Peter Doherty – Grace/Wastelands

dohertyMit den Medien ist das ja so eine Sache. Da wird man schnell mal in eine Schublade gesteckt aus der man nur schwer rauskommt. So auch im Falle von Peter Doherty der scheinbar nur durch Drogenexzesse und geschwänzte Gerichtstermine von sich Reden macht. Dass der Vorzeige-Dandy des britischen Königreichs auch gehaltvolle Musik machen kann wissen wir spätestens seit den „Libertines“ und „Babyshambles“. Nun gesellt sich zu der bisherigen Diskografie auch noch das Soloalbum „Grace/Wastelands“.

Den Einstieg bildet das unbekümmert umhertänzelnde „Arcadie“. Nicht sonderlich spektakulär als Opener. Trotzdem vermittelt es einen guten Vorgeschmack auf den Stil der kommenden Stücke. Die Singleauskopplung „Last Of The English Roses“ atmet wiederum den Geist von Damon Albarns Gorillaz. Allerdings geht man hier zurückhaltender ans Werk. Diese Feststellung lässt sich übrigens auf das komplette Album ausweiten: Selten gibt es musikalische Ausbrüche, die den Hörer überraschen. Alles bleibt gesetzt und zurückhaltend inszeniert. Zusätzlich dazu beschwört Peter Doherty die Geister vergangener Zeiten. Mitunter glaubt man sich in die 20er und 30er Jahre zurückversetzt. Ein gutes Beispiel dafür ist das jazzige „Sweet By and By“, das eine angenehme Abwechslung zu der Masse an reinen Akustikstücken bietet. „Palace Of Bone“ ist einer jener erwähnten Ausbrüche. Das schlägt sich in erster Linie in Dohertys Stimme nieder, doch auch der Improvisationspart am Ende weiß zu überraschen.

Doch damit nicht genug. Der Folgesong „Sheepskin Tearaway“ kann ohne Umschweife als einer der Anspieltipps auf dem Album bezeichnet werden. Dot Allison bildet in diesem gehauchten Duett den Gegenpart zu Peter Doherty, dessen brüchige Stimme ihn hier besonders verletzlich erscheinen lässt.

Die Texte sind durchweg lesenswert, sind doch in fast jedem mehr oder weniger offensichtliche, literarische Querverweise versteckt. Daneben findet sich freilich auch autobiografisches Material. So behandelt der „Broken Love Song“ Dohertys Befindlichkeit während seiner nicht wenigen Gefängnisaufenthalte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man es hier mit einem „guten“ Stück Musik zu tun hat, welches ein vollkommen anderes Bild von Skandalnudel Doherty zeichnet. Verletzlich, verträumt und zurückhaltend sind wohl die Worte, die das Album am besten beschreiben. Manchem mag die mangelnde Abwechslung fehlen, dem anderen stößt der teils vernuschelte Gesang übel auf. Und wieder einige werden vermutlich gar keine Meinung zu dem Thema haben, sondern nur auf den nächsten Skandal des Peter Doherty warten.

Tracklist:
01. Arcadie
02. Last Of The English Roses
03. 1939 Returning
04. A Little Death Around The Eyes
05. Salome
06. I Am The Rain
07. Sweet By And By
08. Palace Of Bone
09. Sheepskin Tearaway
10. Broken Love Song
11. New Love Grows On Trees
12. Lady, Don’t Fall Backwards

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