The Gaslight Anthem – The ’59 Sound

gaslightEs gibt sie noch. Diese magischen Momente wenn man Musik hört. Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich die ersten Songs der Arctic Monkeys gehört habe und wusste: „Das ist was ganz großes!“. Mit „The Gaslight Anthem“, vier Jungs aus New Jersey, verhält es sich genauso. Umso verwunderlicher ist es, dass ihr Erstlingswerk „Sink or Swim“ aus dem Jahre 2007 hierzulande kaum bekannt ist.

„The ’59 Sound“ präsentiert sich nach unzähligen Veröffentlichungen aus UK oder Skandinavien herrlich amerikanisch. Klangtechnisch wurde hier eine nahezu perfekte Mischung aus Rock, Pop und Punk gefunden, die sich sehr an Vorbildern des titelgebenden ’59 Sounds orientiert. Und so wird dem Zuhörer auch nur selten eine Verschnaufpause gegönnt. Das Gaspedal wird gleich zu Beginn voll durchgetreten.
Also angeschnallt für eine Autofahrt durch New Jersey und Umgebung. Frontmann Brian Fallon sitzt am Steuer, wir auf dem Beifahrersitz. Aus dem Radio schallen Ikonen wie Bruce Springsteen, Counting Crows, Miles Davis oder Tom Petty, die Fallon nur zu gern zitiert, als er mit uns an seinen Erinnerungen teilhaben lässt. Erinnerungen von unzähligen Mädchen und Momentaufnahmen. Hier und da drosselt er die Geschwindigkeit und zeigt aus dem Fenster, nur um uns eine andere Anekdote zu erzählen: Zum Beispiel als er dort drüben im Regen stand, über die elterliche Ratschläge nachdachte und sich schon selbst einen Krankenwagen rufen wollte (The Patient Ferris Wheel). Oder als wir an einem abgebrannten Diner vorbeikommen und er sich an seine gescheiterten Beziehung mit Mary erinnert (Great Expectations) . Brian Fallon erzählt uns von Sandy, Angry Johnny und Mary, als wir durch ein vornehmes Viertel fahren. Frühere Freunde von ihm, die erwachsen wurden, während er sich nicht von seiner Jugend trennen wollte (Even Cowgirls Get The Blues). Wir halten mitten in der Nacht auf einem leeren Parkplatz, unser Chauffeur atmet tief durch, stellt den lauten Motor ab. Was folgt ist ein stiller Abschied von Gayle, Jane und Anna – unerwiderten Lieben (Here’s Looking At You, Kid). Als wir aufwachen ist es schon helllichter Tag und wir stellen fest, dass wir nie wirklich unterwegs waren, sondern die ganze Zeit mit Brian Fallon auf dem Rücksitz eines ausgebrannten Wagens saßen, während er uns seine Geschichten erzählt hat (The Backseat). Er zuckt schmunzelnd mit den Schultern und blickt optimistisch in die Zukunft. In Erinnerungen schwelgen kann so schön sein.

„The ’59 Sound“ ist eine Sammlung von Ohrwürmern unter denen man gar keinen Favoriten ausmachen möchte, da jeder einzelne überzeugt. Sei es der hymnenartige Titeltrack, das lässige „Old White Lincoln“ oder „Casanova, Baby!“ mit seinem Refrain, der mit jeder verstrichenen Sekunde die Mundwinkel weiter nach oben zieht. Erstaunlich ist, dass jeder Song sofort zündet und den Hörer niemals dazu nötigt, die Skiptaste zu drücken. Die Texte kommen schnörkellos und authentisch daher und bilden durch ihren Inhalt einen gewissen Gegensatz zu dem spaßorientierten Gesamtsound. Man kann „The Gaslight Anthem“ eigentlich nur wünschen, dass ihnen mit „The ’59 Sound“ der wohlverdiente Durchbruch gelingt. Ganz großes Ohrenkino!

Tracklist:

01. Great Expectations
02. The ’59 Sound
03. Old White Lincoln
04. High Lonesome
05. Film Noir
06. Miles Davis & The Cool
07. The Patient Ferris Wheel
08. Casanova, Baby
09. Even Cowgirls Get The Blues
10. Meet Me By The River’s Edge
11. Here’s Looking At You, Kid
12. The Backseat

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