Dustforce

Wochenenden sind unbestritten der schönste Teil der Woche. Zwei Tage voller Ruhe und Entspannung sind die Belohnung für das Überleben einer stressigen Woche. Zumindest theoretisch. In der Realität haben Wochenenden jedoch auch ihre dunklen Seiten. Nein, ich rede nicht von Katerstimmung oder Elternbesuchen, sondern von der unliebsamsten Beschäftigung der Welt: Putzen. Der Sinn dahinter ist mir schon klar. Weniger Staub und Schmutz sorgen für mehr Gesundheit und gesellschaftliche Akzeptanz. Spaß macht es trotzdem nicht.

Im 2-D-Platformer Dustforce hingegen schon. Dort macht man im Grunde nichts anderes, als verschiedene Level möglichst schnell und effektiv von Staub, Schleim oder Laub zu befreien. Der Clou: Jeder der vier spielbaren Charaktere hat wohl mindestens einen Ninja in seinem Stammbaum. Denn zum Bewegungsrepertoire gehören unter anderem Doppelsprünge, die Möglichkeit an Wänden und Decken entlang zu rutschen oder Gegner in anime-esker Weise zu vermöbeln. Allerdings bedarf es etwas Eingewöhnungszeit ehe die Steuerung gut von der Hand geht. Hat man diesen kritischen Punkt jedoch erst einmal überschritten, trumpft Dustforce so richtig auf.

Denn obwohl die Level über Start und Ziel verfügen, wird dem Spieler viel Raum für die Entwicklung einer eigenen Route gelassen. Der Schmutz, der auf dem Weg zur Zielgeraden aufgekehrt werden muss, ist nämlich keineswegs so verteilt, dass man wie in Super Meat Boy von links nach rechts durch die Level hetzen kann. Wie gut die selbst entworfene Route letztendlich ist, schlägt sich in den Kriterien Completion (wie sauber ist der Level) und Finesse nieder.

Letzteres hängt davon ab wie fehlerfrei ein Level gemeistert wurde: Jedes aufgekehrte Staubkorn füllt einen Combobalken und treibt die Punkte in die Höhe. Wird für einige Sekunden kein Schmutz aufgekehrt, fallen diese auf null zurück. Aus den einzelnen Bewegungsabläufen entwickelt sich also wie von selbst eine riesige Choreographie. Dank der liebevollen Animationen ist das auch noch äußerst schön anzusehen – eben wie aus dem Ninja-Lehrbuch.

So hat mich Dustforce schon im Tutorial zur Perfektion angestachelt. Ein Laubblatt wurde verpasst? Neustart. Ein Sprung war nicht fehlerfrei? Neustart. Gut fünfzehn Versuche habe ich gebraucht, ehe ich mir sicher war die Bestnoten für meine Leistung zu bekommen. Und so war es dann auch. Vom Stolz über meine ausgefeilte Technik war bei einem Blick auf die Statistiken allerdings nicht mehr viel übrig. Denn Dustforce zeichnet die Leistungen aller Spieler weltweit auf und präsentiert die Ergebnisse in einer Tabelle. Offensichtlich war ich eine ganze Minute langsamer als der Typ auf Platz 1. „Der schummelt doch!“, geht einem da im ersten Moment durch den Kopf. Zum Glück kann man sich die Replays anderer Spieler ohne weiteres anzeigen lassen. Das kann zum einen furchtbar deprimierend sein, weil man sich angesichts der abgespielten Route sehr dämlich vorkommt, zum anderen aber auch sehr erhellend, da man sich so die Tricks und Kniffe der Konkurrenten abschauen kann. Vor allem in den komplexeren Levels ist das eine unschätzbare Hilfe, wenn man wirklich gar keinen Plan hat, wie man denn überhaupt zum Ziel gelangt.

Dass sich der Weg zur persönlichen Bestleistung sehr knifflig gestaltet, liegt auf der Hand. Umso schöner ist es da, dass Dustforce mit seinem wundervollen Synthie-Soundtrack einen Kontrapunkt zur allgemeinen Hektik setzt. Anstatt wie in Super Meat Boy auf treibende Rhythmen zu setzen, schlägt Dustforce entspannte Töne an, die auch wiederholtes Scheitern an einem Level merklich abfedern.

