Dredg – The Pariah, The Parrot, The Delusion

dredg4Dredg. Das sind fünf Buchstaben für Perfektion und vertrackte Songstrukturen. Zugegeben, auf dem dritten Album ‚Catch Without Arms’ wurde die Tüftelei zugunsten der Eingängigkeit zurückgeschraubt. Der Neuzugang in der Diskographie von Dredg scheint seinen Vorgänger dahingehend noch überflügeln zu wollen. Anders lässt sich der MTV-Hype und Heavy Rotation der Vorabsingle „Information“ kaum erklären. Sind Dredg nun also auch zu einem Produkt des Mainstreams mutiert? Das neue Album gibt die Antwort auf diese Frage.

Wie schon bei den Vorgängern haben sich Dredg für „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ grob einem Konzept unterworfen, um das sich das Gros der Stücke dreht. Das Album ist als Brief an den frischen, siebenmilliardensten Erdenbürger zu verstehen. Inspiriert wurde das Thema durch den Essay „Letter To The 6 Billionth Person“ von Salman Rushdie. Rushdie hinterfragt darin Religion und Glauben an sich, womit der inhaltliche Rahmen von „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ auch schon geschaffen wäre.

Ein Kinderchor und Piano leiten den ersten Song „Pariah“, der eigentlich ein Wolf im Schafspelz ist. „Pariah“ klingt als ob er ein Song nach Schema F wäre, ist es aber nicht. Wer genauer hinhört erkennt die Spielereien die so typisch für Dredg sind. Wenn man bedenkt dass sich der Text um einen Selbstmordattentäter dreht, bleibt einem erstmal ein kleiner Kloß im Hals stecken, der aber definitiv Lust auf mehr macht.
„Drunk Slide“ ist ein waschechtes Instrumentalstück, von denen sich insgesamt vier auf dem Album tummeln. Während dieser Stücke zeigen Dredg besonders eindrucksvoll was musikalisch in ihnen steckt, allen voran Drummer Dino Campanella.
Neben den normalen Songs und Instrumentals gibt es auf „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ einen weiteren Songtypus: Die „Stamps of Origin“, mit denen der eingangs erwähnte Brief bestückt wird. Man kann getrost behaupten dass die Stamps das sind was die Movements oder Brushstrokes auf früheren Alben von Dredg waren: Atmosphärische Zwischenspiele die nicht wirklich essentiell sind aber Abwechslung in den Verlauf des Albums bringen. Dass das im Grunde auch ohne die Stamps Of Origin zu bewältigen ist, zeigen die folgenden Songs. „Gathering Pebbles“ pendelt zwischen gitarrenlastigem Gewitter und Schönwetterfront während des herrlichen Refrains hin und her. Das verführerisch-verheißungsvolle „Information“ bekommt durch die zwei Minuten längere Albumversion eine ganz neue Bedeutung und ist ganz sicher kein Lovesong wie man aufgrund der Radioversion vermuten könnte. „Saviour“ walzt überraschend nach einem weiteren „Stamp Of Origin“ über den Hörer hinweg und ist mit seiner Mischung aus harten Gitarren und verschwurbelter Elektrosounds die kräftigste Nummer des Albums und dabei wunderbar eingängig. Elektronisch geht es auch im durch eine Computerstimme unterstützten „R U O K“ weiter, bevor mit „I Don’t Know“ der vorläufige Höhepunkt des Albums eingeleitet wird:
Während Sänger Hayes über die existenzielle Fragen des Woher und Wohin philosophiert, wird von Bass, Gitarre und Schlagzeug ein wahres Dredg-Feuerwerk abgefackelt. Spätestens hier, wenn besagte Instrumente eine perfekte Symbiose eingehen, weiß man wieder was den Sound von Dredg ausmacht. „Long Days And Vague Clues“ erinnert mit seinem kalkulierten Chaos an Künstler wie „DAAU“. „Quotes“ sorgt für Gänsehautmomente wenn der Song im Refrain abhebt und sich in ganz andere Sphären begibt. Den Abschluss des Albums bildet „Stamp Of Origin: Horizon“ der noch einmal etliche Textfetzen der vergangenen 60 Minuten enthält. Bringen wir den Brief also mal zum Briefkasten.

Mit ihrem vierten Album platzieren sich Dredg im Grunde genommen zwischen dem perfekten „El Cielo“ und dem eingängigen „Catch Without Arms“. „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ bildet somit die Quintessenz aus den beiden direkten Vorgängern. Dredg wollen sich auch auf ihrem vierten Album nicht in eine der Schubladen Prog, Alternative und Pop pressen lassen. Gegen die neue alte Eingängigkeit lässt sich im Grunde nichts einwenden, immerhin wird sie der Band zur längst überfälligen Bekanntheit verhelfen. Und das führt zu dem nächsten Punkt der an der neuen Platte so fasziniert. Neue Fans und alte Hasen werden gleichermaßen ihre Freude daran haben. Sicher, die Songs sind beim ersten Hören teilweise ziemlich poppig gehalten und graben sich in die Gehörgänge. Bei allen weiteren aufmerksamen Durchgängen wird jedoch klar, dass Dredg hier ein ganzes Rudel von Wölfen in Schafspelzen geschaffen haben. Und das ist es auch was einige altgediente Fans im ersten Moment abschrecken wird. Dredg wickeln ihre Edelpralinen nicht mehr in Goldfolie ein sondern benutzen eine schnöde Alpinaverpackung. Erst wenn man sich auf das Konzept des Albums einlässt und die Texte dahingehend interpretiert kommt der wahre Dredg-Spaß auf.

Tracklist:
01. Pariah
02. Drunk Slides
03. Ireland
04. Stamp Of Origin: Pessimistic
05. Lightswitch
06. Gathering Pebbles
07. Information
08. Stamp Of Origin: Ocean Meets Bay
09. Saviour
10. R U O K
11. I Don’t Know
12. Mourning This Morning
13. Stamp Of Origin: Take A Look Around
14. Long Days And Vague Clues
15. Cartoon Showroom
16. Quotes
17. Down To The Cellar
18. Stamp Of Origin: Horizon

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