Bloc Party – Intimacy

blocpar4Es gibt Bands die einfach ihr gewohntes Rezept immer wieder aufkochen ohne viel daran zu ändern. Dann gibt es da noch Bands wie Bloc Party die scheinbar nicht stillstehen können. Nach „A Weekend in the City“ gab es ja bekanntermaßen mittelgroße Aufschreie bei jedem Lebenszeichen der Band. Und nicht einmal unbedingt Aufschreie der Begeisterung. Ja, ich gebe zu, dass ich bis heute nicht mit „Flux“ warm geworden bin. Und auch bei Mercury hat man sich gefragt ob ein Teil des Bloc Party Ensembles plötzlich arbeitslos geworden ist. Alles aber nur halb so schlimm, wenn man sich das neueste Werk „Intimacy“ zu Gemüte führt, was mit einer mythologisch angehauchten Tracklist daherkommt.

Der Einstieg in das dritte Werk der Briten ist dann wohl auch der brachialste in der gesamten Bandgeschichte. Das Trio „Ares“/“Mercury“/“Halo“ sagt hallo!
„Ares“ macht dann auch gleich klar wie der neue Weg der Briten zu verstehen ist: Wenn Kele Okereke zu sirenenartigen Gitarren Textzeilen wie „Get out the way or get fucked up“ raushaut muss man einfach schmunzeln.
An „Mercury“ dürfte man sich mittlerweile auch gewöhnt haben. Eine experimentelle, abgedrehte und auch seltsam verstörende Beathölle, die Bloc Party da geschaffen haben.
„Halo“ könnte man von den bisher dargebotenen Titeln noch am ehesten auf einem der früheren Alben unterbringen. Auch wenn die Puste merklich schwindet, ist „Halo“ dennoch ein echtes Brett.
Selbst nach langwierigem Googlen ist mir noch nicht vollends klar was „Biko“ nun letztendlich bedeutet. Ein südafrikanischer Menschenrechtler oder Kokosnusskuchen. Egal! Das Stück stellt auf alle Fälle eine angenehme Pause zum Luftholen nach dem ganzen Rockgewusel dar. Eingespielte Sprachsamples und zurückgenommene Gitarrenklänge sorgen für die Grundzutaten.
Mit der Ruhe ist es aber erstmal vorbei wenn das „Trojan Horse“ reingelassen wird. Eigentlich haben sich, laut Überlieferung, griechische Soldaten in dessen Bauch verschanzt. Bloc Party pfeifen darauf und verstecken darin lieber eine Handvoll abgefahrener Gitarren, die eher nach einem wilden Bienenschwarm klingen.
„Kling Klang“ möchte man denken wenn man die ersten Takte von „Signs“ hört. Hier hat man sich mal der Mutter aller Rockinstrumente bedient: Dem Glockenspiel. Oder so ähnlich. Naja jedenfalls wird Signs von einem Glockenspiel dominiert. Das mag jetzt alles ziemlich krampfhaft klingen, aber mehr gibt es zu dem Stück einfach nicht zu sagen, stellt es doch auch den ersten echten Schwachpunkt auf „Intimacy“ dar.
„One Month Off“ schlägt sich da auch nicht wirklich besser. Erzwungene Rockausbrüche, Loops und ein überaus nerviger Refrain bringen mich immer wieder dazu die Skiptaste zu malträtieren.
Weiter im Text: „Zephyrus“ weht einem um die Nase. Wie jetzt? Keine Gitarren? Drumcomputer statt klassischem Schlagwerk? Moment! Ja das ist immer noch Bloc Party. Kele Okereke wird hier von einem Chor unterstützt. Von der Instrumentalisierung her haben wir es sicher mit dem sparsamsten Stück zu tun. Umso genialer ist es, dass dieses Experiment absolut aufgeht.
Die zweite Single „Talons“ dürfte den meisten ja bereits aus Funk und Fernsehen bekannt sein. Auch hier hat man wieder zum Glockenspiel gegriffen. Glücklicherweise sparsamer als bei „Signs“. Dabei kommt ein Track heraus, der das Zeug zu einem waschechten Klassiker hat.
„Better Than Heaven“ ist dann wieder ein Phänomen für sich. Es erinnert mich stellenweise an „One Month Off“ – mit dem Untertschied, dass es mir weitaus besser gefällt. Vermutlich liegt es an meiner Affinität für aufgeladene Finale. Herrlich wie sich die ganze aufgestaute Energie effektvoll entlädt.
Das Keyboard wird geradezu gequält wenn „Ion Square“ beginnt. Auch hier greift man wieder tief in die Kiste der Soundspielereien. Das ganze kommt ziemlich poppig daher und erinnert in seiner Gesamtheit an einen Leierkasten. Wenn man mal davon absieht, dass über die Dauer des Stücks immer mehr Soundeffekte hinzu kommen, tut sich hier einfach gar nichts.

ie limitierte Ausgabe des Albums enthält noch die beiden Bonustracks „Letter To My Son“ und „Your Visits Are Getting Shorter“. Für mich ist es unverständlich warum es die beiden nicht auf die reguläre Version geschafft haben. Da hätte man ruhig die ein oder andere Niete austauschen können. Naja, sei es drum.

Wo bleibt jetzt in all diesem elektronischen Wahnsinn aber die versprochene „Intimacy“? Nachdem man sich auf „A Weekend In The City“ mitunter der politischen Schiene zugewandt hat, zieht man sich wieder zurück und beobachtet das Innere und Miteinander der Menschen. Die Unfähigkeit für Neuanfänge, zerbrechende Beziehungen, pure Dankbarkeit, Trauer und vieles mehr. Das alles findet man auch durchaus authentisch präsentiert auf „Intimacy“.

Letztendlich muss man Bloc Party zu ihrem Mut gratulieren. Es wäre ein leichtes gewesen das Rezept von „Silent Alarm“ immer wieder zu benutzen. Hat man aber glücklicherweise nicht und allen Unkenrufen zum Trotz sein Ding durchgezogen. Klar, der ein oder andere wird nach wie vor Stücke wie „Mercury“ hassen. Der Rest freut sich über die Expermientierfreudigkeit der vier Briten. Zumal ja auch nicht allzu viel anders ist. Matt Tong wirbelt gewohnt virtous durch sein Drumkit und auch die typischen Bloc Partyschen Gitarren erklingen hier und da.
Zwar haben es die Mannen um Kele immer noch nicht geschafft ein Album zu basteln, was man sich ohne skippen anhören kann, aber alles in allem muss man sagen: Experiment gelungen!

Tracklist:

01. Ares
02. Mercury
03. Halo
04. Biko
05. Trojan Horse
06. Signs
07. One Month Off
08. Zephyrus
09. Talons
10. Better Than Heaven
11. Ion Square

nur limitierte Edition:
12. Letter To My Son
13. Your Visits Are Getting Shorter

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