Soviel steht für mich fest: Putzen bleibt auch nach dem Spielen von Dustforce eine spaßbefreite und reichlich dröge Tätigkeit. Dafür wurde mir aber einmal mehr bewusst, wie sehr ich Plattformer in der Regel unterschätze. Nach meinen ersten Versuchen in den Leveln jenseits des Tutorials wollte ich es ganz tief in meiner Steam-Library verschimmeln lassen. Zu schwer, zu doof, zu wasweißich. Es brauchte zwei Tage, ehe ich meinen Groll überwunden hatte und es nochmal gestartet habe. Seitdem liebe ich es. Denn da wurde mir schlagartig klar, dass mich Dustforce nie dazu zwingt absolut perfekt zu spielen, sondern ich mich wie von selbst dazu motiviere. Vom wöchentlichen Putzeinsatz kann ich das zwar nicht behaupten, aber der macht ja auch lange nicht solchen Spaß wie Dustforce.

Entwickler: Hitbox Team
Plattform: PC (Steam)
Erscheinungsjahr: 2012

Verblendung

„Och nö, muss das sein?!“, „Die Amis wieder…“, „Jetzt schon?!“ – Remakes haben keinen guten Ruf. Remakes sind vor allem eine Möglichkeit das schnelle Geld zu machen und das Original ist sowieso immer besser. Sagt man zumindest. Im Falle von „Verblendung“ sieht die Sache etwas anders aus. Schon 2009 wurde Stieg Larssons erstes Buch der Millenium-Trilogie vom Schweden Niels Arden Oplev verfilmt. Nun, zwei Jahre später, wagt sich David Fincher an den Stoff und bringt damit weniger eine Neufassung von Oplevs Film auf die Leinwand, sondern seine eigene Interpretation der Romanvorlage.

Für den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist (Daniel Craig) könnte es kaum schlechter laufen. Dank eines mit falschen Beweisen unterfütterten Artikels über den Industriemogul Wennerström hat er nicht nur eine Verleumdungsklage am Hals, sondern verliert darüber hinaus seinen guten Ruf und große Teile seines Vermögens. Am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen, wird Blomkvist vom Unternehmer Henrik Vanger angeheuert, um das Verschwinden seiner Enkelin Harriet in den 60er Jahren aufzuklären. Als Belohnung für die Arbeit winken ein großzügiges Honorar und belastende Beweise gegen Wennerström. Als die Ermittlungen immer weitere Kreise ziehen und ins Stocken geraten, erhält Blomkvist Unterstützung durch die talentierte aber komplizierte Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara).

Bis zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Figuren lässt sich David Fincher jedoch viel Zeit. Über eine Stunde dauert es bis Blomkvist an Salanders Tür klopft und die Geschichte so richtig in Fahrt kommt. Genug Vorlauf also, um den Figuren das nötige Profil zu verpassen. Daniel Craig nimmt man die Rolle des investigativen Journalisten im ersten Moment nicht unbedingt ab. Wenn er da zu Beginn aus einer Gerichtsverhandlung stürmt, sieht er eher (allein wegen seiner Physis) nach James Bond aus. Craig gibt sich im Verlauf des Filmes alle Mühe die gedankliche Brücke zu seiner bekanntesten Rolle einzureißen und hat damit durchaus Erfolg.

Die wesentlich interessantere Figur ist jedoch Lisbeth Salander. Unangepasst, antisozial, aber unglaublich intelligent und durchsetzungsfähig. Rooney Mara vermag all diese Eigenschaften hervorragend in ihr Schauspiel einzuweben und verleiht dieser Figur durch ihren zierlichen Körperbau sogar noch eine Spur Verletzlichkeit. Ein Punkt, der für die Geschichte von zentraler Bedeutung ist. Denn nicht umsonst ist „Männer, die Frauen hassen“ die exakte Übersetzung von Larssons Romanvorlage. Die ohnehin sehr spannende Kriminalgeschichte um Harriets Verbleib entpuppt sich rasch als Sittengemälde einer durch und durch verkommenen Familie, in der Faschismus, religiöser Fanatismus und eben Gewalt gegen Frauen auf der Tagesordnung zu stehen scheinen.

