverweis auf Uhlmanns Onkel Walter: „Our feet are the same“ statt „Auf Wiedersehen“.
Die erste Single „Der letzte große Wal“ stellt sich als ziemlicher Ohrwurm heraus. Auch wenn man den Sinn des Liedes nur erahnen kann. Aber das macht Tomte vermutlich auch aus. Gut ist was dir trotzdem ein gutes Gefühl gibt.
Das Klavier poltert herrlich los, wenn Thees die Frage „Wie siehts aus in Hamburg“ stellt. Mal wieder ein Blick in die Vergangenheit von Tomte und laut Frontmann „kein Diss-Lied“.
„Voran voran“ versucht sich durch seine eigene Zähigkeit zu kämpfen, scheitert aber. Das Stück klingt leider arg bemüht.
Zum Glück naht die Rettung in Form von „Küss mich wach, Gloria!“, welches definitv eines der Highlights auf dem Album ist. Fast schon banale Textzeilen wie „Ich lebte so lange am Fluss / Und ich lebte da sehr gern“ wechseln sich mit so eddingwürdigen Zeilen wie „Du nennst es Pathos und ich nenn es Leben“ ab. Der Mittelpunkt des Albums vermag es erstmals wirklich zu packen.
Dies wird dann bei „Es ist so, dass du fehlst“ auch beibehalten, wenn Uhlmann in höchster Stimmlage von Trennungsschmerz singt. Einer der verständlicheren Texte und auch angenehm zurückhaltend inszeniert.
„& ich wander“ verspielt die im Vorfeld aufgebauten Sympathien und versinkt in der eigenen Gleichförmigkeit. Schade.
Das Tempo wird mit „Du bringst die Stories (ich bring den Wein)“ auch wieder angezogen. Gut gelaunte Gitarren rahmen diese Geschichte um Freundschaft würdevoll ein. Allerdings haut einen das Ding auch nicht wirklich vom Hocker.
Schwermütige Klavierklänge leiten „Das Orchester spielt einen Walzer“ ein. Immer mehr Instrumente treten dem Reigen bei, bis Thees Uhlmann es nicht mehr länger aushalten kann und die Botschaft „Mein Gott, ist das Leben schön!“ in die Welt posaunt. Einfach nur göttlich.
Göttlich ist auch der Titel des Songs „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören“. Nicht nur ein langer Name sondern gleichzeitig eins der längsten Stücke von Tomte und mein Favorit auf Heureka. Eine zurückhaltende Einleitung wird im späteren Songverlauf von einem wahrhaft furiosen Finale in Grund und Boden getrampelt. Da hatte wohl der bekennende Oasis-Fan Uhlmann nicht nur einen Finger im Spiel.
Eine Verschnaufpause gibt es erst wieder nach „Dein Herz sei wild“, was die Platte mehr oder weniger abschließt. Tomte bleiben dem aufgenommenen Tempo treu und rocken nochmal ordentlich.
Als nette Dreingabe stellt sich „Voran voran II“ heraus, das ein wenig mehr Tempo und urtomtige Elemente als das Original zu bieten hat. Nett und hörbarer.

Nach der Zuckerwattewelt vom Vorgänger „Buchstaben über der Stadt“, der nicht nur einmal knapp an der Kitschgrenze vorbeischrammt ist, zeigen sich Tomte wieder ein wenig rauer. Wenn auch nicht wirklich spürbar. Vor drei Jahren war Uhlmann frisch verliebt und hat sein Glück in die Welt hinaus getragen. Das wurde auf der neuen Platte ein Stück zurückgeschraubt (Gott sei Dank, muss man sagen).
Der Klangkosmos ist weitestgehend unverändert geblieben. Nur das Klavier ist ein Stück weit präsenter.
Ein Fazit gestaltet sich recht schwierig bei einer Band wie Tomte, die ein Werk wie „Hinter all diesen Fenstern“ geschaffen haben. Man wird den Gedanken nicht los, dass Tomte ihren Zenit schon vor einiger Zeit überschritten haben. Klar enthalten auch die schlechteren Songs wieder Zitate und Wahrheiten die man an Wände schreiben möchte. Auch die ganze Komposition ist einmal mehr eine wärmende Decke für den Hörer, in der man sich geborgen fühlt.
Andererseits nutzen sich viele Songs auf Heureka erschreckend schnell ab. Die neue Scheibe ist letzten Endes leider nur Durchschnitt. Da retten auch die vereinzelten Perlen nichts mehr.

Tracklist:
01. Heureka
02. Wie ein Planet
03. Der letzte große Wal
04. Wie siehts aus in Hamburg
05. Voran voran
06. Küss mich wach, Gloria
07. Es ist so, dass du fehlst
08. & ich wander
09. Du bringst die Stories (ich bring den Wein)
10. Das Orchester spielt einen Walzer
11. Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören
12. Dein Herz sei wild
13. Voran voran II

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s