Gisbert zu Knyphausen – Gisbert zu Knyphausen

KnyphausenVor kurzem noch als Support Act für Kettcar gesehen und heute dreht er schon seine Runden in meiner Stereoanlage: Gisbert zu Knyphausen. Ein Mann mit einer ganzen Menge Geschichten im Gepäck. Geschichten wie sie das Leben kaum besser schreiben könnte.

Die Reise beginnt mit einer Silvesternacht in Berlin. Hier und da blitzen Pianotöne durch die melancholische Instrumentalisierung. Gegen Ende kippt die Stimmung, der Song nimmt Fahrt auf und entlässt uns in das treibende „Erwischt“. Hier nach gibt es erstmal eine Verschnaufpause: „Wer kann sich schon entscheiden“. Spätestens hier zeigt sich, dass Knyphausen es versteht wunderbare Texte zu formulieren. Begleitet von einer einsamen Akustikgitarre besingt er die ewige Suche nach dem große Glück und trifft dabei genau den Nerv des Hörers.. Es folgt die Quasifortsetzung „Der Blick in deinen Augen“. Ein Liebeslied mit hohem Wohlfühlfaktor.
„Flugangst“ wartet mit vielen wundervollen Bildern auf den Hörer und beschreibt die allgegenwärtigen Unsicherheit. Doch Knyphausen besiegt sie letzten Endes: „Statt Haaren wachsen mir wundervolle Flausen aus dem Kopf“. Schlichtweg großartig.
Dann: „Spieglein, Spieglein“, mein persönlicher Höhepunkt dieser Platte. Nur von einer zurückhaltenden Gitarre begleitet wird hier eine musikalische Ohrfeige an all jene verteilt, die sich in Selbstmitleid ertränken. Gewürzt mit einem Text wie er ehrlicher und treffender nicht sein könnte.
Doch es gibt Hoffnung: „Aus dem Staub deiner Trümmer wird die Zukunft geboren“, singt er in dem sich immer weiter auftürmenden „Herzlichen Glückwunsch“, dem siebten Track des Albums.
Das lässig groovende „Gute Nachrichten“ peitscht sich selbst in ein mitreißendes Finale. Und einmal mehr wird klar: Dem Mann nimmt man einfach jedes Wort ohne zu zögern ab.
Zart umspielt die „Kleine Ballade“ das Ohr des Hörers und zaubert zugleich ein Lächeln auf dessen Gesicht. Es sind Perlen wie dieses Lied, die die Platte strahlen lassen.
Und auch weiterhin heißt es ‚Nur nicht aufgeben‘ als „Sommertag“ ertönt. Rockig, euphorisch und leider viel zu schnell vorbei. Das Hochgefühl versackt, als das schwermütige „So seltsam durch die Nacht“ aus den Lautsprechern erklingt. Schwermut mit Stil, versteht sich.
Zum Schluss die augenzwinkernde Aufforderung: „Verschwende deine Zeit“. Mit dieser charmanten Akustiknummer entlässt uns Knyphausen aus seiner Gedankenwelt.

Was bleibt also zum Schluss? Gisbert zu Knyphausens Musik ist zu allererst durch Melancholie geprägt. Doch stets schimmert die Hoffnung unter dieser Schale hervor. Niederlage als Chance. Gepaart mit charmant-authentischen Texten zum Niederknien ergibt sich ein Album, das mächtig Eindruck schindet.

„Ich singe meine Lieder, […] sie sind meine Art mich vor dem Leben zu verneigen.“ Bitte nicht aufhören!

Tracklist:
1. Neues Jahr
2. Erwischt
3. Wer kann sich schon entscheiden
4. Der Blick in deinen Augen
5. Flugangst
6. Spieglein, Spieglein
7. Herzlichen Glückwunsch
8. Gute Nachrichten
9. Kleine Ballade
10. Sommertag
11. So seltsam durch die Nacht
12. Verschwende deine Zeit (Gisberts Blues Nr. 135)

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