Führt man sich den düsteren Grundton in Finchers bisherigen Filmen vor Augen, dann scheint der Romanstoff wie für ihn gemacht. Und der Amerikaner enttäuscht nicht. Schon die phänomenale Eröffnungssequenz mit ihrer Videoclip-Ästhetik, weist die Richtung, die Fincher für seine Version im Kopf gehabt hat. Auch der restliche Film versprüht wenig Wärme. In eiskalten, fast schon sterilen wird die schwedische Einöde präsentiert. Das ist so wirkungsvoll in Szene gesetzt, dass man meint, die Kälte würde direkt von der Leinwand in den Kinosaal kriechen. Nicht unwichtig für die Atmosphäre sind das Sounddesign und die musikalische Untermalung, für die sich einmal mehr Trent Reznor und Atticus Ross verantwortlich zeichnen. Der Soundtrack hält sich angenehm im Hintergrund, lagert sich aber wie ein dünner, eiskalter Ölfilm in den Gehörgängen ab.

Beispielhaft für die starke Atmosphäre, die Fincher durch das Zusammenspiel von Bildsprache und Sounddesign erzeugt, ist ganz sicher die Vergewaltigungsszene, die schon in der Romanvorlage für Unbehagen sorgte. Bei Finchers Umsetzung wird allerdings schon das sonore Geräusch eines Staubsaugers so unerträglich wie ein surrender Bohrer beim Zahnarzt – und da hat die Szene noch nicht mal richtig angefangen. Der eigentliche Missbrauch ist dann so hart in Szene gesetzt, dass sich der Magen unweigerlich ein Stück zusammenkrampft. Insgesamt ist Finchers Fassung deutlich härter als die schwedische Verfilmung, hält sich damit aber nur noch stärker ans Buch.

Bei all dem Lob für audiovisuelle Aspekte und Umsetzung der Geschichte: Ganz ohne Kritik kommt David Fincher aber nicht davon. Durch das späte Aufeinandertreffen von Salander und Blomkvist wirkt der anschließende Annäherungsprozess fast schon zu hastig, ja stellenweise sogar überstürzt. Auch dürfte es Zuschauern ohne Romankenntnisse schwer fallen der Handlung immer hundertprozentig zu folgen. So verzichtet Fincher beispielsweise darauf das Rätsel um die gepressten Blumen aufzulösen und überhaupt ist der Epilog so wirr, dass eigentlich nur Kenner begreifen, was da eigentlich gerade los ist.

Bleibt noch die unausweichliche Frage welche Verfilmung die bessere ist. Mein Bauchgefühl tendiert eindeutig zu David Finchers Film. Die stilsichere Inszenierung spricht mich persönlich einfach mehr an, als der TV-Muff, der Oplevs Version nun mal anhaftet. So oder so sollte man dem vermeintlichen „Remake“ eine Chance geben. Denn Verblendung ist auch in seiner aktuellen Fassung ein äußerst spannender Thriller.

Erscheinungsjahr: 2012
Produktionsland: USA, Schweden, Deutschland, UK
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steven Zaillian
Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård u.a.

The Elder Scrolls V: Skyrim


Langsam entspannen sich meine Handgelenke. Wo vor wenigen Momenten enge Handschellen waren, sind jetzt nur noch langsam verblassende Druckstellen zu sehen. Mürrisch begrüßt mich eine Wache im Fischerdorf Seyda Neen. Der Geruch des Meeres und morscher Holzhütten steigt mir in die Nase. Es ist der Duft der Freiheit. Schnitt. Weiterlesen

Jahresrückblick 2011: Die Spiele

Was Filme angeht war 2011 extrem überschaubar. Ganz anders bei den Spielen. Das letzte Jahr war vollgepackt mit hochkarätigen Titeln, vielen Fortsetzungen und ganz wunderbaren Indiespielen. Eine Top 5 zusammenzustellen käme einer Qual gleich. Da kommt mir der POLYGON Award von polyneux.de gerade recht. Eine fabelhafte Idee bei der ich mich doch glatt beteilige. Hier also meine 10 Lieblingsspiele 2011: Weiterlesen

