Southside 2009

Was für ein Wochenende! Was für eine musikalische Vielfalt! Was für ein Mistwetter! Denn das machte sogar dem ewig schlechten Rock am Ring Wetter Konkurrenz. Dabei sah es früh um 4 in Cottbus noch so vielversprechend aus. Doch je näher man im Laufe der neunstündigen Zugfahrt dem Zielort Neuhausen ob Eck kam, desto grauer wurde der Himmel. Aber es sollte ja in erster Linie um Musik gehen und nicht um Sonnenbaden und als Festivalbesucher ist eine gewisse Wetterresistenz ohnehin angebracht.

Freitag

Los ging es mit den Fleet Foxes. Ich muss zugeben, dass ich den ganzen Aufruhr um die Kombo nicht verstehen konnte. Was ich bisher so gehört hatte, hat mich nicht wirklich umgehauen. Live ist das ja immer eine etwas andere Geschichte. Und ja, ich wurde bekehrt. Wirklich schöner, herrlich traditioneller Folk. Irgendwie hatte man das Gefühl dass es trotz Regen und kühlem Wind etwas wärmer wurde als die Fleet Foxes auftraten. Das nennt man dann wohl Magie.
Ähnlich voreingenommen war ich mir dann auch mal Clueso angeschaut. Und verdammt, ich wurde schon wieder bekehrt! Schöne Performance und toller Kontakt zum Publikum. Als dann noch zu „Gewinner“ die Sonne rauskam, gabs einen Extrajubel der Festivalmeute. Hui, Gänsehaut! Definitv einer der besten Momente auf dem Southside 09 für mich. Nach Clueso gabs dann erstmal ein kurzes Päuschen um etwas Nahrung und Flüssigkeit zu tanken.
Dank des Spielplans (ich habe ihn geliebt!) war bei Ben Harper And Relentless7 dessen Auftritt sich mit den Ärzten überschnitten hat, erwartungsgemäß wenig los. Die Entscheidung sich mal Ben Harper anzuhören war im Nachhinein betrachtet die richtige. Laut Zeugenaussagen war wohl der Auftritt der Ärzte ziemlich lasch. Pech für die anderen, gut für mich. Ben Harper kannte ich bis hierhin noch nicht und wurde angenehm überrascht. Ziemlich druckvoller Rock und ein Drummer der wohl so einige Sticks während eines Auftritts verschleißt. Frontmann Harper war zu Anfang ziemlich wortkarg und taute erst gegen Ende des Auftritts so richtig auf. Inzwischen wurde das Wetter immer schlechter, sprich nasser und kälter. Egal, nach Ben Harper stand für mich nur noch Nick Cave And The Bad Seeds auf dem Programm. Die 90-minütige Wartezeit im Regen und am kalten Gitter in der ersten Reihe haben sich letztendlich gelohnt. Der Auftritt war bis zu diesem Punkt mein persönliches Highlight. Nick Cave (mal ohne Schnauzer) ist wie ein wilder Derwisch über die Bühne gewirbelt und hat damit nicht nur einmal den Mikrofonständer zum Umfallen gebracht. Zwar fiel während der Show ein Teil des Equipments aus, was aber keinen weiter gestört hat. Die Festivalmeute hat’s durch ihre Mitsingfähigkeiten dann noch gerichtet. Durchgefroren, nass und glücklich ging es dann auch ziemlich flott in den minimal gepolsterten Schlafsack.

