Calexico – Carried To Dust

calexic3Zwei Jahre ist es her seit Calexico ihre Fangemeinde mit „Garden Ruin“ gespalten haben. Zu gefällig, zu poppig, zu uncalexico hieß es damals. Wie geht die Reise also weiter?
Auffällig an der aktuellen Scheibe ist, dass das Artwork wieder in die verantwortungsvollen Hände von Victor Gastelum gegeben wurde: Endlich wieder Spraypaint! Doch zum Album selber:

„Victor Jara’s Hands“ kommt trotz politischem Hintergrund durchaus beschwingt daher und zwingt förmlich dazu das ein oder andere Körperteil zu bewegen. Der Song kann getrost als Quintessenz des Calexico-Sounds bezeichnet werden: Mariachi-Klänge, Joey Burns‘ markante Stimme, John Convertinos ausgefeiltes Drumming und diese Grundstimmung, die den Hörer ständig zwischen Melancholie und Heiterkeit hin und her schubst. Ein gelungener Opener.
„Two Silver Trees“ sorgt für eine kleine Überraschung, als sich asiatische Klangelemente in den gewohnten Klangkosmos schleichen. Trotz oder gerade deswegen kommt das Stück mit einer wunderbaren Eingängigkeit daher, die fast schon an Pop grenzt.
„Writer’s Minor Holiday“ macht den Eindruck, als als hätte es Calexico plötzlich in die Tiefen der nordamerikanischen Wälder verschlagen. In die Wüste passt der Sound nur schwerlich. Das ist freilich kein Beinbruch, denn der Titel stellt erneut eine nette Abwechslung zum gewohnten Klangbild dar.
In „Man Made Lake“ besingt Burns die unnatürliche Natürlichkeit moderner Vorstädte. Eingerahmt wird die gegen Ende immer rockigere Nummer durch ein unaufdringliches Glockenspiel.
„Inspiración“ gibt dem Hörer erstmals wieder echten Wüstensand zu schmecken. Das komplett auf Spanisch vorgetragene Stück klingt als würde es aus den Lautsprechern eines alten Radios in einem verstaubten Hinterhof erschallen. Für den Gesang sorgen hier Gitarrist Jacob Valenzuela und Gastsängerin Amparo Sanchez. Definitiv eines der Highlights.
So langsam könnte man meinen, dass sich Calexico während der ersten Albumhälfte auf eine kleinen Weltreise begeben haben, um mit allerlei verschiedenen Klängen zu experimentieren. Nur um jetzt in ihre musikalische Heimat, das mexikanisch-amerikanische Grenzland, zurückzukehren.
Denn „House of Valparaiso“ greift die klassischen Calexico-Themen auf und kommt herrlich melancholisch daher.
Es schließt sich das verträumte Country-Duett „Slowness“ an. Gaststar Pieta Brown veredelt dieses Lied mit ihrer Stimme und ergänzt gleichzeitig die von Joey Burns auf wunderbare Art und Weise.
„El Gatillo (Trigger Revived)“ brennt dann ein wahres Feuerwerk ab: Mariachi-Sound und das grandiose Drumming eines John Convertino machen dieses Instrumental zu einem weiteren Highlight auf der Scheibe. Hier wird einfach alles richtig gemacht und wer jetzt noch ruhig sitzen bleibt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.
„Red Blooms“ nimmt uns mit auf einen Kurztrip in den russischen Winter, ehe das Album im vorsichtigen „Contention City“ seinen Abschluss findet.

Calexico haben sich mit ihrem neuen Werk wieder ihren Wurzeln angenähert. Allerdings merkt man der Band an, dass sie auch gern mal einen Blick über den Tellerrand der Tex Mex- und Mariachi-Welt wagt. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen und weiß mit einigen Highlights und interessanten Gastmusikern aufzuwarten. Sicher ist das Album jetzt nicht die übergroße Offenbarung, doch nach der „Garden Ruin“ ist es beruhigend zu sehen, dass Calexico doch immer noch Calexico sind. Alles in allem eine Platte, die wie für den ausklingenden Sommer gemacht ist.

Tracklist:
1. Victor Jara’s Hand
2. Two Silver Trees
3. The News About William
4. Sarabande In Pencil Form
5. Writer’s Minor Holiday
6. Man Made Lake
7. Inspiración
8. House Of Valparaiso
9. Slowness
10. Bend To The Road
11. El Gatillo (Trigger Revisited)
12 Fractured Air (Tornado Watch)
13. Falling From Sleeves
14. Red Blooms
15. Contention City

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