Jahresrückblick 2011: Die Filme

Gleich zu Beginn der zweiten Runde des Rückblicks 2011 steht die Erkenntnis: Ich sollte im neuen Jahr wieder viel öfter ins Kino gehen. Nicht mal eine einzige Sneak Preview gesehen.. Das geht natürlich nicht und wird prompt einer meiner Vorsätze für 2012. So einfach ist das! Überhaupt gab es für mich kaum nennenswerte Filme im letzten Jahr. Deswegen konnte ich auch beim besten Willen keine Liste mit 10 Titeln zusammenstellen, ohne auf mittelmäßiges Füllmaterial zurückzugreifen. Eine unsortierte und garantiert spoilerfreie Top 5 muss es also auch tun: Weiterlesen

Jahresrückblick 2011: Die Musik

Supermärkte werden leergekauft, Feuerwerk schon mal probehalber gezündet und die weihnachtlichen Schokoladenvorräte sind aufgebraucht: Das Jahr 2011 neigt sich seinem Ende zu. Grund genug die letzten zwölf Monate nochmal Revue passieren zu lassen. Ist ja eh so eine weitverbreitete Bloggerkrankheit, der ich mich nur schwer entziehen kann. Und weil es seit dem Relaunch hier nicht mehr nur um Musik geht, kommt der Jahresrückblick in drei separaten Teilen. Ist das nicht abgefahren? Los geht es aber ganz klassisch mit der Musik. Ganz subjektiv und vor allem ohne spezielle Rangfolge küre ich meine 5 Lieblingsalben 2011, schmeiße noch eine Best-Of-Liste mit den 20 tollsten Songs raus (natürlich mit Links!) und runde das Ganze mit einigen Sonderkategorien ab. Weiterlesen

Dark Souls


Scheppernd sackt der Ritter in schwarzer Rüstung vor mir zusammen. Nur wenige Momente zuvor sind wir noch wie zwei Raubtiere umeinander gekreist, haben die Verteidigung des jeweils Anderen studiert und auf den entscheidenden Fehler gewartet. Ich war schneller. Gerade als mein Gegner mit seiner Axt ausholt, setze ich mit meinem Speer einen flinken Treffer. Er sinkt zu Boden, ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Weiterlesen

Kurz und gut: Olson & Eou

Es ist wieder einmal Zeit auf etwas Gratismusik hinzuweisen. Heute mit einer doppelten Portion Hip Hop aus deutschen Landen. Ich hör die Leute schon aufheulen. Keine Panik! Denn spätestens seit dem Durchbruch von Marteria und Casper kann man ja wieder Hip Hop hören, ohne gleich vor Scham im Boden zu versinken. Mehr noch: Man kann sich auch wieder mit den Texten identifizieren. Weiterlesen

Der Gott des Gemetzels

Gewalt ist keine Lösung. Schon gar nicht in unserer zivilisierten Welt. Da werden Konflikte mit Worten statt mit Prügel gelöst. Es wird vernünftig argumentiert und nicht mit Beschimpfungen herumgeworfen. Zachary Cowan sieht das anders. Er schlägt seinem Mitschüler Ethan Longstreet mit einem Stock zwei Zähne aus. Aufgrund des Vorfalls treffen sich die Eltern der beiden Streithähne um die Angelegenheit wie Erwachsene zu klären. Weiterlesen

Rockstah – Nerdrevolution

Internetrapper. Twitter. Youporn. 365-Tage-Bart. Xbox 360. Ghostbusters. iPhone. Das, so der Eröffnungstrack, und noch viel mehr ist Rockstah: Rapper und Vollblutnerd in Personalunion. Die thematische Ausrichtung der schon 2010 veröffentlichten Platte überrascht also kaum: Der gemeine Nerd wird gefeiert, überspitzt und karikiert. Ein typisches Rap-Album ist das bestimmt nicht. Statt Felgen, Schwanzvergleich und Ich-bin-der-geilste-Geblubber gibt’s Chewbaccageschrei und Pikachurufe auf die Ohren Weiterlesen