Frank Turner – Love Ire & Song

Frank_TurnerWenn man das erste Mal mit Frank Turner in Kontakt kommt mag man sich denken: „Wieder so ein Singer-/Songwriter mit Folkeinschlag.“ Das bringt es eigentlich auf den Punkt. Aber was genau ist jetzt so besonders an dem schlaksigen Kerl mit Kraushaar und dem nicht zu überhörenden englischen Akzent? Versuchen wir das mal anhand des aktuellen Albums „Love Ire & Song“ rauszufinden.

In dessen Verlauf beglückt Turner den Hörer mit 12 Episoden aus seinem Leben. Und die haben es in sich. Freilich werden auch die üblichen Themen wie die Suche nach der großen Liebe oder gescheiterte Beziehungen abgearbeitet. Gleichzeitig ist sich Turner aber nicht zu schade auch mal von einem feuchtfröhlichen Abend in einem kleinen Bistro zu erzählen. Der Titelsong „Love Ire & Song“ gibt sich wiederum sehr revolutionär. Turner singt mit solcher Insbrunst von seinem Umsturz für einen Tag, dass man ihn förmlich vor sich sieht, wie er nur mit Gitarre bewaffnet auf die Barrikaden geht. Für „To Take You Home“ schlüpft er dann in das Kostüm eines Bänkelsängers und präsentiert ein modernes Märchen in mittelalterlichem Gewand.

Wie sich das für Folk gehört übernimmt die Gitarre die Hauptarbeit. Trotzdem werden hier und da andere Instrumente eingestreut und verleihen so jedem Song einen charakteristischen Sound. Mal blitzt eine Mundharmonika durch (Reasons Not To Be An Idiot), ein anderes Mal bringen E-Gitarren das Folkgerüst ins Wanken (Imperfect Tense). Fideln scheinen es Mr. Turner besonders angetan zu haben, kommen diese doch gleich in mehreren Songs zum Einsatz. Beim Schlusstitel „Jet Lag“ gibt es dann noch mal eine handfeste Überraschung. Eine waschechte Pianoballade, mit der eigentlich niemand mehr nach dieser Sammlung aus flotten Folknummern und Singalongs gerechnet hätte.

Was macht Frank Turner jetzt so besonders? Vielleicht ist es seine Fähigkeit leicht verständliche Texte zu schreiben, die aber trotzdem mit Unmengen an eddingwürdigen Zitaten angereichert sind. Etwa wenn das Leben in einem simplen Satz wie „Life is about love, last minutes and lost evenings“ zusammengefasst wird. Oder die clevere Selbstbeschreibung „If music was the food of love, then I’d be a fat, romantic slob“ aus Substitute.

Zugegeben, das alles können sicher auch andere Folksänger. Ist Turner also doch nur einer von vielen? Vielleicht. Aber gerade wegen diesem ‚vielleicht’ lohnt sich ein Reinhören allemal, auch wenn sich ab und an ein kleiner Hänger in den Albumverlauf einschleicht. Wer auch nur im Geringsten etwas für folkige Singer-/Songwriter mit Kraushaar übrig hat, dem sei die Scheibe wärmstens ans Herz gelegt.

PS: Für alle Nichtkonzertgänger und/oder Importverweigerer erscheint das Album am 20.07.2009.

Tracklist:
01. I Knew Prufrock Before He Got Famous
02. Reasons Not To Be An Idiot
03. Photosynthesis
04. Substitute
05. Better Half
06. Love Ire & Song
07. Imperfect Tense
08. To Take You Home
09. Long Live The Queen
10. A Love Worth Keeping
11. St Christopher Is Coming Home
12. Jet Lag

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