Samstag

Der Samstag begann, Überraschung, mit strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. Dass das Glück aber nur gut 2 Stunden hielt, wird hier mal nur kurz erwähnt. Der Samstag versprach laut Spielplan spannend zu werden. Zum Aufwärmen ging es erstmal zu Johnossi. Sehr beeindruckend was zwei Leute mit simpler Instrumentalisierung anrichten können. Zum Beispiel hunderte Leute so früh am Tag zum Hüpfen bringen. Die Musik der beiden Schweden hat es mir ohnehin angetan. Dass diese live noch besser funktioniert konnte mir also nur recht sein. Nach einer halben Stunde Umbaupause enterten auch schon The Gaslight Anthem die Bühne. Hier war ich besonders gespannt ob sie die Energie aus Auftritten in kleinen Clubs auch auf großen Festivalbühnen rüberbringen können. Was soll man sagen? Experiment gelungen. Wirklich großartiger Auftritt, eine ausrastende Menge und eine glänzend aufgelegte Band. Als der Regen dann während des Auftritts einsetzte, war das eine willkommene Abkühlung. Über ein paar mehr Songs vom ersten Album hätte ich mich trotzdem gefreut.
Danach wurde noch ein wenig bei The Sounds zugeschaut. Da gibt es vor allem optisch Pluspunkte, während die Musik nur okay war. Aber gut, mangels Alternativen kann man das schon mal machen. Nach einer weiteren Fress- und Trinkpause wollte ich mir dann auf keinen Fall die Editors entgehen lassen. Dank einer langen Schlange kam ich leider nicht mehr in den vorderen Bühnenbereich. Machte aber nichts, da ich ja ohnehin noch zu den Eagles Of Death Metal wollte. Die Editors selber legten für meine Begriffe einen wirklich sauberen und würdevollen Auftritt hin. Sollte sich da konzerttechnisch mal eine Gelegenheit bieten werde ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen. Wie erwähnt musste ich meinen Besuch bei den Editors vorzeitig beenden um noch einen guten Platz bei den Eagles zu erwischen. Die Taktik ging auf. Jesse Hughes und Konsorten waren wie immer bestens aufgelegt. Das obligatorische Kämmen des Schnurrbarts fehlte genauso wenig wie das allseits beliebte „Cherry Cola“. Und inmitten des Gedränges kam mir dann schwitzend der Gedanke, dass ich mit 5 Kleiderschichten am Leib etwas overdressed war. Zur Überbrückung bis Nine Inch Nails wurde dann noch ein wenig über das Festivalgelände, soll heißen Richtung Franz Ferdinand geschlendert. Objektiv betrachtet war deren Auftritt besser als der der Eagles of Death Metal. Verflixt. War jedenfalls schon beeindruckend wie die Menschenmenge vor der Bühne einfach kein Ende nahm und selbst die hintersten Reihen bei ‚This Fire’ noch mitsangen und -sprangen haben. Entertainment at it’s best.
Da immer noch Zeit bis zum Auftritt der Nine Inch Nails war, habe ich mir dann doch noch etwas von den Kings Of Leon angeschaut. Was soll ich sagen? Die Jungs haben einen ziemlich gelangweilten Eindruck gemacht. Schwer zu sagen ob die im Verlauf ihres Auftritts noch etwas mehr aus sich herausgekommen sind, denn ich musste mal wieder die Bühne wechseln: Nine Inch Nails standen an.
Die Lichtkonstruktion auf der Bühne ließ schon mal auf Großes schließen. Als während des Auftritts nach und nach Teile der Beleuchtung den Geist aufgeben haben, hatte ich eigentlich schon damit gerechnet dass Trent Reznor angepisst die Bühne verlässt (wäre ja nicht das erste Mal). Aber Pustekuchen, Mr. Reznor war für ein Festival geradezu handzahm. Für den Auftritt selber fehlen mir irgendwie immer noch die Worte. Meine Erwartungen wurden übertroffen und ‚Hurt’ live zu sehen war schlicht ergreifend. Nach dem Konzert ging es wie schon am Freitag klitschnass und unterkühlt zügig in den Schlafsack.

Sonntag

Der Sonntag hielt für mich wenig bekannte Bands bereit. Ärgerlicherweise war meine Stimme über Nacht verschwunden. Ich verdächtige ja immer noch dass The Gaslight Anthem und Nine Inch Nails da ihre Finger im Spiel hatten. Nichtsdestotrotz freute ich mich auf das Wiedersehen mit Frank Turner auf der Red Stage im kuscheligen Zelt. Selbiger spielte dann vor geschätzten hundert Leuten. Sehr angenehm nach den beiden Vortagen. Wie schon der Auftritt im Februar als Vorband im Berliner Kato hat mich Frank Turner auch dieses mal überzeugt. Ein paar brandneue Sachen wurden auch gespielt die Lust auf das neue Album machen, was wohl noch diesen Herbst erscheinen soll. Ich bin gespannt. Danach wurden noch ein wenig die Glieder bei The Ting Tings geschüttelt, bevor ich mich erneut zur Red Stage verkrümelt habe um mich von Joshua Radin verzaubern zu lassen. Toller Singer-Songwriter. Unbedingt mal reinhören. Lykke Li war für mich dann eine ziemliche Enttäuschung. ‚A Little Bit’ kannte ich schon vorher und fand die Nummer auch recht gut. Der Rest war dann aber weniger überzeugend bis grauenhaft. Etwas seltsam die Frau wenn ihr mich fragt. Die Red Stage wurde dann erst wieder besucht um sich schon mal einen guten Platz für Tomte zu sichern. Blöderweise war das Timing nicht das beste. Das soll nicht heißen, dass es keine Plätze mehr für Tomte gab. Nein, vielmehr spielten vorher Get Well Soon, die mir auf Anhieb gut gefallen haben, von denen ich aber leider nur das Ende mitbekommen habe. Tomte selber legten einen soliden Auftritt hin. Ich bin ja der Meinung, dass Tomtekonzerte ohne Uhlmanns Gequatsche automatisch an Qualität verlieren. Zum Glück hat Herr Uhlmann auch an diesem Abend sein Mundwerk benutzt um die ein oder andere amüsante Anekdote loszulassen.

Alles in allem bin ich hochzufrieden mit dem Southside 2009. Für das Wetter kann keiner was und auch wenn ich mir eine hartnäckige Erkältung eingefangen habe, war es das auf alle Fälle wert. Bei den einzelnen Auftritten waren für mich persönlich zu 90% Tops und nur 10% Flops dabei. Schönes Ding übrigens: Crowd Surfen war nicht erlaubt. Fazit: Tolles, abwechslungsreiches Lineup, angenehme Leute, scheiß Wetter. Gerne wieder!

Clueso – Gewinner

Franz Ferdinand – This Fire

Fotos, Fotos, Fotos!

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